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Großformatige Fotografien vermitteln einen Einblick in Situationen des alltäglichen Lebens der Sokorpa. (Reprofoto: dis)

Vom Kampf eines indigenen Volkes

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Grünberg (dis). Die aktuelle Lebenssituation der Sokorpa-Yukpa in Kolumbien ist eines von vielen Beispielen der existenziellen Bedrohungslage indigener Gruppen Südamerikas. Vor allem im Grenzgebiet von Kolumbien, Venezuela und Brasilien verdichten sich Konflikte und deren multikausale Zusammenhänge. So sind beispielsweise mit dem neuen brasilianischen Präsidenten Bolsonaro, der indigenes Land zur wirtschaftlichen Ausbeutung freigeben möchte, auch die vom großen Grünberger Forscher Theodor Koch (1872-1924) beschriebenen Amazonasindianer Brasiliens gleichermaßen in ihrer Existenz bedroht. Die Sonderausstellung "nanarh yukpapi - wir sind yukpa. Bei den Sokorpa-Yukpa in Kolumbien", die bis 9. August im Museum im Spital gezeigt wird, widmet sich dieser komplexen Thematik.

Da die Sokorpa-Yukpa wollen, dass die Welt von ihrer Existenz und ihrem Lebensstil im Nordosten Kolumbiens erfährt, gehen sie gezielt an die Öffentlichkeit und bedienen sich verschiedenster Kommunikationsformen. Teil dieser neuen Strategie ist auch der 2018 veröffentlichte Bildband "nanarh yukpapi". Dafür haben sich die Anführerin Esneda Saavedra Restrepo und die Bewohner der Gebietseinheit Sokorpa mit dem Fotografen Chris Schmetz und der Sozial- und Kulturanthropologin Anne Goletz zusammengetan.

Einzigartige Aufnahmen

Goletz ist Mitarbeiterin des Fachgebietes für Kultur- und Sozialanthropologie an der Philipps-Universität Marburg. Sie arbeitet dort im Forschungsprojekt "Sprache und Mythen der Yukpa im Kontext", das durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft gefördert wird. Es entstanden einzigartige Fotos und individuelle Geschichten, die dem Betrachter einen persönlichen Zugang zu den Fotografierten und deren Lebensbedingungen ermöglichen. Mit der Sonderausstellung im Museum im Spital, die vor Wochenfrist in der Hospitalkirche durch Bürgermeister Frank Ide und Mario Alves (Museumsleitung) in Anwesenheit von Schmetz und Goletz eröffnet wurde, ist für weitere Aufmerksamkeit gesorgt: In großformatigen Fotos wird ein Eindruck vom Lebensraum der Sokorpa vermittelt. Weiterführende Informationen kann man den Texten aus dem Fotobuch entnehmen. Ergänzt wird die Ausstellung durch handwerkliche Gegenstände und kurze Videosequenzen.

Die Ausstellung ist bis 9. August geöffnet (Mi. 18 bis 20 Uhr, Fr./So. 14 bis 17 Uhr). Gruppen können die Schau nach Vereinbarung unter Tel. 0 64 01/2 23 32 80 besuchen. Im Begleitprogramm findet im Museum im Spital am Mittwoch, 24. Juli, um 18 Uhr ein Vortrag von Anne Goletz und Chris Schmetz mit Bildern von Forschungs- und Fotoreisen aus den Jahren 2014 bis 2019 statt.

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