Jugendpflege "in Not"

Grünberger Klage: Immer mehr Büro- statt Jugendarbeit

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Immer neue Aufgaben, immer mehr Papierkram: Mitarbeiterinnen des Kinder- und Jugendbüros Grünberg schlagen Alarm, fordern eine Anpassung des Stellenplans. Heißt: mehr (bezahlte) Arbeitszeit.

Auch wenn sie noch nie einen Teenager weggeschickt haben, der an ihre Bürotür im Alten Amtsgericht geklopft hat. Auch wenn die Bereitschaft, Überstunden zu leisten, ungebrochen ist. Irgendwann einmal ist die Grenze erreicht. Für Silke Arbeiter-Löffert und Jennifer Staffa, langjährige Mitarbeiterinnen des Kinder- und Jugendbüros, ist dieser Punkt nun gekommen. Sie wünschen daher eine Anpassung des Stellenplans, sprich mehr Stunden für die städtische Jugendpflege.

Mit zwei Entwicklungen vor allem begründen die Kolleginnen ihre Eingabe an die parlamentarischen Gremien. Zum ersten mit der Zunahme der Bürokratie, etwa bei der Beantragung von Zuschüssen oder aufgrund der immer öfter verlangten statistischen Auswertungen und Wirkungsberichte. Zum anderen mit den vielen neuen Aufgaben, wofür das Mentorenprogramm "Balu und Du" (siehe Kasten) oder das Familienzentrum nur zwei Beispiele sind.

Warten auf Etatberatung

"Wir stoßen an unsere Grenzen, was die Arbeitszeit angeht", sagt Silke Arbeiter-Löffert. Und verweist etwa darauf, dass schon mal gleich mehrere junge Flüchtlinge vor der Tür stehen. "Klar, wir lassen sie rein, doch Zeit für deren Anliegen haben wir nicht."

Deshalb der Wunsch der Hauptamtlichen (eine Voll-, eine Teilzeitstelle) nach einem Aufstocken des Stellenplans. Um fünf bis zehn Stunden für die Sozialarbeit sowie um zehn Stunden für eine Verwaltungskraft, um die Büroarbeit zu erledigen, die die Zeit für die originären Aufgaben nimmt. Dass andernorts die Jugendpflegen weniger zu tun hätten, die Stadtverwaltung etwa die Ferienspiele organisiere, wird hinzugefügt.

Aktuell erhalten Silke Arbeiter-Löffert und Jennifer Staffa Unterstützung von sechs Honorarkräften, wovon zwei den integrativen Spieletreff im 2017 neu eröffneten Familienzentrum im Alten Posthof leiten. Vorbei sind die Zeiten, da man auf eine Praktikantin im Anerkennungsjahr zurückgreifen konnte.

Festangestellten wie Honorarkräften wenigstens kommt zupass, dass die Jugendzentren auf den 13 Dörfern alle selbstverwaltet und zurzeit ohne "Sanktionsbedarf" laufen. Bei Bedarf jedoch, so Arbeiter-Löffert, gehe sehr wohl ein Mitarbeiter raus, etwa bei den oft schwierigen "Generationswechseln" in einem Jugendtreff. Dass aber durchaus ein Juz zeitweise dichtgemacht werde, wenn es berechtigte Beschwerden gebe, auch das ist Teil des jüngsten Tätigkeitsberichtes.

Ferienspiele, Kinderkulturtage, Theatergastspiele, Projekte zur Gewaltprävention, Elterntrainings, das Freiwilligenprojekt mit der TKS – auch dies ist seit jeher Teil des Arbeitspensums. Ebenso die Kooperation mit Vereinen, Kreis, anderen Jugendpflegen oder im Rahmen des runden Tisches Sozialarbeit.

Hervorgehoben sei an dieser Stelle besagtes neues Mentorenprojekt. Zurzeit sind es neun "Balus", die einen Grundschüler oder "Mogli" an die Hand nehmen. Das Konzept: Die Älteren, in Grünberg meist Zwölftklässler, helfen einem Kind durch persönliche Zugewandtheit und aktive Freizeitgestaltung, sich in der Gesellschaft zu entwickeln.

Alle 14 Tage kommen die "großen Freunde" mit den Sozialarbeiterinnen des Kinder- und Jugendbüros zusammen. Die übernehmen auch die Supervision, halten Kontakt zum Jugendamt. Nicht zuletzt für den Fall der Vernachlässigung eines der Kinder, die oft aus nicht ganz einfachen Familienverhältnissen stammen. Arbeiter-Löffert: "Allen gemein aber ist eines: der große Bedarf an Zuwendung." Nach ihren Worten machen bei "Balu und Du" in ganz Hessen nur drei Städte mit: Marburg, Frankfurt und Grünberg. Der Erfolg hat sich inzwischen rumgesprochen, so hat sich Staufenberg bereits im Kinder- und Jugendbüro erkundigt.

Mit einer Aufstockung des Stellenplans werden sich nun die Fraktionen beschäftigen. Spätestens im Spätherbst dürfte im Zuge der Etatberatung die Entscheidung fallen.

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