Keine Zukunft fürs Modehaus Pepperone/Steinmetz

  • Thomas Brückner
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Grünberg(tb). Was zu erwarten war: Grünbergs alteingesessenes Modehaus Pepperone/Steinmetz hat keine Zukunft, die Suche nach einem Investor für das zahlungsunfähige Unternehmen war erfolglos. Hans-Jörg Laudenbach, vom Gericht bestellter vorläufiger Insolvenzverwalter, rechnet im Juni mit der Eröffnung des Konkursverfahrens.

Wie von dieser Zeitung berichtet, hatte die Geschäftsführung aufgrund eines unüberwindbaren Liquiditätsengpasses vor rund zwei Monaten den Gang zum Amtsgericht antreten müssen. Die Schließung der Geschäfte zum 18. März im Zuge der Pandemie-Eindämmung hatte den Ausschlag gegeben: Null Umsatz, bei weiterlaufenden Kosten für bestellte Waren, Miete, Gehälter - auch für das Modehaus nicht zu überbrücken.

Laudenbach freilich hatte bereits kurz nach "Amtsantritt" attestiert: "Probleme gab es schon vorher." Neben dem immer stärker aufkommenden Gegenwind aus dem Internet hatte er auf die für eine Kleinstadt wie Grünberg zahlreiche Konkurrenz verwiesen. Hinzu kam eine "ambitionierte Miete", wie es der Anwalt euphemistisch formulierte.

Die erste Verfahrensstufe nähert sich somit dem Ende. Wesentliches Ergebnis: Der Versuch, einen neuen Geldgeber zu finden, ist gescheitert. Dass die Kanzlei alles dafür tun werde, hatte Laudenbach gegenüber der GAZ Mitte April versichert, die Erfolgschancen allerdings schon damals als gering erachtet.

Fünf der Mitarbeiter haben neue Stelle

Das hat sich bestätigt: "Wir gehen davon aus, dass wir den Betrieb nicht als Ganzes übertragen können", erklärte gestern der erfahrene Insolvenzanwalt im Gespräch mit dieser Zeitung. Für die kleinere Filiale mit junger Mode ("P1") wenigstens hat man eine Interessentin gefunden. Der Laden in der Rabegasse 16 wurde bereits aus der Insolvenzmasse rausgenommen, die vier Kolleginnen werden übernommen.

Im Haupthaus soll der Verkauf bis Ende Juni weiterlaufen, kurz darauf sollen die zwei Geschosse geräumt sein. Hernach werde es dem Eigentümer möglich sein, einen neuen Mieter reinzuholen, sagte Laudenbach.

Der Anwalt betonte mit Blick auf die Investorensuche: "Auch ich kann nun mal keine Kaninchen aus dem Hut zaubern." Trotz Ausnutzung vieler Kanäle - Lieferanten, Geschäftsführer, Vermieter, Verwertungsunternehmen und eigene Kontakte - sei nichts zu machen gewesen. Die Lage im Einzelhandel allgemein sei nun mal schwierig. Dass sich in diesem Fall Mieter und Vermieter schon vor der Corona-Krise "auseinandergelebt" hätten, es zum Streit um Gebäudemängel gekommen sei und so eine weitere Zusammenarbeit wohl eh nicht möglich gewesen wäre, komme hinzu. Der Versuch, über eine niedrigere Miete - freilich nur eine Stellschraube - das Insolvenzverfahren doch noch abzuwenden, sei denn auch gescheitert.

Nicht hoch genug einzuschätzen ist Laudenbach zufolge eines: Dank der Treue der Kunden habe man bereits ab der Wiedereröffnung mit Räumungsverkauf am 22. April gute Umsätze erzielt. Und somit erreicht, dass nicht "nur" die Gehälter weiterbezahlt werden konnten, sondern für die Gläubiger im Zuge nun folgender Abwicklung auch eine "ordentliche Quote" herausspringe. Ausdrückliches Lob zollte der Gießener Rechtsanwalt am Ende den Mitarbeitern: "Keiner hat uns im Stich gelassen", alle haben großes Engagement gezeigt und bleiben bis zum Schluss.

Von den 20 Kolleginnen und Kollegen hätten bis dato fünf eine neue Stelle gefunden, für die anderen bemühe sich sein Büro ebenso um eine "vernünftige Beschäftigungsalternative". Auch für Geschäftsführer Patrick Müller, der vor sechs Jahren das Modehaus in Grünbergs Altstadt übernommen hatte, eröffne sich womöglich eine neue berufliche Perspektive in der Branche: "Einer der Lieferanten hat Interesse an einer Kooperation bekundet."

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