Windpark Reiskirchen/Reinhardshain

Späte Information nur ein Kritikpunkt bei Infoabend

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150 Zuhörer im voll besetzten DGH Reinhardshain - der Infoabend zum Windpark stößt auf große Resonanz. Vertreter des Projektierers und der Stadt Grünberg müssen sich heftiger Kritik erwehren.

Energiequelle" - ein Unternehmen mit Hauptsitz in Kallinchen nahe Berlin - hat Großes vor: Im Wald zwischen Bersrod und Reinhardshain, im Vorranggebiet 4111/ 4113, will die GmbH zehn Windräder mit einer Nabenhöhe von 166 Metern bauen. Die Leistung der Anlagen wird mit je 4 Megawatt angegeben.

So zumindest der Stand der Dinge, denn welcher Anlagentyp zum Zug kommt, steht noch nicht fest. Mithin auch nicht das konkrete Ausmaß der Fundamente, zu deren Komplettrückbau der Bauherr verpflichtet ist, dafür eine Sicherheitsleistung von je 200 000 Euro hinterlegen muss. Energiequelle geht aktuell und unter Hinweis auf den hier bereits in drei, vier Metern anstehenden Fels von einer Tiefe von 3,5 bis 4 Metern aus. Eine Grundwassergefährdung wie etwa bei 18 Meter tiefen Pfahlgründungen sei daher nicht zu erwarten; falls doch, werde die Genehmigungsbehörde RP Gießen Vorkehrungen verlangen.

"Wieso zu spät informiert? Wird doch nicht schon 2020 gebaut"

"Wie können Sie das sagen, da der Anlagentyp noch nicht feststeht?", war da nur ein Ansatzpunkt der Kritik aus dem Publikum. Dieser sah sich vor allem Projektentwickler Peter Wiebensohn bei der Infoveranstaltung ausgesetzt, zu der die Stadt Grünberg sowie Ortsbeirat und Schutzgemeinschaft Wasser und Wald (SWW) Reinhardshain geladen hatten. Ob der zuletzt von Windparkgegnern verbreiteten Gerüchte und Vorwürfe erhoffte sich Ortsvorsteher und SWW-Vorstand Rüdiger Hefter von dem Abend vor allem eines: "mehr Sachlichkeit".

Nicht anders Bürgermeister Frank Ide, der wie Hefter den Vorwurf zu später Information zurückwies: "Es wird doch nicht schon im Jahr 2020 gebaut."

Die Eckdaten des Windparks - bis auf einen Standort im Gemeindegebiet Reiskirchen befinden sich alle im Eigentum von Hessen Forst - wurden im April in Bersrod erläutert (die GAZ berichtete). Um dennoch ein vor Ort reklamiertes Informationsdefizit zu beheben, wurde am Dienstag gleich eine Handvoll Ansprechpartner aufgeboten. Bedauert wurde, dass Hessen Forst abgesagt hatte (der Landesbetrieb kassiert die Pacht, die Gemeinden erhalten in geringerem Umfang Gewerbesteuer, berechnet nach anteiligem Gewinn, nach Abzug von Abschreibung und Betriebskosten, die Red.).

Projektierer: RP Gießen bundesweit die drittschärfste Windparkbehörde

Projektentwickler Wiebensohn verwies aufs Neue auf die strengen Voraussetzungen einer Genehmigung, für das hier das RP Gießen ("drittschärfste Behörde in Deutschland") zuständig ist. Halte man die Vorgaben - etwa zum Abstand von Ortslagen (1000 Meter), zu Lärmimmissionen ("in 200 Meter Entfernung entspricht Anlagengeräusch der Unterhaltung zweier Personen") oder zur Windhöffigkeit ("mehr als 5,75 m/sek in 140 Metern") - nicht ein, gebe es kein Baurecht.

Zum Kritikpunkt "Eingriff in Waldflächen" bemerkte er, dass die Mühlen weder das Flora-Fauna-Habitat (Altbuchen) noch die Hügelgräber tangierten, der Flächenverbrauch inklusive Arbeits-/Lagerfläche nur 0,9 ha betrage, am Ende aber noch mehr wiederaufgeforstet sein werde, und die Waldwege um nur einen Meter verbreitert werden müssten. Zudem handele es sich zum großen Teil um Lichtungen oder klimabedingt geschädigte Fichtenbestände, die ob des Borkenkäferbefalls bereits gerodet wurden oder denen dies bevorstehe.

Wer den Wald schützen wolle, müsse für erneuerbare Energien sein, da diese das Klima schützten, sekundierte hier Martin Krauß (BUND). Und: In Mittelgebirgslagen seien nun mal die für Windkraft geeigneten Höhen zumeist bewaldet.

BUND: Nur 21 Schlagopfer beim Zug der Kraniche

Krauß widersprach Vermutungen aus dem Publikum, geschützte Arten wie Kraniche seien durch Windräder im Bestand bedroht. Laut Statistik der Staatlichen Vogelschutzwarten habe es in 20 Jahren bei rund einer halben Million dieser Zugvögel gerade mal 21 Schlagopfer gegeben.

Dass das Monitoring-Verfahren (bundesweite Information über Vogelzüge, Abschaltung bei Gefährdung) beim Windpark Grünberg funktioniere, ergänzte Ide.

"Und was ist mit dem Rotmilan?", fragte ein Zuhörer. Dass der rund um Reinhardshain häufig vorkomme, bestätigte Christian Heuck, von Energiequelle mit den avifaunistischen Untersuchungen beauftragt. Diese seien noch nicht abgeschlossen, von daher vermöge er nicht zu sagen, ob es etwa besetzte Horststandorte nahe von Anlagen gebe; bekanntlich ein Ausschlusskriterium.

Thema war auch die EEG-Umlage, die zugunsten des Gewinnstrebens der Betreiber jeden Bürger mit 237 Euro im Jahr belaste. "Stimmt", meinte Uwe Kühn von der Genossenschaft "Sonnenland" als potenzieller Betreiber des Windparks. Und riet zu Beteiligungen - flösse doch dann etwas von den Subventionsgeldern für die Erneuerbaren Energien zurück in die Region.

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