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In Konkurs: das Modehaus Pepperone/Steinmetz in Grünberg.

Corona-Krise

Grünberg: Traditions-Modehaus insolvent - "Interimschef" äußert sich

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Null Umsatz, null Chancen, die Kosten zu reduzieren: Die zur Eindämmung der Pandemie angeordnete Ladenschließung gab den Ausschlag, das Grünberger Modehaus Pepperone/Steinmetz ist insolvent.

Grünberg - Der "Patient" ist ohnedies geschwächt, das Virus könnte ihm den Rest geben: Mit Inkrafttreten der dritten Verordnung zur Bekämpfung der Corona-Pandemie zum 18. März brachen auch in Hessen für Tausende Geschäfte die Einnahmen weg. Im stationären Einzelhandel, seit Jahren durch Online-Anbieter mächtig unter Druck, droht eine Welle von Insolvenzen.

Wohl nur ein Beispiel: Das alteingesessene Modegeschäft Pepperone/Steinmetz in Grünberg hat in der Vorwoche die Eröffnung des Konkursverfahrens beantragt. Betroffen ist auch die kleinere Filiale "P1", diese aber kann voraussichtlich weitergeführt werden.

"Es gab vorher schon Probleme", schickt Dr. Hans-Jörg Laudenbach voraus. Neben der Konkurrenz von Amazon und Co verweist der vorläufige Insolvenzverwalter auf die Wettbewerbssituation in einer Kleinstadt wie Grünberg, wo es neben mehreren kleinen gleich zwei große Bekleidungsgeschäfte gibt. Oder auf die "ambitionierte", wenn auch nachvollziehbare Geschäftsmiete. Als die jetzt ausschlaggebende Ursache aber macht er die Corona-Krise aus: Null Umsatz, bei weiterlaufenden Kosten. Da blieb in diesem Fall nur der Gang zum Amtsgericht.

Vor gut sechs Jahren war das Modehaus Steinmetz, seit "ewigen Zeiten" in Grünbergs Rabegasse ansässig, an Patrick Müller gegangen. Dass der neue Geschäftsführer all die Jahre "gekämpft hat", hebt der gerichtlich bestellte "Interimschef" hervor. Nicht nur das große Engagement Müllers unter den bekannt schweren Rahmenbedingungen - beispielhaft erwähnt seien die Modenschauen - findet das Lob Laudenbachs. Ebenso positiv äußert er sich über Warenbestand und Erscheinungsbild der Verkaufsräume. Dass es dennoch zur Schieflage kam, sei natürlich deprimierend.

Was aber ist mit den staatlichen Hilfen für Opfer der Krise? "Diese sollen eigentlich verhindern, dass es zur Insolvenz kommt", erklärt der Anwalt. Würden sie dennoch gewährt und dürfte auch dieses Geschäft zeitnah wieder öffnen, so verschaffte das zumindest ein wenig Luft, um weiterzuschauen. Und sofern sich denn die Chance ergäbe, würde wohl auch Patrick Müller weitermachen. "Noch ist nicht alles entschieden", sagt Laudenbach, und warnt doch vor überzogenen Erwartungen: "Ohne eine Übernahme durch einen Investor wird es nicht reichen. Wir tun alles, um jemanden zu finden." Was natürlich auch im Interesse der 20 bisher ungekündigten Mitarbeitern läge, da eine Weiterbeschäftigung möglich würde.

Kurzarbeitergeld - 60 bis 67 Prozent des Nettogehalts, hier aber kein Arbeitgeberzuschuss - ist beantragt, aber noch nicht beschieden. Wobei, so der Anwalt abschließend, die Mitarbeiter vermutlich mit dem drei Monate gezahlten Konkursausfallgeld besser fahren würden, beträgt es doch 100 Prozent.

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