"Können wir uns das leisten?"

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Grünberg (tb). Böse Überraschung im Bauausschuss: Das Harbacher Bürgerhaus wird teurer als gedacht. Nicht etwas, im Rahmen der ohnehin hohen Preissteigerungen im Bausektor, gerade wenn es um öffentliche Aufträge geht. Sondern massiv: Beim Architektenwettbewerb 2016 waren die Kosten auf 2,05 Millionen Euro geschätzt worden, jetzt vorgelegte Berechnung weist 3,66 Millionen Euro aus.

Wie vom Magistrat jüngst beauftragt, hat das Architektenbüro die Gesamtausgabe bereits auf 3,5 Millionen Euro brutto gedrückt, vor allem dank Verkleinerung des Baukörpers um 1,2 Meter. Auch soll weiter nach Einsparungen gesucht - und auch mit Eigenleistungen gefunden werden.

Zwar unter erheblichen Bauchschmerzen, so empfahl der Fachausschuss am Mittwoch doch dem Plenum den Beschluss der Magistratsvorlage auf Absegnung der Mehrkosten. Mehrheitlich, bei zwei Enthaltungen der SPD und einem Nein der FDP.

Beim Wettbewerb 2016, erklärte eingangs Bürgermeister Frank Ide, seien die Anforderungen nur grob formuliert gewesen, etwa die Größe des Bauwerks und die Einbindung des Jugendzentrums. Die zwei Millionen Euro, Vorgabe an alle Teilnehmer, seien eben nur geschätzt gewesen, für genaue Zahlen bedürfe es detaillierter Berechnungen.

Das Architekturbüro Schmees-Wagner - dessen Entwurf war 2016 ausgewählt worden - hat im September die Zahlen vorgelegt. Ide: "Die Summe hat auch uns alle überrascht." Grundsätzlich: Was am Ende rauskomme, wisse man immer erst nach der Submission. Einzige Alternative zum hier gewählten Weg wären Ausschreibungen, die einen Entwurf samt Kostenberechnung umfassten. "Wir alle haben den Bedarf gesehen, wir sollten das Projekt weiterverfolgen."

Eigenanteil von 2 Millionen Euro

Anders als beim Grundsatzbeschluss gebe es heute die Hessenkasse, könne man daraus 1,5 Millionen Euro entnehmen, bleibe ein Eigenanteil von 2 Millionen Euro.

Für die Preisexplosion machen Verwaltung wie Planer vor allem den Preisanstieg im Bausektor seit 2016 verantwortlich. Ablesbar an einer zwischenzeitlichen Überschreitung des "Baukostenindexes" um 24 Prozent (Grundfläche) oder gar 40 Prozent (Rauminhalt). Unter Anlegung "aktueller und marktüblicher Preise" erhöhten sich so die Kosten allein für das Bauwerk um 700 000 auf 1,88 Millionen. Bei den technischen Anlagen ging es um 375 000 Euro auf 714 000 Euro nach oben, bei den Außenanlagen um 120 000 auf 165 000 Euro (bereits gekürzt). Entsprechend erhöhten sich die Baunebenkosten, um 380 000 auf rund 735 000 Euro. Allein die "Verifizierung" der Preise also ergibt eine Verteuerung um rund 1,5 Millionen.

Verantwortlich sind aber auch Positionen, die in der 2016er Schätzung gar nicht enthalten waren, teilweise erst im Zuge der Planung "im Gespräch mit den Nutzern" aufgenommen wurden. Darunter der Abriss des "Hasenheims" (54 000 Euro), nötige Bodenverbesserung (135 000 Euro), Dachbegrünung (69 000 Euro), PV-Anlage (61 000 Euro), Fußbodenheizung (55 000 Euro), Regenrückhaltung (30 000 Euro), Lüftung (126 000 Euro). Schließlich: In den 3,5 Millionen nicht enthalten sind die 69 000 Euro für die Ausstattung, wozu etwa Küche und Stühle zählen.

"Auch wir haben geschluckt", räumte Architekt Klaus Wagner ein. Für Dezember avisierte er die Submission von bis zu 70 Prozent der Bausumme, dann lägen die genauen Kosten vor. Wobei er sich zuversichtlich gab, dass es keine weiteren Überraschungen gibt.

Erwartungsgemäß die Reaktion aus dem Ausschuss: Er habe erwartet, dass sich der Architekt an dem Kostenrahmen orientiert, die Preissteigerungen im Bausektor lägen zudem weit unter dem Aufschlag von hier 80 Prozent, kritisierte FDP-Sprecher Jürgen Trüller. Auch mutmaßte er ein "Kommunikationsproblem", da die Schätzung auf unterschiedliche Berechnungsgrundlagen (Grundfläche/umbauter Raum) fußte. "Dummerweise wurde uns die niedrigere Zahl vorgelegt."

"Ein harter Brocken", kommentierte Ulrich Ebenhöh (SPD) die Zahlen. Abgesehen vom Sinn dieser Wettbewerbe müsse sich die Stadt nun grundsätzlich fragen: "Können wir uns das noch leisten?"

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