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"Sagt immer, was ihr möchtet"

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Grünberg (fp). Was hätte thematisch besser zum Frauenfrühstück in Queckborn passen können als die Weisheit, wie man Männer am besten um den Finger wickelt. Diese "Kunst" vermittelte dann auch eindrucksvoll Michaele Scherenberg. Die Märchen- und Geschichtenerzählerin sowie TV-Moderatorin war am Samstag zum zwölften Frauenfrühstück der evangelischen Kirchengemeinde in die Sport- und Kulturhalle des Grünberger Stadtteils gekommen. Über eine Stunde zog sie die zahlreich erschienenen Damen mit Geschichten, Stimme und Mimik vollends in ihren Bann. Sigrid Bink hatte sie eingangs begrüßt und dankte dem Team, ohne dessen Hilfe ein solches Frühstück nicht alljährlich im Oktober stattfinden könne.

Weises von Minchen und Trinchen

Scherenberg begann ihre Erzählungen mit der Geschichte von Minchen und Trinchen. Zwei betagte Damen, die in jungen Jahren entschieden hatten, ohne Männer aufzuwachsen. So gehörte das tägliche Frühstück zu den lieb gewonnenen Gewohnheiten. Jede der beiden aß dabei Tag für Tag dieselbe Seite vom Brötchen. Als Trinchen den Himmel spürte, ihr Ende nahte, sprachen beide über ihre lebenslange Zuneigung. Doch die hatte einen Haken. Beide gestanden sich unter Tränen, dass sie gerne einmal die andere Seite des Brötchens gegessen hätten. So endete die Geschichte mit dem Ratschlag von Scherenberg, den sie auch von ihrem Vater übernommen hatte: "Kinder, sagt immer, was ihr möchtet."

Der Mann sei ein seltsames Wesen, so die Erzählerin weiter. Er rede viel zu wenig und wenn er nicht redet, meinen die Frauen, dass er eventuell denkt - und das tut er, sagte Scherenberg. Sie malte die Geschichte eines Mannes und seiner Frau aus, die unweit von Queckborn in einem Haus lebten. Beide waren voneinander so angetan, dass sie heirateten. Doch nach Jahren veränderten sich die Gespräche. Er meckerte an ihrer Kleidung und am Essen herum. Sie war der Ansicht, sie hätte ihn doch nicht nehmen sollen. Als ihr die Nörgelei zu bunt wurde, kam sie zu der Ansicht, dass ihr Mann krank sei. Sie begab sich zu einer alten Frau, um eine Medizin zu erbitten. Die gab jedoch ihr einen Trank mit dem Rat, einen Schluck zu nehmen, wenn der Mann wieder unfreundlich werde. Je länger sie den Schluck im Mund behalte, desto wirkungsvoller sei die Medizin. Dafür hatte sie mit einem Huhn bezahlt und bekam, wieder zu Hause, Schelte von ihrem Mann. Nun nahm sie einen kräftigen Schluck und behielt ihn lange im Mund. Das tat sie nun jedesmal, wenn Streit aufzog. Da bekam es der Mann mit der Angst zu tun und wurde wieder liebevoller zu ihr.

Scherenberg rief den Frauen zu: "Dieses Mittel hilft immer. Nicht immer gebe ein Wort das andere. Innehalten und abwarten, auch wenn mal böse Worte fallen." Das funktioniere für beide Geschlechter, sagte Scherenberg augenzwinkernd.

Mit ihrem Bergkristall-Instrument erzeugte die Märchenerzählerin dann Frequenzen, die wohltuend aufgenommen wurden. Nach einem Gedicht von Hélder Câmera, Erzbischof im brasilianischen Recife, ermunterte sie dazu, auch eigene schöne Geschichten bei vielerlei Gelegenheiten zu erzählen und nicht nur über Krankheiten oder Essen zu sprechen. Anschließend gab sie das Grimm-Märchen "Der Großvater und der Enkel" zum Besten, um dann mit der asiatischen Geschichte "Die Blume einer Königin" zu enden.

Michaele Scherenberg (Jg. 1950) arbeitet als Filmemacherin und TV-Moderatorin für den Hessischen Rundfunk. Sie wurde vor allem durch die Sendereihe "Hessen à la carte" sowie viele Reisereportagen einem breiteren Zuschauerkreis bekannt (aus: Wikipedia).

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