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Das Lutherhaus am Grünberger Marktplatz existiert nicht mehr. Hier soll der weltberühmte Reformator nach seiner überstürzten Abreise aus Worms am 30. April 1521 übernachtet haben.

Luthers Spuren in Grünberg

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Ich stehe hier, ich kann nicht anders. Amen.„ Ob Luther diese legendären Worte auf dem Wormser Reichstag tatsächlich gesprochen hat, wird bezweifelt. Dass ihn seine überstürzte Rückreise über die ehemalige Handelsstraße “Kurze Hessen„ führte, gilt als erwiesen. An eben jener Straße lag Grünberg. Hier soll der streitbare Mönch vor 500 Jahren, am 30.

April 1521, übernachtet haben. Die Fakten haben Harald Sellner und Ekart Rittmannsperger in folgendem Beitrag zusammengetragen.

Das zweifellos wichtigste Indiz dafür, dass Luther in Grünberg übernachtet hat, ist ein von ihm in Friedberg unterschriebenes Schreiben vom 29. April 1521. Bei seiner Rückreise von Worms wurde er vom kaiserlichen Reichsherold Kaspar Sturm begleitet, den er jedoch in Friedberg von seinen Pflichten entband.

Dort hatte er im Gasthaus “Zum Grünberg„ übernachtet und gab dem Reichsherold ein Schreiben für den Kaiser und eines für seinen persönlichen Freund Spalatin mit. In diesem lateinisch verfassten Schreiben erwähnte er, das er den Reichsherold weggeschickt habe und heute nach Grünberg reist (hodie ad gronbergium vehimur). Gegenüber der heutigen Reisegeschwindigkeit erreichten damals die Gespanne eine Tagesleistung von 25 bis 40 Kilometerm, was in etwa der Strecke von Friedberg nach Grünberg entsprach.

An das heute nicht mehr existente Lutherhaus an der Ecke Marktplatz/Marktgasse, das durchaus heute ein markantes Fachwerkgebäude der Stadt darstellen würde, erinnert nur noch das Modell, welches sich fast an der Originalstelle in einer Vitrine am Marktplatz befindet. Das Haus selbst wurde 1891 abgerissen, da es einer Straßenverbreiterung an dieser Ecke im Weg stand. Es gehörte zum damaligen Zeitpunkt der Witwe Anna Katharina Blöser, die infolge des Abbruches in das Nachbarhaus, heute Gasthaus “Schirn„, umzog. Sie verstarb am 14. März 1908 kinderlos, so dass ihr Vermögen der Stadt zufiel. In dem Übergabeprotokoll vom 3. Oktober 1911 wurde vermerkt: “Eine Bartschüssel, welche Dr. Martin Luther bei seiner Durchreise in dem Blöser’schen Haus, wo er übernachtet hat, zum Rasieren gebraucht hat.„ Ob diese Schüssel tatsächlich existiert hat bzw. benutzt wurde, lässt sich heute jedoch nicht mehr mit wissenschaftlicher Bestimmtheit nachweisen.

Somit bleibt letztlich die Erinnerung an einen mutigen Reformator und einen zweifelsfreien Aufenthalt in Grünberg, wobei heute nicht nur das Gebäudemodell, sondern auch eine Bronzebüste vor der Stadtkirche und ein Holzmonument vor der Hospitalkirche an die damaligen Ereignisse erinnern. Auf dem Lutherweg 1521 können Pilgerinnen und Pilger den Spuren des Reformators auch durch Grünberg folgen.

Der Druck der 95 Thesen

Es gibt eine zweite Verbindung von Grünberg zu dem weltberühmten Mönch und den Ereignissen auf dem Reichstag zu Worms. Der Mann, der in der Universitätsdruckerei zu Wittenberg 1520 Luthers Schriften “An den christlichen Adel deutscher Nation und von des christlichen Standes Besserung„, “Von der Freiheit eines Christenmenschen„ und “Von der babylonischen Gefangenschaft der Kirche„ gedruckt hatte, war ein gewisser Johann Rhau-Grunenberg- und stammte aus Grünberg. Wahrscheinlich stammte auch der Einblattdruck der 95 Thesen, mit denen Luther seinen weltbewegenden reformatorischen Kamp eröffnete, aus der Presse von Rhau-Grunenberg. Zwar sei dessen technische Ausstattung in Anbetracht des steigenden Bedarfs zunehmend unbrauchbar gewesen und Luther habe sich über die Druckqualität beschwert. Dennoch ist Rhau-Grunenberg derjenige gewesen, der die typografische Vorleistung für den Durchbruch der Reformation vollbracht hat.„ ARCHIVFOTO: PM

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