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Kulturdenkmal mit "Problemzonen"

  • Thomas Brückner
    vonThomas Brückner
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Grünberg(tb). "Nur gucken, nicht anfassen!" - der schon etwas ältere Werbeslogan mag jenem in den Sinn kommen, der sich der Hospitalkirche auf Grünbergs Altem Friedhof nähert. Wer’s dennoch tut und mit der Hand über eine Fensterlaibung aus Tuffstein fährt, dem zerrinnt sie buchstäblich zwischen den Fingern. Ebenso Ecksteine mit Abplatzungen oder tiefen Rissen belegen den Sanierungsbedarf.

Nicht anders verhalte es sich im Inneren des schlichten Saalbaus im Eigentum der Kommune, bestätigt Hartmut Miethe. Der ehemalige Pfarrer und heutige Archivar der Stadtkirche weiß nicht nur um die 300-jährige Geschichte des Gotteshauses, das in den Jahren 1720 bis 1743 anstelle der baufälligen Pfarrkirche St. Paul errichtet wurde.

Als Initiator eines "Freundeskreises für den Erhalt der Hospitalkirche" kennt er auch deren Problemzonen: Neben der bröckelnden Außenfassade samt Fenstern und Laibungen verweist er auf die Feuchtigkeit im Mauerwerk rechts der Eingangstür oder auf die gesperrte Empore, deren Tragfähigkeit zunächst geprüft werden müsse. Weiter: "Die Kabel liegen noch außen, die gesamte Elektrik muss auf den Stand der Technik gebracht werden."

Damit nicht genug: Unter den Bänken der Kirche, die neben Gottesdiensten etwa auch für Konzerte oder Vorträge des Museums nebenan genutzt wird, sind Heizstrahler angebracht. Ein System, das über viele Jahre auf starken Beifall bei Holzwürmern stieß. Bis 2013, als die Stadt ob der Schäden am Sitzmobiliar den Kammerjäger rief. Dass die Strahler in der ersten Bankreihe bereits für angesengte Wintermäntel gesorgt haben, sei nur am Rande bemerkt.

Freundeskreis für Erhalt der Kirche

Vor sieben Jahren also hatte die Verwaltung 20 000 Euro für die Vernichtung der Käferplage investiert. Und war sich bereits damals bewusst, dies werde nicht die letzte Ausgabe sein. Denn daran muss erinnert werden: Die Hospitalkirche ist Eigentum der Stadt, für eine Mark hatte sie 1990 das Gebäude und mithin die Baulast übernommen - gemäß Ablösevertrag auch fürs Inventar. Einzig was dem sakralen Leben dient - Kanzel, Altar oder etwa die Taufengel - blieb kirchliches Eigentum. Die wurmstichigen Bänke gehörten freilich nicht dazu. Dass der Ablösevertrag einer jener Verträge sei, "die man besser nicht geschlossen hätte", kommentierte seinerzeit Frank Ide - seit 2004 Bürgermeister in Grünberg - den Sachverhalt.

Im neuen Jahr wird die Kommune als erstes nun die Baustelle "Heizung" in Angriff nehmen, 10 000 Euro sind für Planungskosten in den Haushalt eingestellt worden. Dass es jedoch ein Gesamtkonzept brauche, hatte in der Etatberatung Altbürgermeister Siegbert Damaschke angemahnt. Die Heizung, so dagegen der Amtsnachfolger, könne davon losgelöst erneuert werden. Für alles Weitere werde die Verwaltung die Expertise eines Kirchenarchitekten einholen.

Was ganz im Sinne Miethes sein dürfte. Schon länger avisiert, soll sich ihm zufolge im neuen Jahr der Freundeskreis zusammenfinden. Dessen Anliegen wird nicht nur das Sammeln von Spenden für die kostspielige Sanierung sein, sondern auch das Aufarbeiten der Geschichte der "maladen" Kirche, die ihren Namen dem einstigen Hospital nebenan verdankt.

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