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Ulrike Sgodda-Theiß, Margarethe Müller-Hillebrand und Hartmut Miethe (v.l.) im Barfüßer-Kloster.

Ein Leben lang gezeichnet

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Grünberg (dis). Im vollbesetzten Barfüßer-Kloster konnte die Vorsitzende Monika Schlosser zahlreiche Gäste zur Gedenkveranstaltung im Rückblick auf den 20. Juli 1944 begrüßen. Der Referent, Pfarrer i. R. Hartmut Miethe, hatte für die diesjährige Veranstaltung das Thema "Die Kinder der ›Verräter‹" ausgewählt. Hierzu ging er analytisch auf die psychologischen Mechanismen ein, die sich zwischen den Widerstandskämpfern und ihren Kindern entfalteten.

Die meisten der Kinder waren völlig uninformiert über die politischen Ziele ihrer Väter. Sie lebten, wie alle Kinder der NS-Zeit, in einer doppelten Loyalität. Einerseits standen sie in Treue zu ihren Eltern und auf der anderen Seite empfanden sie aber auch eine Treueverpflichtung gegenüber der Partei und dem Führer. Miethe verwies diesbezüglich nochmals auf das bedeutsame Buch von Erika Mann, "Zehn Millionen Kinder", in dem die Schriftstellerin die subtilen Erziehungsmethoden des Staates genau analysierte.

Durch das Scheitern des Staatsstreiches wurden die Kinder der Widerstandsfamilien unwiderruflich zu Kindern von "Verrätern und Staatsfeinden". Diesen Umbruch in der Biografie erläuterte der Referent, indem er Passagen aus einem Interview vortrug, das Alfred von Hofacker 2007 gegeben hat. Er erläuterte, wie Hofackers Leben durch die Tatsache geprägt wurde, dass sein Vater Cäsar von Hofacker zum inneren Kreis des Widerstandes gehörte und dafür 1944 hingerichtet wurde.

Die vorgetragenen Zitate berührten die Zuhörer sehr, da spürbar wurde, wie eng die Tat der Väter die Kinder ihr Leben lang zeichnete. Miethe hob hervor, dass nun ein Generationenwechsel in Gang gekommen sei. Die Enkel übernähmen nunmehr die Pflege des geschichtlichen Erbes, das sowohl für die Familien als auch für die gesamte deutsche Geschichte von Bedeutung ist und bleibt.

Der Vortrag wurde musikalisch feinfühlig durch Ulrike Sgodda-Theiß (Klavier) und Margarethe Müller-Hillebrand untergliedert. Sie trugen Werke von Robert Schumann, wie "Erinnerung", "Soldatenmarsch" und "Fürchten machen" auf dem Klavier sowie gemeinsam Kompositionen von Gabriel Fauré, "Les Berceaux", nochmals Schumann und den "Abendsegen" von Engelbert Humperdinck vor.

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