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Erhitzt zunehmend die Gemüter: der Wolf. FOTO: DPA

Planmäßige Bejagung statt "Wolfs-Management"

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Grünberg(dis). Unter der Überschrift "Passt der Wolf in unsere Kulturlandschaft?" hatte die Jägervereinigung Oberhessen zu einer Vortragsveranstaltung in die Gallushalle geladen. Vorsitzender Helmut Nickel (Stockhausen) freute sich über 468 Besucher.

Verbreitung, Populationsentwicklung, Monitoring, Rissgeschehen und -begutachtung sowie der Umgang der Politik mit dem Wolf gehörten zur breiten Themenpalette, die an dem Abend beleuchtet wurde. Dazu konnten die "Oberhessen-Jäger" Sachkundige wie den emeritierten Zoologieprofessor Hans-Dieter Pfannenstiel und Uwe Müller als ehemaligen Rissgutachter für Thüringen sowie Sprecher von im Landtag vertretenen Parteien aufbieten.

Da nun auch Hessen vom Wolfserwartungs- zum Wolfsland geworden sei, sei ein Eingreifen erforderlich, machte Nickel die Position der "Oberhessen-Jäger" klar. Man erweise der Art keinen Gefallen, wenn man sie bedingungslos schütze. "Sachlich betrachtet, ist er ein Raubtier und hat schon Haus- und Wildtiere gerissen." Nicht angebracht nannte Nickel das Ansinnen einiger Naturschützer, den Wolf als einen "mit allen Vollmachten ausgestatteten Waldpolizisten hochzustilisieren".

Pfannenstiel stellte der Politik ein schlechtes Zeugnis aus. Er verwies auf neue Daten des Bundesamtes für Naturschutz: Danach gab es hierzulande im Frühjahr vorigen Jahres 105 Rudel (meist acht bis zehn Tiere), 25 Paare und 13 Einzeltiere. In Deutschland liege die Populationszuwachsrate jährlich bei etwa 35 Prozent, und nach einer Hochrechnung des Deutschen Jagdverbandes könnten es im kommenden Frühsommer bereits an die 2000 Wölfe sein. Ein Bestand, so Pfannenstiel, der weit über dem liege, was in anderen europäischen Ländern zugelassen werde.

Obergrenzen in der Kritik

In Frankreich gelte so eine Obergrenze von 500 Wölfen und im um 25 Prozent größeren Schweden mit einer Bevölkerungsdichte von weniger als 10 Prozent seien es 270 Tiere.

Pfannenstiel zufolge müsste sich der Wolf an unsere Kulturlandschaft anpassen - "und nicht der Mensch an den Wolf." Der sei im Übrigen nicht von Natur aus so scheu, wie oft behauptet werde. Litten sie Hunger, suchten sie die Nähe des Menschen und können auch diesen bedrohen. Seine Forderung lautet daher planmäßige Bejagung, zumal dies den Bestand nicht bedrohen würde. Kontrolle und nicht nur Beobachtung, wie in den "Management-Plänen" der Bundesländer vorgesehen, sei zu fordern. Andernfalls drohten in Haus- und Wildtierbeständen nicht wiedergutzumachende Schäden. "Was nützt da eine Entschädigung?", fragte der Referent und verlangte, "urbane Ökophantasten" dürften nicht das Sagen haben.

Rissgutachter Uwe Müller belegte anhand von Fotos, dass nicht jeder der Tierkadaver von Wölfen stammte. Auch Hunde und Füchse seien beteiligt gewesen. Für einen optimalen Wolfsschutz bräuchte es Zäune in der Höhe von 90 bis 120 Zentimetern; zum Schutz von Schafen und Ziegen empfahl er auch speziell ausgebildete Hunde (zwei je 100 Tiere). Zwar sei der Zuschuss für Zäune von 31 auf 40 Euro pro Jahr in Hessen erhöht worden, doch müsse dafür mindestens eine Fläche von fünf Hektar bewirtschaftet werden. Ein Punkt, der aus dem Publikum lautstark kritisiert wurde.

Teils emotional ging es anschließend in der Diskussionsrunde zu. Etwa als Landtagsabgeordneter Hans-Jürgen Müller (Grüne) nichts davon hielt, den Wolf ins Jagdrecht zu übernehmen. Erst müsse geklärt werden, wie viele Wölfe Deutschland vertragen könne. Neben der Prämie für einen Herdenschutz müsse es auch eine solche für den Weidenschutz geben. Gemeinsame Lösungen seien gefordert.

MdL Claudia Papst-Dippel (AfD) forderte eine Überarbeitung des "Wolfsmanagements" und reklamierte, die Art sei in Europa nicht vom Aussterben bedroht. Als überholt bezeichnete der jagdpolitische Sprecher der SPD im Landtag, Heinz Lotz, besagtes Management. Gefordert sei ein sachlicher Umgang mit dem Thema.

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