Schlechteste Bilanz seit 40 Jahren

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Grünberg (la). Sehr kritisch bewertet der Vorsitzende des Vogel- und Naturschutzvereins Harbach, Harald Braun, die in diesen Tagen neu erstellte Brutbilanz des vergangenen Jahres. Der Vogel- und Naturschutzverein Harbach unterhält in der Gemeinde über Jahrzehnte zwölf Nistkastenreviere für Höhlenbrüter. Sie sind in vielseitigen Biotopen eingerichtet.

Vor über zehn Jahren stellten die Naturschützer fest, dass alte und neue Nistkästen innerhalb kürzester Zeit belegt und für Bruten oft zweimal jährlich erfolgreich genutzt wurden. Die Belegungsquote lag hierbei im Schnitt über 80 Prozent. Spitzenreiter bei der Brutbelegung in Vollhöhlenkästen war regelmäßig die Kohlmeise, gefolgt von Blaumeise/Tannen-und Sumpfmeise, Kleiber, Trauerschnäpper, Gartenrotschwanz und Star.

Von den Nistkasten-Revierbetreuern, Katrin Göpfert, Martin Neumann, Claus Neumann, Rainer Launspach, Till Allmang, Wolfgang Allmang, Michael Lischke, Volker Keil und Harald Braun werden jeweils die Nistkästen in den Revieren im Spätherbst inspiziert, Bruten registriert und gereinigt. Alle Daten wurden an den ehrenamtlichen Ortsbeauftragten der staatlichen Vogelschutzwarte (Harald Braun) gemeldet. Damit ließen sich die Entwicklungen von heimischen Vogelarten in Abhängigkeit der Wetterkapriolen und damit über Lebensraum und Nahrungsangebot gut zuordnen.

Hoher Leerstand an Nistkästen

Die Belegungsquote aller Nistkästen lag in den zurückliegenden Jahren (2010) bei 85 Prozent. Als stärkste Vogelart wurden in den Revieren in Zusammenfassung die Meisen, gefolgt von Sperlingen und Kleibern erfasst. Im Jahr 2010 wurden noch 179 Brutpaare an Meisen, 40 Brutpaare Sperlinge und 14 Brutpaare Kleiber ermittelt, die erfolgreiche Bruten aufzogen.

Seit 2015 wurden in Harbach einschneidende Brut-Abwärtsentwicklungen in den Revieren ermittelt. Im Jahre 2020 gipfelte diese negative Tendenz in dem Endergebnis, dass nur 80 Meisenpaare, sechs Sperlinge und sechs Kleiber einen erfolgreichen Brutverlauf hatten.

Erschreckend sei dabei der hohe Leerstand ungenutzter Nistkästen von über 30 Prozent, verlassene Gelege von 13 Prozent, verstorbene Brut und Altvögel von (zwei Prozent) und Waschbärraub von sechs Prozent.

Mit neuer Schutznachrüstung an den Nistkästen konnten zumindest die Waschbär-Plünderungen in den letzten Jahren um rund fünf Prozent gesenkt werden.

Eine zunehmende Todesrate von Brut- und Altvögeln aufgrund von Pestizideinflüssen und Nahrungsmangel in der heimischen Flur sei naheliegend, so die Vogelschützer. Die großen landwirtschaftlichen Nutzflächen von Rapsanbau und Getreide, auch die Wiesen-Frühmahd für Silageprodukte mit maschinell gestützten intensiven Bearbeitungsmethoden in der Region, würden die Artenvielfalt weiter dezimieren.

Abschließend stellt Braun fest, dass 2020 die schlechteste Vogelbrutbilanz seit 40-jähriger Aufzeichnung verzeichnet wurde.

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