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Musikalisches Freudenfest in der Gallushalle mit (v. l.) Christoph Oeser (Piano), Doris Assenheimer (Saxofon), Gaby Kaufmann (Kontrabass), Wolfgang Schäffer (Cajun-Fiddle), Marcel Hochstraßer (Schlagzeug) und Emile Zielinger (Gitarre, Mundharmonika).

Rendezvous in der Gallushalle

  • Gabriele Krämer
    VonGabriele Krämer
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Grünberg (ik). So etwas hatte die »gut Stubb’« der Grünberger seit mittlerweile fast zwei Jahren nicht mehr erlebt: Mitreißende handgemachte Musik, lauter Jubel, langes Beifallklatschen und angeregtes Geplauder erfüllten die Gallushalle. Möglich wurde diese erste Veranstaltung nach coronabedingtem Stillstand durch den 1. Jazzclub Grünberg.

Pünktlich zu seinem 30-jährigen Bestehen hatte der Club am Samstagabend zum Jazzmeeting eingeladen. Die Veranstaltung hat Tradition und erlebte nun ihre 26. Auflage. Club-Chef Wolfgang Knerr und sein Vorstandsteam freuten sich denn auch über ein »volles Haus« (2G-Regelung).

Dass der Club immer für eine musikalische Überraschung gut ist, zeigt die lange Liste seiner Stargäste, die jene besonderen Herbstkonzertabende unvergesslich werden ließen - darunter als zwei Highlights die Konzerte der Legenden Paul Kuhn († 2013) und Bill Ramsey († 2021).

Von ungewohnter Seite zeigte sich jetzt Christoph Oeser, der in diesem Rahmen bereits zweimal seine musikalische Visitenkarte als Boogie-Woogie-, Blues- und Jazz-Pianist abgegeben hatte, dem Grünberger Publikum. Nach einem wahren Boogie-Tasten-Feuerwerk am schwarzen Flügel offenbarte der international renommierte Virtuose aus Offenbach seine Liebe zu zwei ansteckenden Rhythmen der Südstaaten: Cajun und Zydeco. Diese Liebe kommt nicht von ungefähr - Oeser hat familiäre Wurzeln in Louisiana.

Zurück zu den Wurzeln

Die prickelnde Kombination aus Boogie, Cajun, Blues und Zydeco untermauerte er mit souverän eingestreuten Informationen zu den Ursprüngen der Südstaaten-Musik. Cajun geht auf die frankokanadischen Siedler zurück, die im späten 18. Jahrhundert nach Louisiana gekommen sind. Entsprechend werden diese Songs auch auf Französisch gesungen. Zydeco wurde ab der Mitte des 19. Jahrhundertes von den afroamerikanischen Farmpächtern, Sklaven und Bauern entwickelt.

Im ersten Set ging es anfangs noch wohldosiert im Duo mit Marcel Hochstraßer (Schlagzeug) ans Eingemachte. Die Sache nahm an Fahrt auf, als sich Doris Assenheimer gut gelaunt dazu gesellte und mit ihrem Tenosaxofon einen fabelhaft erdigen Klangteppich webte; später stimmte sie auch als Sängerin mit ein.

Als weitere musikalische Gäste hatte sich Oeser einen ausgewiesenen Experten des Genres eingeladen: Der Elsässer Sänger Emile Zielinger (Gitarre, Mundharmonika) hat sich schon seit Mitte der Siebzigerjahre der Cajun- und Zydeco-Musik verschrieben, hat zeitweise in Louisiana gelebt und gearbeitet und dort mit legendären Musikern der beiden Genres gespielt.

Komplettiert wurde die Band durch die Kontrabassistin und Sängerin Gaby Kaufmann und Wolfgang Schäffer mit einer fürwahr explosiv gespielten Cajun-Fiddle - im zweiten Set lief die Band »Les Bon Temps Rouler« zu bemerkenswerten Höchstleistungen auf. Das Besondere: Oesers Klavierspiel ersetzte das Akkordeon, das in der Cajun- und Zydeco-Musik eine zentrale Rolle spielt.

Mit durchweg amüsanten und augenzwinkernd vorgetragenen Ansagen zu den teils von ihm selbst geschriebenen Liedern übernahm Zielinger dann rasch die Regie; im Saal herrschte derweil fast familiäre Atmosphäre. Zugute kam diesem Jazzmeeting ohnehin, dass Cajun und Zydeco als zeitlos gute Musik einzustufen sind. So dampfte der »Orange Blossom Special« in einer von Assenheimer gezauberten Blues-Version durch die Gallushalle, und zum ohrwurmverdächtigen Cajun-Klassiker »Jambalaya (on the Bayou)« ließ sich das Publikum gern auf eine mentale Reise in die verwunschene Sumpflandschaft Louisianas ein.

Drei Stunden vergingen wie im Fluge - dennoch hatten Oeser, Zielinger und Co. noch Kraft und Spaß, zum Abschluss einen lautstark vom Auditorium geforderten Boogie Woogie als Zugabe zu präsentieren. Einfach klasse. Um es mit Zielinger zu sagen: »Merci beaucoup!«

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