Das Klagelied der Marktfrau, eines der bestgehüteten Geheimnisse und die Liebe zur Tradition

  • Thomas Brückner
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Auch das eine Folge von Corona: Die Dienstzeit von Grünbergs Märtfraa Andrea Strauch sollte eigentlich an Pfingsten enden, bei der Matinee im Brunnental sollte die Nachfolgerin präsentiert werden. Doch in der (ersten) Hochzeit der Pandemie musste auch diese beliebte Veranstaltung abgesagt werden. Wie es damals hieß: "Vielleicht stellen wir die Neue an Gallusmarkt vor." Gut, auch daraus wurde nichts, und so wird Andrea Strauch ein weiteres, ein drittes Jahr dranhängen. "Ich habe in den letzten beiden Jahren den morgigen zweiten Marktsonntag als Hoch und Tief erlebt", erinnert sich nun die Repräsentantin der Grünberger Märkte, zu deren Pflichten unter anderem das Ausschenken des "Schusterpechs" gehört: "Einerseits war ich nach den vielen Stunden auf den Beinen und all dem Feiern schon etwas geschlaucht, andererseits war es der allerletzte Tag, und man musste wieder ein ganzes Jahr warten, bis wieder Gallmärt ist." Im Weiteren erzählt sie von den netten Erlebnissen, die der letzte Markttag bereithält. Von den leckeren Gerichten, die auf dem Marktplatz zubereitet werden, oder von der Fuchsjagd in der Au. Den inoffiziellen Abschluss feiert der Rest von Gallusmarkt-Kommission und Märtfraan, "die nach dem Aufräumen noch übrig sind", stets in einer Gaststätte. Diesmal sollte der Tag für Strauch etwas anders ablaufen, wäre sie doch eigentlich eine "Ehemalige"" gewesen, hätte am Stand der Kolleginnen geholfen und mit vielen Grünbergern den Ausklang gefeiert. Eigentlich, so muss sie klagen. Am Ende hofft die 34. Märtfraa, dass Grünberg 2022 wieder wie gewohnt sein Volksfest abhalten kann. Ein Wunsch, dem sich auch die 35. Märtfraa (!) anschließt: "Ich freue mich schon sehr auf meinen ersten Gallmärt im Amt, auch wenn ich heute schon Herzklopfen habe." Hhm! Also weiß die "alte" Marktfrau, wer die "neue" wird. Bleibt endlich nur zu hoffen, dass dieses Geheimnis, eines der bestgehüteten in Grünberg, wie es gute Tradition ist, an Pfingsten im Brunnental gelüftet werden kann.

Und dann war da noch die lustige Truppe, die sich unter Wahrung der Hygieneregeln ihren Frühschoppen auf der Käswiese nicht nehmen lassen wollte (Foto) - wenn das nicht wahre Liebe zur Tradition ist! tb/FOTO: PM

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