Für den Kreisvorstand der Grünen gratuliert Gerda Weigel-Greilich dem Direktkandidaten Behzad Borhani (r.) sowie seinem Stellvertreter Fabian Mirold-Stroh. FOTO: CON
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Für den Kreisvorstand der Grünen gratuliert Gerda Weigel-Greilich dem Direktkandidaten Behzad Borhani (r.) sowie seinem Stellvertreter Fabian Mirold-Stroh. FOTO: CON

Grüne küren Wahlkreiskandidaten

  • vonConstantin Hoppe
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Grünberg(con). Behzad Borhani aus Fernwald-Steinbach tritt für die Grünen als Direktkandidat zur Bundestagswahl am 26. September an. Er wurde am Mittwochabend von den Mitgliedern der beiden Kreisverbände Gießen und Vogelsberg nominiert.

Borhani kandidiert im Wahlkreis 173, zu dem der Landkreis Gießen ohne die Kommunen Heuchelheim und Wettenberg sowie der westliche Vogelsbergkreis gehören.

Bei der letzten Bundestagswahl 2017 gewann der heutige Chef des Bundeskanzleramtes, Helge Braun, den Wahlkreis. Für die Grünen war damals Eva Goldbach angetreten. Für die Wahl im kommenden Jahr hatte zuvor nur der SPD-Unterbezirk einen Kandidaten benannt: Felix Döring aus Gießen.

Die Mitglieder der Grünen trafen sich in der Gallushalle in Grünberg. Mit Behzad Borhani aus Steinbach stand nur ein Kandidat zur Wahl. Sollte er die Direktkandidatur gewinnen und in den Bundestag einziehen, gebe es große Aufgaben zu bewältigen, sagte Borhani: "Die Herausforderungen, vor denen wir stehen, sind gewaltig: Klimakrise, Artensterben, strukturelle Diskriminierung von ganzen Bevölkerungsgruppen, soziale Ungerechtigkeit, Kriege und Konflikte sowie damit verbundene Flucht- und Migrationsbewegungen". Die Erfahrungen im Umgang mit Corona hätten aber gezeigt, "dass wir auf Herausforderungen gut reagieren können", sagte der Steinbacher in seiner Vorstellungsrede.

Er glaube, dass der "Aufbruch in ein sozial-ökologisches Zeitalter" bevorstehe. Er spricht sich für eine nachhaltige Wirtschaft, Klimaschutz, Integration und gesellschaftliche Teilhabe aus.

Gerade bei den beiden letzten Punkten sieht der Kandidat der Grünen viel Verbesserungspotenzial: "Integration und gesellschaftliche Teilhabe sind genauso wie der Naturschutz erst seit knapp 50 Jahren ein Thema in der deutschen Rechtsprechung. Leider müssen immer erst die gravierenden Folgen des ›Nichts-Tuns‹ sichtbar werden, damit sich etwas bewegt."

Gerade im Bereich der Theater und Sporthallen - Behzad Borhani arbeitet seit 2004 am Gießener Stadttheater - sieht er mit Blick auf die Inklusion reichlich Möglichkeiten: "Viele dieser Stätten sind nicht barrierefrei und erschweren so die gesellschaftliche Teilhabe an der Kultur - hier besteht Handlungsbedarf." Ein weiteres Problem zeichnet sich für ihn ab: "Deutschnationale führen schon längst einen Kulturkampf und üben Druck auf die Kulturschaffenden aus. Wir müssen jetzt etwas dagegen tun." Aus Sicht des Kandidaten der Grünen gibt es "viele Stellschrauben, die man auf Bundesebene justieren kann".

Die wohl wichtigste Frage an den Direktkandidaten kam sehr früh in der kurz gehaltenen anschließenden Fragestunde: Denkt er, dass die Grünen das Direktmandat von Helge Braun (CDU) gewinnen können? Borhani lacht: "Wenn ich das nicht glauben würde, dann dürfte ich nicht hier stehen." Und weiter: "Natürlich ist das möglich, aber wir müssen uns verdammt noch mal das ganze Jahr über anstrengen, damit es auch möglich wird." Er fügte hinzu, er würde die Kandidatur ohne den Rückhalt seiner Partei nicht auf sich nehmen.

Eine weitere Frage zielte auf die Gesetze auf Bundesebene. Welche würde er - wenn er könnte - sofort verändern oder abschaffen? Seine kurze Antwort: "Da fallen mir sehr, sehr viele Gesetze ein - aber ich würde sofort das Wort ›Rasse‹ aus dem Grundgesetz und anderen Gesetzestexten streichen."

Das Wahlergebnis fiel schließlich recht klar aus: Von den 39 anwesenden Parteimitgliedern stimmten 27 für Borhani, sechs gegen ihn. Damit steht seine Kandidatur zur Bundestagswahl im kommenden September fest.

Als stellvertretender Direktkandidat wurde Fabian Mirold Stroh aus Gießen gewählt. Er erhielt 32 Ja-Stimmen sowie vier Gegenstimmen.

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