Grünbergs Stadtparlament segnet Windkraft-Flächen ab

Grünberg (tb). Was anfangs, nach dem Nein aus den Ortsbeiräten und dem Wunsch nach Fristverlängerung, so nicht zu erwarten war: Mit breiter Mehrheit hat Grünbergs Stadtparlament am Donnerstag beschlossen, dem RP sechs Vorranggebiete für Windkraftanlagen zur Aufnahme in die Regionalplanung vorzuschlagen.

Bereits nächste Woche, nach dem von Regierungspräsident Dr. Lars Witteck anberaumten Gespräch (unter anderem) mit Grünbergs Bürgermeister, könnte bereits eine erste Vorentscheidung fallen. Noch offen nämlich ist, ob die Fach- und Genehmigungsbehörde die vier von der Stadt benannten Flächen akzeptiert und zur Aufnahme im "Teilplan Energie" vorsieht – oder eben als ungeeignet verwirft. Träfe Letzteres zu, bliebe es bei den zwei Standorten in den Gemarkungen Weickartshain und Reinhardshain, die das Regierungspräsidium allein als geeignet eingestuft hat (ausreichend Wind, keine unüberwindbaren Konflikte). Diese Flächen freilich befinden sich in Privatbesitz oder gehören dem Staatsforst. Anders die vier städtischen Standortvorschläge, die sind zumindest teilweise in städtischem Besitz (Pacht).

In der Debatte des Plenums relativierte SPD-Fraktionschefin Claudia Wolf des Beschlusses Tragweite: "Hier geht es doch nur um eine Option." Was dennoch wichtig sei, schließe man doch so den Bau von Windrädern an anderer Stelle aus (bei Rechtskraft des Regionalplans, erwartet im Frühjahr 2013, die Red.). Vorbehalte, so Wolf, seien bislang meist ästhetisch begründet. Daher: "Die Energiewende darf kein Lippenbekenntnis bleiben, wir müssen auch etwas dafür tun."

Das möchten ebenso die Grünen. Allerdings, so ihr Sprecher Reinhard Ewert, sollte die Verwaltung die Bürger stärker einbeziehen, über Formen der (finanziellen) Beteiligung informieren. "Man muss die Bürger mitnehmen, sonst provoziert man eine Abwehrhaltung", sekundierte Manfred Heßler (CDU).

Dass nach der Bürgerversammlung, Informationen der Ortsbeiräte wie in Sachen "Bürgerwindrad Rabenau" weitere "Mitnahme-Projekte" anstünden, entgegnete Bürgermeister Frank Ide. Auch er machte auf den vorläufigen Charakter des Beschlusses aufmerksam. Etwa im Blick auf die Windverhältnisse; so werde der vom RP genannte "Grenzwert" von mindestens 5,75 m/sek. in Grünberg kaum erreicht (auf den von der Stadt vorgeschlagenen Flächen sind es 5,5 m/sek., die Red.). Ide: "Eventuell wird der RP schon nächste Woche die eine oder andere unserer Flächen streichen." Konkret nannte er jene im Süden von Weitershain, habe doch Mücke wegen der Nähe zum Wochenendgebiet Atzenhain bereits Bedenken angemeldet. Mit Hinweis auf die Bestätigung der Planungshoheit der Kommunen durch den VGH Kassel auch in dieser Frage mochte Wolfgang Hausmann (CDU) diesen Pessimismus nicht teilen.

Solarpark für alte Erddeponie?

Ulrich Ebenhöh (SPD) stimmte – neben dem Freien Wähler Eberhard Schlosser ("guck, die Weckertshaaer!", Heßler ) – als einziger mit Nein. Es gebe genug Standorte ohne solche Eingriffe in die Natur (Waldrodung). Speziell gegen jenen in Weickartshain spreche zudem die Nähe zum Campingplatz, zum Wochenendgebiet und zum Kulturdenkmal Engelsburg.

Am Ende standen 26 Ja-, zwei Nein-Stimmen und drei Enthaltungen (zweimal CDU, einmal FW) zu Buche. Nicht zu vergessen: Für den "Teilplan Energie" meldet Grünberg auch die Privilegierung eines Solarparks auf der ehemaligen Erddeponie Lardenbach an.

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