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Die Harbacher und die grünen Zweige an jeder Haustür

  • vonred Redaktion
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In Mittelhessen gibt es nicht nur viele schöne Flecken, sondern auch manchen besonderen Brauch. In Harbach etwa stecken derzeit Buchenzweige vor den Häusern. Was dahinter steckt, weiß Sven Schepp: "In Harbach pflegen die Burschen des Ortes noch das alte Brauchtum des ›Pfingststeckens‹. In der Nacht von Pfingstsamstag auf Pfingstsonntag treffen sich die Jung- gesellen des Ortes und holen die Buchenzweige aus den nahegelegenen Wäldern. Während die Einwohner in tiefem Schlaf liegen, verrichten die Burschen lautlos ihre Arbeit. Keiner will gesehen und erkannt werden, wenn ein jedes Haus im Ort mit dem Ast geschmückt wird."

Die Tradition, den ›Maien zu stecken‹, gibt es unterschiedlicher Form in verschiedenen deutschen Regionen. In Bayern oder Thüringen etwa stellen die Burschen des Ortes einen Maibaum auf. In manchen Dörfern des Rheinlandes - etwa rund um Köln - bekamen heiratsfähige junge Damen zum Mai ein geschmücktes Birken-Bäumchen vors Haus gestellt. "Ziel des ›Maiensteckens‹ war es in früherer Zeit, die ›dörfliche Partnervermittlung‹ anzukurbeln", erklärt Schepp weiter. Für Harbach schriftlich belegt ist, dass bereits lange vor dem Ersten Weltkrieg zu Pfingsten unverheiratete Junggesellen heimlich einen Buchenast vor das Haus der jeweiligen Angebeteten stellten, um den Damen zu imponieren. Überliefert ist auch, dass manche junge Dame, die einem Anwärter bereits die Liebe ausgeschlagen hatte, auch schon einmal eine dornige Heckenrose vors Haus gestellt bekam. Doch das ist lange her. "Seit der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg wird bei uns jedes Haus mit einem Buchenzweig bedacht", sagt Schepp.

Bräuche dieser Art sind seit dem 17. Jahrhundert überliefert, dürften aber noch weit älter sein. "Im Staatsarchiv Darmstadt liegt ein Dokument vom 13. Mai 1771, welches das "Maienstecken" verbietet. Landgraf Ludwig von Hessen-Darmstadt beschwerte sich darüber, dass seine Bäume beschädigt würden und verbot das ganze Treiben bei Strafe."

In Harbach starb diese Tradition allerdings nie aus und wird in Absprache mit der örtlichen Forstbehörde bis zum heutigen Tage gelebt. Am Pfingstsonntag sammelten die Burschen im Dorf dann Eier und Geld, um beim Lagerfeuer am Sandberg - unter Einhaltung der gebotenen Abstandsregeln - ein schönes Pfingstfest zu verbringen.Sven Schepp/FOTO: SCHEPP

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