Zahlreiche Unterlagen des Gesangvereins befinden sich nun im Stadtarchiv. FOTO: PM
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Zahlreiche Unterlagen des Gesangvereins befinden sich nun im Stadtarchiv. FOTO: PM

Historische Dokumente fürs Stadtarchiv

  • vonred Redaktion
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Grünberg(pm). Im März 2017 und September 2020 übernahm das Stadtarchiv Grünberg die historischen Dokumente des traditionsreichen Gesangvereins Sängerkranz Grünberg 1910 vom letzten Vereinsvorsitzenden Sigurd Skill in seine Bestände.

Der Sängerkranz Grünberg wurde am 14. Dezember 1910 im Gasthaus "Zum wilden Mann" gegründet. Sieben Männer - Heinrich Seib, Hugo Graubner, Karl Röhm, Ernst Stein, Fritz Kauß, Karl Jungmann und Hermann Heußinger - setzten sich die "Pflege des Gesangs sowie der kameradschaftlichen Geselligkeit" zum Ziel. Den ersten Vereinsvorstand bildeten Heinrich Seib (1. Vorsitzender), Hugo Graubner (2. Vorsitzender), Hermann Heußinger (Schriftführer), Karl Röhm (Rechner) und Ernst Stein (Inventarverwalter). Wilhelm Andrae setzte man als Dirigenten ein.

Am 10. Juni 1911 gab sich der Verein eine Satzung, in der unter anderem festgelegt wurde, dass "politische und religiöse Streitfragen" nicht im Verein erörtert werden durften.

Die Vorstandssitzungen und Generalversammlungen fanden fortan in verschiedenen Grünberger Lokalitäten, so unter anderem im "Rappen", im "Hessischen Hof", in der "Villa Emilia", in der Kino-Gaststätte Grünberg und in der Gaststätte "Lippert", sowie bei verschiedenen Vereinsmitgliedern statt.

Den ersten öffentlichen Auftritt absolvierte der junge Verein am 18. April 1911. Am 19. November desselben Jahres konnte das erste große Konzert in der Grünberger Turnhalle gegeben werden. Seitdem nahm der Verein an vielen Wertungssingen mit beachtlichem Erfolg teil.

Die Inflationsjahre brachten den Sängerkranz kurzfristig in Bedrängnis. So wird im Jahresbericht zum 13. Vereinsjahr 1923 festgestellt: "Das abgelaufene Jahr war für den Verein hoffentlich das Schwerste, doch sind wir dank der Opferwilligkeit der Mitglieder über diese böse Zeit hinweggekommen."

Schon 1924 blickte man wieder auf ein "recht erfreuliches" Jahr zurück, "konnte doch der langersehnte Wunsch, eine Fahne zu haben, zur Erfüllung gebracht werden".

Die allgemeine Gleichschaltung der Vereine in der Zeit des Nationalsozialismus führte am 5. Juli 1933 zum Zusammenschluss des Sängerkranzes mit dem seit 1834 bestehenden Männergesangverein zum sogenannten "Männerchor Grünberg".

Nachwuchs fehlt

Doch, so der Jahresbericht über das 23. bis 26. Vereinsjahr, "schon kurze Zeit nach der im Jahre 1933 durchgeführten Vereinigung der beiden hiesigen Männerchöre zeigte sich, dass dieser Schritt nicht den erhofften Erfolg, Zusammenschluss aller Grünberger Sänger in einen einzigen großen Chor, haben würde."

Die Mitglieder des ehemaligen Sängerkranzes strebten nach Unabhängigkeit unter Chorleiter Konrad Nicolai. Und so fanden schließlich unter dem Namen "Gesangverein Sängerkranz Grünberg in Hessen" am 16. Juli 1936 die erste Singstunde des wiedererstandenen Vereins und eine entsprechende Feier im "Rappen" statt.

Über 100 Jahre gestaltete und begleitete der Sängerkranz das Stadtleben musikalisch mit, bevor der Verein zum 31. Dezember 2018 mangels Nachwuchses schließlich aufgelöst wurde.

Die Geschichte des Vereins wird nun dauerhaft im Grünberger Stadtarchiv gesichert und dokumentiert, berichtet Archivarin Marei Söhngen-Haffer. Historische Fotografien, Urkunden und Protokollbücher des Sängerkranzes halten die Erinnerung weiterhin wach. Die bereits über ein Findbuch vollständig erschlossenen Dokumente können im Stadtarchiv Grünberg nach Terminvereinbarung eingesehen werden.

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