Die Fahrt im Kettenkarussell von Bürgermeister und "Märtfraa" zur Eröffnung des Gallusmarktes - dieses traditionelle Bild wird es in diesem Jahr nicht geben. ARCHIVFOTO: FP
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Die Fahrt im Kettenkarussell von Bürgermeister und "Märtfraa" zur Eröffnung des Gallusmarktes - dieses traditionelle Bild wird es in diesem Jahr nicht geben. ARCHIVFOTO: FP

Karussells drehen sich nicht

  • vonHans-Joachim Losert
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Grünberg(fp). 1932 sorgte ein Virus für den Ausfall des Grünberger Gallusmarktes, der damals wegen der spinalen Kinderlähmung kurzfristig abgesagt wurde. Auch die 540. Auflage in diesem Jahr findet coronabedingt nicht statt.

"Kein Gallmärt 2020" hat dann auch der heimische Maler Klaus Chomann auf die Holzlöffel gemalt, die er seit vielen Jahren als Symbole für das Volksfest mit Motiven verziert. Wie Thomas Siek, Vorsitzender der Gallusmarkt-Kommission, am Mittwochabend im Rathaus betonte, wurde die Entscheidung bereits im Juni gefällt (die GAZ berichtete). Aufgrund der aktuellen Entwicklung der Fallzahlen hob Siek hervor, dass er über die Absage zwar nicht froh sei, aber doch erleichtert. Schließlich wolle man trotz langjähriger Tradition nicht zu einem Corona-Hotspot werden.

Doch der Brauch Gallusmarkt soll trotz Streichung der Veranstaltungen in der Woche vom 10. bis 18. Oktober gewürdigt werden. Dazu haben sich die Organisatoren einiges einfallen lassen.

Bürgermeister Frank Ide lobte die Arbeit von Marktmeisterin Johanna Buckle. Sie habe trotz Ausfall viel Arbeit in die Vorbereitung des Festes investiert. Ide gab bekannt, dass die Festwimpel in der Innenstadt aufgehängt werden und die Gallusmarkt-Fahne die Fassade des Rathauses schmücken soll.

Wiederum Thomas Siek erinnerte an die Absage der Veranstaltungen zu Pfingsten in diesem Jahr. Dadurch konnte die 34. "Grimmicher Märtfraa" nicht gebührend verabschiedet werden. Sie bleibt im Amt, bis ein passender Rahmen gefunden ist. Dies gilt ebenso für die Präsentation ihrer Nachfolgerin. Für die Festwoche kündigte Siek Artikel an, die auf die Ereignisse hinweisen, die an den jeweiligen Tagen stattgefunden hätten. Dafür haben die einzelnen Ausschüsse Hintergrundinformationen aufgearbeitet.

Fotos in den Schaufenstern

Johanna Buckle bekräftigte den Willen des Kunstausschusses, die Künstler in diesen Zeiten zu unterstützen. Geboren wurde die Idee einer digitalen Kunstausstellung unter dem Motto "Kunst trotz(t) …". Dafür haben 36 Künstler ihre Bilder, Skulpturen und Plastiken fotografiert. Sie werden in einem Videofilm zusammengefügt und an verschiedenen Orten der Innenstadt gezeigt. Die Eröffnung findet am 10. Oktober vormittags im Kino statt. Danach soll der Film für Interessierte mehrmals an diesem Tag vorgeführt werden.

Eine Möglichkeit für Fotografen zur Präsentation wurde ebenfalls gefunden. Sie waren aufgerufen, Bilder zum Gallusmarkt einzureichen. Diese werden in Schaufenstern der Innenstadt-Geschäfte ausgestellt, das Motto hierzu lautet "Gallmärt trotz(t)…".

Der Dank des Ausschusses ging an die Stiftung der Sparkasse Grünberg, die finanzielle Unterstützung zugesagt hat. Auch die kleinen "Gallmärts-Löffel", die sonst von Vereinen verkauft werden, gibt es in diesem Jahr, sie sind im Rathaus und in Geschäften erhältlich. Wem nach einem Löffeltrunk dürstet, der kann sich "Schusterpech to go" kaufen, das in limitierter Auflage abgefüllt wurde.

Die Verlegung in eine Halle mit begrenztem Zuschauerstrom würde der Ehre für die Bürstkandidaten nicht gerecht werden, sagte Bürstmeister Gerd Lippert. Deshalb entfällt der Frühschoppen, der seit 1951 im Programm steht - und somit die 70. Original Grünberger Wurzelbürger-Bürsterei. Ausgerechnet im Jahr des 30-jährigen Jubiläums kann auch die "Bobbekist" nicht auftreten, bedauerte Sprecherin Gretel Keil. Die Laienspielgruppe hat aber eine Ausstellung im Stadthaus vorbereitet. In den Schaufenstern werden vom 3. bis 18. Oktober Kulissenteile, Bilder und Utensilien in sechs verschiedenen Bühnenszenen gezeigt. Die Ausschnitte sind so gestaltet, dass kleine und große Zuschauer vor den Schaufenstern zum Erraten (Bühnenstück/Aufführungsjahr) angeregt werden sollen.

Die Veranstaltungen des zweiten Festwochenendes fallen komplett aus, sagten die Organisatoren, deren Bedauern durchaus erkennbar war.

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