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Gut für Betroffene wie Angehörige

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Von: Thomas Brückner

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tb_bb_neu-B_115009_4c © Thomas Brueckner

Grünberg (tb). Den Alltag von Menschen mit Demenz verbessern. Mit Spielen und Gesang verschüttet geglaubte Erinnerungen wecken. Betroffenen einfach nur die Gelegenheit schaffen, »mal rauskommen« aus der immer gleichen häuslichen Umgebung, oft auch aus der inneren Isolation. Dazu pflegende Angehörige entlasten, und sei es nur für ein, zwei Stunden die Woche.

Mehr Männer gewünscht

Ziele, die sich das Grünberger Seniorenbüro 2012 mit seiner damaligen Leiterin Beate Herdejost für sein Projekt »Demenzcafé« gesetzt hatte. Als professionellen Partner wurde der Pflegedienst »MoBi« gewonnen, in dessen Räumen auch das »Café in der Au« bis heute sein Domizil hat.

Das zehnjährige Jubiläum wurde gestern in den Räumen der die Begegnungsstätte »SOfA« in der Alsfelder Straße gefeiert, hat doch das Seniorenbüro in Trägerschaft der Diakonie dort seinen Sitz.

Als Nachfolgerin von Beate Herdejost leitet seit 1. Juni Mira Schmidt das Seniorenbüro, die Fachstelle für freiwilliges Engagement und das SOfA. Sie dankte zunächst den Ehrenamtlichen für ihren Einsatz. Nachdem sie eine Fortbildung in Sachen »Demenz-Begleitung« absolviert habe, wisse sie erst recht, »welch großes Engagement man hier einbringen muss.« Dass dieses auch Angehörigen zugutekomme, fügte sie hinzu.

Bettina Reitz, neben Dagmar Bellof Koordinatorin des Demenzcafés, erinnerte an die Anfänge. Die reichen bis zum Februar 2012 zurück, als ein erstes Treffen mit interessierten Ehrenamtlichen stattfand. Weitere sollten folgten, und nachdem die ersten Männer und Frauen ihre Schulungen absolviert hatten, fiel am 7. November der Startschuss. Wie Reitz anmerkte, komme es Beate Herdejost (Seniorenbüro) und Carmen Scharmann (MoBi) zu, als Gründerinnen in die Annalen einzugehen.

Zurzeit sind es 16 ehrenamtliche Helfer, die abwechselnd »Dienst schieben«. Aktuell sind es sieben Gäste - vor der Pandemie waren es noch zwölf. Der Jüngste ist um die 80, die Älteste übrigens 101.

Neben Bewegungsübungen wie Sitztanz kümmert man sich auch um die Förderung der geistigen Fitness. Für jedes Treffen denken sich die Koordinatorinnen ein Thema aus, etwa Einschulung oder Ernte. Ein passendes Utensil, hier eine Tafel oder Harke, kommt dann auf den Tisch. Und schon rätseln Gäste, allesamt an einer leichteren Form der Demenz erkrankt, worum es denn heute gehen könnte. Gerade Gegenstände aus ihrer Jugend - für ein Café muss natürlich eine Kaffeemühle dazugehören - sind ein probates Mittel, um Erinnerungen zu wecken und den Austausch anzustoßen.

Nicht anders das Ziel bei den Quizrunden. Dann sind Fragen zu beantworten wie »Was ist der beliebteste Urlaubsort der Deutschen, die Ostsee oder Mallorca?« Und um nochmals auf das Thema Ernte zurückzukommen, kann eine Frage lauten: »Was fällt Euch zum Buchstaben F ein?« Fallobst oder Frühkartoffeln dürften da die richtigen Antworten sein.

Sehr beliebt ist ebenfalls das Singen alter Volkslieder. Wenn Reitz zur Gitarre »Lustig ist das Zigeunerleben« oder »Lilli Marleen« anstimmt, ist bei vielen Demenzkranken mindestens die erste Strophe präsent.

Auf die Frage, was sie sich für die nächsten zehn Jahre wünscht, muss sie zunächst überlegen. Die Räume in der Au etwa seien absolut in Ordnung. Mehr Ehrenamtliche? »Nein, da gibt es keinen Mangel, zumal alle sehr engagiert sind.« Weitere Interessenten aber wären dennoch willkommen. Vor allem Männer. Kein Wunder, sind sie doch mit aktuell zwei von sechzehn Helfern klar in der Minderheit.

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Im November 2012 öffnete das »Café in der Au« erstmals seine Pforten (oben), fast auf den Tag zehn Jahre später gilt der Dank den Helferinnen, die sich - einige seit Anfang an - ehrenamtlich für das Demenzcafé des Seniorenbüros engagiert haben (unten). © Thomas Brueckner

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