Edith Weber, Betreiberin der Grünberger Kinos "Apollo" und "Turm", freut sich, im August endlich wieder spielen zu können. Zum Start läuft u. a. der Disney-Streifen "Mulan". FOTO: TB
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Edith Weber, Betreiberin der Grünberger Kinos "Apollo" und "Turm", freut sich, im August endlich wieder spielen zu können. Zum Start läuft u. a. der Disney-Streifen "Mulan". FOTO: TB

Coronakrise

Für Grünbergs Kino naht das Ende der Zwangspause

  • Thomas Brückner
    vonThomas Brückner
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Seit vier Monaten ist das Grünberger Kino geschlossen. Die längste Zwangspause seit 1942. Nach einer Renovierung und trotz einer teuren Sonderbelastung heißt es in Kürze endlich wieder: "Vorhang auf, Film ab!"

Unsere Kinos bleiben vorerst geschlossen - Bleiben Sie gesund." In dicken roten Lettern ist das am Grünberger Lichtspielhaus zu lesen. Seit dem 18. März bereits, als im Zuge der Pandemiebekämpfung die Schließung angeordnet worden war. Per Allgemeinverfügung kam damals das öffentliche Leben zum Stillstand. Ebenso die Kultur ward zur Zwangspause verdonnert, musste Covid-19 Tribut zollen. Und also auch Edith Weber, die seit bald 40 Jahren die Grünberger Kinos "Apollo" und "Turm" führt.

Nun aber kehrt so langsam der gewohnte Alltag zurück - seit einigen Wochen sind auch Theatervorstellungen, Konzerte oder Filmvorführungen wieder erlaubt. Bei Einhaltung der Abstands- und Hygieneregeln, versteht sich.

Was dies angeht, so hat das Grünberger Kino einen kleinen Vorteil: Seit über 50 Jahren schon, als sich das Foyer noch im Hauptgebäude befand, findet hier der Kartenverkauf mit "Spuckschutz" statt, wie man in Zeiten von Corona sagt (Foto rechts).

Die Szenerie erinnert an die Fahrkartenschalter der Bahn, sitzt doch Edith Weber hinter einer Glasscheibe mit Durchreiche. Inklusive des wegklappbaren Fensterchens. Meist geöffnet, der besseren Verständigung wegen, muss es jetzt geschlossen bleiben - auf dass die Aerosole draußen bleiben.

Hygienekonzept: Testlauf mit Trassierband

Was freilich die am wenigsten aufwendige Maßnahme zum Schutz vor Covid-19 ist. Regelmäßige Desinfektion, Vermeidung von Warteschlangen oder die Scheibe am Popcornstand sind da zu nennen. Ungemein schwieriger ist es, die Abstandregeln einzuhalten: Drei Quadratmeter sollen jeder Person zur Verfügung stehen. Ein Mindestabstand von anderthalb Metern ist einzuhalten - sofern es sich nicht um Besucher aus einem oder einem zweiten Hausstand handelt, nur sie dürfen aneinanderliegende Plätze erhalten.

All das ist nicht so einfach umzusetzen und schon gar nicht vorauszuplanen. Aktuell läuft im größeren Saal, dem "Apollo", ein Test mit rot-weiß-gestreiften Trassierbändern: Mal sind zwei, mal drei, mal fünf Sitze markiert. Von daher ist der Wunsch nach Reservierung allzu verständlich, auch wenn spontane Kinogänge weiter möglich sind.

Im "Apollo", dem größeren Saal, werden am Ende nur rund ein Viertel der Sitzplätzen zu belegen sein. Nur eine weitere Belastung, die das Virus auch diesem Unternehmen "beschert" hat.

Dass es überhaupt weitergehen kann, resultiert nicht zuletzt aus den vergleichsweise geringen Fixkosten: Das Grünberger Kino, hier das Gebäude, ist seit 1952 in Familienbesitz. Und auch die jüngste Großinvestition, die Umstellung auf digitale Vorführtechnik anno 2013 - vom Bund und der Stadt gefördert - ist bereits beglichen. Nicht vergessen sei, dass auch "Apollo" und "Turm" mit der Corona-Soforthilfe bedacht worden sind.

Mag sein, Weber kommt überdies in den Genuss der in Aussicht gestellten Landesförderung für Kinos. Wäre nicht schlecht, angesichts einer "Sonderbelastung" im fünfstelligen Bereich: Die Server der Vorführmaschinen haben die lange Zwangspause nicht vertragen. "Ein Bauteilfehler, aus der Garantie sind wir ›natürlich‹ auch raus", erklärt Webers Sohn Klaus.

"Gunst der Stunde" für Renovierung genutzt

Der packt derzeit kräftig mit an, wird doch das Foyer renoviert. "Wir haben die Gunst der Stunde genutzt", sagt Klaus Weber. Neuer Anstrich, neuer Boden, neue Wandverkleidung sind hier die Stichworte.

Das alles braucht Zeit, verzögerte die Wiedereröffnung. Anfang August aber soll es endlich so weit sein, werden Cineasten wieder ihr von Edith Weber bereitetes Kinovergnügen genießen können.

Seit Kindesbeinen ist die 77-Jährige mit dem Lichtspielhaus verbandelt. Weber mit einem Lächeln: "Wenn ich durch die Stadt gehe, fragen mich die einen: ›Wann öffnen Sie denn wieder?‹ Und die anderen, warum ich das in meinem Alter noch mache."

Ihr Vater Ludwig Metzger hatte ab 1942 unter anderem in der T&N-Turnhalle Filme gezeigt. 1952 dann erfüllte er sich seinen Traum vom eigenen Kino, baute in der Bismarckstraße zunächst den einen, zwei Jahre später den zweiten Saal. Selbst Kriegs- und Nachkriegszeit hätten nie eine solch lange Zwangspause erfordert wie jetzt das Virus, erzählt Edith Weber.

"Gut", merkt sie am Ende noch an, "einmal hatten wir doch geschlossen: 2012, für zwei Wochen, als ich mir meinen Traum von einem Urlaub auf Jersey erfüllte."

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