"Kein Kind soll hinten runterfallen"

  • Thomas Brückner
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Grünberg(tb). Das Laubach-Kolleg arbeitet damit. Und auch an der Gesamtschule Mücke gibt es "iPad-Klassen." Fünf Jahre nach Einführung der Schulplattform "IServ" will nun auch die TKS diesen - auch im Blick auf die Veränderung der Arbeit - "wichtigen Schritt in Richtung einer "zeitgemäßen digitalen Bildung gehen, wie es Direktor Jörg Keller formuliert. Die stundenweise Nutzung der PC-Räume reiche da nicht mehr. Beginnend mit den Jahrgängen 9 und 11 sollen die iPads ab 2021 verbindlich im Unterricht eingesetzt werden.

Seine Empfehlung an die Eltern jedoch, ein iPad Wi-Fi 360 Gigabyte auf deren Kosten anzuschaffen, trifft nicht auf ungeteilte Zustimmung, wie ein Vater berichtete. Schließlich gingen hohe Kosten damit einher,die sich nicht alle Familien leisten könnten. Durchaus: Außer den 360 Euro fürs Endgerät schlagen 20 Euro Lizenzgebühr und 65 Euro für Stift und Hülle zu Buche. Wer das Tablet versichert, legt noch mal 70 Euro drauf.

Zustimmung von SV und Elternbeirat

Keller ist sich der hohen Belastung für manche Familien bewusst; auch bei einer Nullprozent-Finanzierung von bis zu 36 Monaten. In diesen Fällen werde die TKS nach einer Lösung suchen, versichert er. Und fügt noch an, auch in den nächsten Jahren sei leider nicht zu erwarten, dass der Schulträger oder das Land die auch privat zu nutzenden Endgeräte für alle Schüler bezahle. Was Ersteren angeht, so habe der bereits zuvor Hilfe geleistet, wenn das Budget der Familien nicht reichte. Und grundsätzlich: "Es handelt sich um eine Empfehlung, niemand wird gezwungen."

Jedoch, und das zeigten eben Erfahrungen von Kollegen, gebe es nun mal einen Vorsprung von Apple in Sachen Schulsoftware. Das Betriebssystem IOS biete ganz andere Möglichkeiten des Administrierens. So könnten etwa Schüler Lösungen einer Matheaufgabe aufs Whiteboard übertragen. Bei Android, Betriebssystem der Konkurrenz, sei das nicht drin. Weitere Vorteile seien die zentrale Steuerbarkeit ("ein Dieb hat null Nutzen") und die Vereinheitlichung von Arbeitsprozessen. Dass die Pläne vor allem bei den Neunern teils für Kritik gesorgt habe, merkte der TKS-Chef an. "Bei den Elfern arbeiten viele längst damit, in der Schule wie auch privat.""

"Ich bin kein Apple-Fan, hier geht es auch nicht um eine Profilierung unserer Schule, sondern um die Vorteile für die Kinder", unterstrich Keller am Ende. Nicht ohne den Hinweis auf das Placet von Schulkonferenz, mithin auch der SV, und des Elternbeirats.

Dessen Vorsitzende Kerstin Raab hat wie alle ihre Vorstandskollegen zugestimmt. Freilich nicht frei von Bedenken. Dass Eltern und nicht der Staat die Kosten tragen müssen, findet sie nicht in Ordnung. Durchaus sei es ein Unterschied, ob es statt der 100 Euro für Lernmittel per annum 400 Euro seien. Allerdings kümmere sich an der TKS die Mediengruppe, suche bei finanziellen Hürden nach Lösungen. So zeigte sie sich zuversichtlich, es werde auch diesmal kein "Kind hinten runterfallen." Verständnis hat Raab auch für den Wunsch der Lehrer nach einheitlicher Technik bzw. Betriebssysteme.

"Ich persönlich erachte es aber als sehr schade, dass die Bundesregierung nichts für die Digitalisierung tut", findet sie am Ende klare Worte und führt die miese Breitbandversorgung der Grünberger Gesamtschule an. "Das dauert alles zu lange."

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