Gerichtsurteil

Junger Mann aus Harbach zu Jugendstrafe verurteilt

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Raub, Einbruch, Beleidigung und Bedrohung; Ein 19-jähriger wurde vom Jugendschöffengericht verurteilt, muss drei Jahre hinter Gitter. Der junge Mann hat eine ungünstige Sozialprognose.

Diese Strafe könnte eine erzieherische Wirkung erzielen: Wegen verschiedener Delikte wurde ein 19-Jähriger am Dienstag durch das Jugendschöffengericht Gießen zu einer Jugendstrafe von drei Jahren verurteilt. Das Gericht unter dem Vorsitz von Maddalena Fouladfar sah es als erwiesen an, dass der junge, in Grünberg-Harbach untergebrachte Syrer sich des Raubes in einem besonderes schweren Fall, eines Diebstahls, ebenfalls in einem besonders schweren Fall, einer versuchten Nötigung und Anstiftung zu einer Falschaussage schuldig gemacht hatte.

Diese Straftaten räumte der Syrer ein, nicht aber drei weitere. Der Angeklagte stritt ab, den ihm zur Last gelegten Diebstahl einer Flasche Wodka, den Diebstahl im Zusammenhang mit einem Wohnungseinbruch (170 Euro und ein i-Phone) sowie die Beleidigung und Bedrohung eines Polizisten begangen zu haben. Doch das Gericht sah ihn auch dieser Straftaten als überführt an und schloss sich in diesem Punkt inhaltlich den Ausführungen des Staatsanwaltes Mike Hahn an. Im Gegensatz zum Verteidiger des 19-Jährigen, Moritz Müller, der in diesen Fällen eine Täterschaft seines Mandanten als nicht erwiesen bewertete und eine Jugendfreiheitsstrafe von bis zu zwei Jahren gefordert hatte. Eine Strafe also, die zur Bewährung ausgesetzt werden kann. "Doch davon sind wir weit entfernt", stellte die Richterin in ihrer Urteilsbegründung fest.

Alkohol und Drogen im Spiel

Der Angeklagte hatte am 4. September dieses Jahres in Watzenborn-Steinberg ein Lebensmittelgeschäft mit einem Brotmesser in der Hand überfallen und dabei die Ladenkasse mit mehr als 700 Euro geraubt. Nicht minder dreist war der Einbruch in eine Garbenteicher Tankstelle, bei dem sich der junge Mann als Kunde mit Zigaretten versorgt hatte - beim Einbruch in den Abendstunden des 12. März 2019, aber ohne zu bezahlen. Die Tür wurde mit einem Stein eingeworfen und aus dem Verkaufsraum Tabakwaren im Wert von 440 Euro entwendet. Unbestritten ist auch, dass der Mann eine junge Frau, die in einem Strafverfahren gegen einen Freund aussagen sollte, durch Drohungen zu einer für seinen Kumpan günstigen Aussage bewegen wollte.

Den Einbruch in eine Wohnung in Reiskirchen-Ettingshausen stritt er ab; aber durch Zeugenaussage konnte er nach Ansicht des Gerichts überführt werden. Gegen den Angeklagten sprach aber auch der Umstand, dass ein dort erbeutetes Handy bei ihm gefunden wurde. Auch des Diebstahls einer Flasche Wodka in einem Garbenteicher Supermarkt wurde er aufgrund der Aussage einer Zeugin überführt, ebenso der Beleidigung und Bedrohung eines jungen Polizisten.

Staatsanwalt Mike Hahn listete in seinem Plädoyer schonungslos die Verfehlungen des Syrers auf, der sich seit vier Jahren in Deutschland aufhält und dabei die Sprache in seinem Gastland so unzureichend beherrscht, dass ihm ein Dolmetscher zur Seite gestellt werden musste. Mike Hahn räumte ein, dass der 19-Jährige vor der einen oder anderen Straftat Alkohol oder Drogen zu sich genommen hatte, doch das habe sich allenfalls enthemmend ausgewirkt. Die Steuerungs- und Einsichtsfähigkeit sah der Staatsanwalt dadurch aber nicht beeinträchtigt.

Gegen den Angeklagten sprachen auch "eine schädliche Neigung" und die "ungünstige Sozialprognose". Dabei konnte sich der Staatsanwalt auf eine Bewertung der Jugendgerichtshilfe stützen. Für den Angeklagten sprach nicht viel, immerhin seine geständige Einlassung in drei der sechs Fälle.

Außerdem habe er sich, so die Richterin, in dem Verfahren wesentlich besser verhalten als bei einem letzten Auftritt vor Gericht. Ob das allerdings als Anzeichen dafür gewertet werden kann, dass er sich künftig an die bestehenden Regeln des Gemeinwesens halten wird, bleibt abzuwarten. Gelingt ihm das nicht, "dann versaut er sich vielleicht sein ganzes Leben", mahnte der Staatsanwalt.

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