Hallenbad Grünberg: Jährlicher Zuschuss 305 000 Euro

Grünberg (tb). Kann und will sich die Stadt Grünberg trotz eines Haushaltsdefizits in Millionenhöhe (laut Etat 2012 mit rund 1,8 Mio. Euro kalkuliert) ein Hallenbad leisten? Die Antwort lässt noch eine Weile auf sich warten. Seit Donnerstagabend ist den Stadtvätern zumindest eine weitere Entscheidungshilfe an die Hand gegeben.

Paul Oppermann ("Profund Consult GmbH") legte in der Stadtverordnetensitzung die Wirtschaftlichkeitsberechnung vor. Danach läge der jährliche Betriebskostenzuschuss bei 305 000 Euro, der Kostendeckungsbeitrag bei 43,5 Prozent. Für Oppermann "eine gute Zahl", liege der Mittelwert hierzulande doch bei 31,3 Prozent. Das der Zuschussbedarf, vor allem wegen des Unterhaltungsaufwands, steigt, räumte er ein. Für 2019 etwa nannte er den Betrag von 314 800 Euro.

Seit einer Woche bereits lag ein erstes wesentliches Entscheidungskriterium für erwogenen Neubau auf dem Tisch: Das Architekturbüro "Geising + Böcker" veranschlagt das Investitionsvolumen mit 4,9 Millionen Euro netto (per Gründung einer Betreiber-GmbH wäre die Mehrwertsteuer zu vermeiden); Parkplätze und Zufahrtstraße bezifferte das Hamburger Fachbüro mit weiteren 490 000 Euro.

Gestern Abend nun präsentierte der Geschäftsführer des ebenso in Hamburg ansässigen Büros "Profund Consult" die "Phase II" der Machbarkeitsstudie. Im Vordergrund stand auch hier die Standort- und Wettbewerbsanalyse. Der Gutachter geht – mit Blick auf nur zwei "öffentlich zugängliche" Konkurrenzbäder im relevanten Radius von 15 Minuten Fahrzeit (Laubach und Mücke) und die höhere Attraktivität des Grünberger Bades – von jährlich rund 77 000 Besuchern aus. Was in etwa dem Wert des 2011 geschlossenen Bades des Hessischen Fußballverbandes an der Sportschule entspricht. Einkalkuliert sind 13 500 Schüler, für die die Stadt Zahlungen des Kreises erhielte.

Einsparpotenziale dank Freibadnähe?

Bei Realisation des vom Architekten empfohlen attraktiven Konzeptes – vor allem Planschbecken, 25-Meter-Sportbecken (vier Bahnen a 2,50 Meter Breite), zusätzliches Lehrbecken für Kurse, Kiosk und Textilsauna (Dampfbad) sind hier zu nennen – erwartet Oppermann einen Umsatz von 3,09 Euro je Besucher (alles inklusive, also Eintritt, Kursgebühren etc.). Macht einen Rohertrag von 235 000 Euro und nach Adam Riese jährliche Betriebskosten von 540 000 Euro.

Dass die Bevölkerungszahl in der Region nur leicht, die Schülerzahl dagegen stark zurückgehen werde, merkte Oppermann an. Von ihm genanntes Minus von 24 Prozent bis 2020 korrigierte später jedoch Bürgermeister Frank Ide, in Grünberg würden es nur zehn bis zwölf Prozent weniger Pennäler sein.

Die Studie des Büros "Profund Consult" geht nun zur Beratung in die Fraktionen. Ergänzt werden soll sie noch – so der Wunsch des Rathauschefs – mit Angaben zu Einsparpotenzialen, die sich aus der Anbindung ans Freibad ergeben, etwa aufgrund gemeinsamen Personaleinsatzes. Dass es Synergieeffekte gebe, hatte Oppermann erklärt, vorgelegte Zahlen jedoch bezögen sich allein auf den Betrieb des Hallenbades.

Mit der Wirtschaftlichkeitsberechnung sind somit die Antragsunterlagen für erhofften Landeszuschuss für den Neubau komplett. Abzuwarten bleibt, ob erhoffte 30 Prozent tatsächlich bewilligt werden. Ein drittes wesentliches Kriterium. Die Frage aber stellt sich bereits jetzt, ob Grünberg allein die jährlichen Betriebszuschüsse schultern kann.

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