ik_Gruenberg2_160221_4c
+
Erinnerung auf Fotopapier: Der »Grimmicher Reiter« Gerd Lippert präsentiert aus der Bütt heraus das »Last Minute-Prinzenpaar« des Vorjahres alias Bürgermeister Frank Ide (l.) mit Ehefrau Tanja.

Prunksitzung aus dem Homeoffice

  • vonHans-Joachim Losert
    schließen

Grünberg (fp). Eine Kampagne ohne Prunksitzung? Das konnte sich Peter Scheuermann, Sitzungspräsident der Karnevalistischen Vereinigung Grünberg, gar nicht vorstellen. So überraschte er am Samstagabend die Narrenschar im Homeoffice mit der ersten virtuellen Prunksitzung. Als Gäste hatte er den schlafenden »Grimmicher Reiter« Gerd Lippert geweckt, und »Bembelator« Martin Philippi sang ebenfalls per Videoeinspielung.

Mit dieser Aktion traf Scheuermann mitten ins Schwarze. Dies beweisen die zahlreichen Aufrufe der in puncto Veranstaltungen ausgehungerten Narrenschar in kurzer Zeit sowie die Kommentare in den entsprechenden Netzwerken.

Unter dem Motto »In China schmeckt die Fledermaus, drum fällt in Grimmich der Fasching aus« blickten Scheuermann und Lippert zunächst mit dem gebotenen Abstand auf die letzte Sitzung zurück. Der »Reiter« als Wächter der Stadt wusste noch: »Die KVG hatte schlechte Karte, weil sie kein großes Prinzenpaar hatte«. Bei der kurzerhand abgewickelten Castingshow gab es folgendes Ergebnis: »Ohne Pandemie hätten wir heute - und das ist kein Hohn - den Bürgermeister nebst Gattin auf dem Prinzenpaarthron. Unter diesen Umständen - das sei am Rande erwähnt - hat seine Tanja vielleicht das Virus ersehnt.«

Lippert sinnierte traurig weiter: »Die Kneipe zu, kein Bier vom Fass, wie ich das blöde Virus hass. Die Lethargie, wie man im Rathaus sie lebt, hat sich anscheinend über die ganze Stadt gelegt.«

Die Wiedereröffnung des Modehauses Steinmetz fand sich ebenso in der Rede des »Reiters« wieder wie eine Straßenreparatur in der Marktgasse: »Mitten in der Fußgängerzone klaffte ein Loch, das war nicht ohne. Zehn Wochen lang keine Steine, kein Split, so nahm man die Baustell ins neue Jahr mit. Jetzt is se geflickt. Was lernen wir draus? Grimmich geht nicht nur Kohle, sondern auch Steine aus.«

Die Kommunalwahlen nahm Lippert aufs Korn. »Der Bürger hat erneut die Wahl, sein Votum zählt dann kommunal. Einige Parteien haben sich ungelogen einer Verjüngungskur unterzogen. Bei anderen hingegen, das sei nicht gehetzt, hat man wieder auf bekannte Grimassen gesetzt. Die Themen, das sind die gleichen, sie ziehen sich sodann bei allen Parteien durchs Wahlprogramm. Windpark Grünberg in aller Munde, dreht nun auch die nächste Runde. Höher, schneller, weiter sollen die Räder sich dreh’n, doch der Bürger will so was nicht sehn.« Und weiter: »Tourismus fördern - auch ein guter Ansatz. Doch lebensgefährlich ist es uff ’em Campingplatz. Beim Betreten des Platzes, vielleicht so gewollt, kriegt jeder ’nen Schlag von 220 Volt. Das fühlt sich so an, das muss ja nicht sein, als trete man auf einen sehr spitzen Stein«.

Nach der Anspielung auf die vermeintlich negativen Zustände auf dem Campingplatz »Am spitzen Stein« leitete Lippert zur Bürgermeisterwahl über. »Als Gegenkandidat gibt’s bis heute nur ein, das ist auf dem Zettel das Kästchen mit Nein. Aber eine Idee hätt ich da noch: Das wär doch genial, so hätte der Bürger tatsächlich mal die Wahl. Es müsste doch einfach - und jetzt passt mal uff - drei Sitzungspräsidenten auf den Wahlzettel druff. Von Labach de Ruppel, dort knapp gescheitert, kurzerhand in Grimmich de Horizont sich erweitert. Von de Karnevalsfreunde in Beltershain will doch der Präsident Schlosser auf den Schein. Und zu guter Letzt, neben mir sitzt er: der KVG-Sitzungspräsident, der Scheuermanns Peter. Bei diesen vier Kandidaten, da trügt nicht der Schein, zieht auf jeden Fall ein Narr ins Rathaus ein.«

Den stimmungsvollen Abschluss gestaltete Hofsänger Martin »Mickie Krause« Philippi mit seiner Interpretation des Homeoffice-Hits »Traum von Fassenacht«. Kamera und Schnitt führte Alexander Domschke unter den entsprechenden Sicherheitsbedingungen durch.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare