In Grünberg (Kreis Gießen) soll ein neuer Windpark entstehen. Das stößt nicht nur auf Zustimmung. (Symbolbild)
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In Grünberg (Kreis Gießen) soll ein neuer Windpark entstehen. Das stößt nicht nur auf Zustimmung. (Symbolbild)

Windkraft

Grünberg als „Versuchskaninchen“? Massive Kritik an geplanten 250-Meter-Windrädern 

Das Unternehmen Trianel will im Stadtwald Grünberg zwei 250 Meter hohe Windenergieanlagen errichten. Der Vertragsentwurf liegt nun vor, ist jedoch im Fachauschuss auf klare Ablehnung gestoßen.

Grünberg –Das Bild sei, wenn auch »verbraucht«, letztmals gestattet: Die Pläne der Aachener Projektgesellschaft Trianel, in Grünbergs Stadtwald zwei 250 Meter hohe »Mühlen« zu errichten, treffen auf heftigen Gegenwind. Nach der ersten Präsentation durch Vertreter des von kommunalen Stadtwerken getragenen Unternehmens notierte Schriftführer Björn Fink die einmütige Ablehnung des Bauausschusses. Sechs Neinstimmen von CDU, SPD, FW, FDP standen zwei Enthaltungen von Grünen und SPD gegenüber.

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Die Magistratsvorlage für einen neuen Pachtvertrag, worin auch die jährliche Mindestzahlung von 61 000 Euro festgehalten würde, fiel somit durch. Angemerkt aber sei: Das Meinungsbild zur Windkraft ist in Grünbergs Bauausschuss »traditionell« eher von Kritik geprägt. Und: Sofern das letztentscheidende Stadtparlament dieser Empfehlung folgen sollte, wirkte der 2014 mit der Stadt geschlossene Nutzungsvertrag fort. Danach darf Trianel fünf Windräder in den Vorranggebieten 4402 (Grünberg I) und/oder 4115 (Grünberg II) errichten, also zwei weitere Anlagen bauen.

Allerdings sieht dieser Kontrakt eine Höhe von bis zu 210 statt nun vorgesehener 250 Meter vor. Ob der Projektierer einhergehende Ertragseinbuße - laut Trianel »zwei Prozent je einen Meter Höhe« - akzeptieren würde?

Als Projektentwickler stellten Timothy Stricker und Jürgen Pachnicke am Dienstag erstmals die Eckdaten der Planung den Stadtverordneten vor. Danach hatte man zu Jahresanfang eine neue Potenzialprüfung vorgenommen, die diesmal positiv ausfiel. Vor sechs Jahren, so Stricker, habe man ob des naturschutzrechtlichen Konfliktpotenzials - vor allem wegen des Rotmilans - noch vom VRG 4115 noch Abstand genommen. Was heute jedoch anders aussehe. Der neue artenschutzrechtliche Leitfaden lasse mehr Spiel- und Gestaltungsraum zu.

Neue Windräder in Grünberg: Wie steht es um den Artenschutz?

Dass damit der »Artenschutz zurückgefahren wurde«, wie nun Siegbert Damaschke (CDU) mutmaßte, ließ er nicht gelten. Vielmehr werde statt eines Pauschalabstands von 1000 Metern zu einem Rotmilanhorst nun geschaut, wo der tatsächlich fliege. »Entscheidend ist jetzt das Kollisionsrisiko.« Da ein Offenlandjäger, seien keine Konflikte mit den Anlagen im Wald zu befürchten; zumal da die Windwurfflächen wiederaufgeforstet würden (laut Karte von Trianel befindet sich ein Horst rund 800 Meter südlich des westlichen Standorts, die Red.). Die faunistischen Untersuchungen insgesamt seien fertig, bis auf den Milanhorst hätten sich »keine artenschutzrechtlichen Einschränkungen« ergeben.

Abgeschlossen sind laut Stricker ebenso Biotopkartierung und technische Detailplanung. In Ausarbeitung befänden sich die genehmigungsrelevanten Gutachten, diese würden gerade mit dem RP abgestimmt. Für die Anlagen mit einer Nabenhöhe von 166 Metern, bei einer Windhöffigkeit von 6,0 m/sek auf diesem Niveau sowie einem Jahresertrag von 15 Millionen kW/h (»reicht für 4300 Haushalte«) will man im ersten Quartal 2021 den Genehmigungsantrag stellen. Für die erste Mühle hofft Trianel mit der Inbetriebnahme im dritten Quartal 2022.

Der Mindestabstand von 1000 Metern zur Wohnbebauung, Vorgaben zu Rückbau, Trinkwasserschutz, Lärm- und Schattenemissionen würden natürlich eingehalten, merkten die Projektierer auf Nachfragen aus dem Ausschuss an. Auch seien die neuen Anlagen leiser, wegen der erhöhten Naben sowie geräuschärmerer Rotoren.

Grünberg: „Wir sollen Versuchskaninchen sein“

Apropos: Dass das Lärmgutachten zu Grünberg I bis heute dem Parlament nicht vorliegt, kritisierten mehrere Redner. Und ebenso war Ulrich Ebenhöh (SPD) nicht der einzige, der die Abstandsregelung in Bayern (»Höhe mal zehn«) auch für Hessen forderte, vor einer Umzinglung Weickartshains warnte.

Klar, auch die optische Bedrängung war ein Argument der Gegner: »Wir sollen Versuchskaninchen sein«, meinte wieder Damaschke mit Blick auf die für Hessen rekordverdächtige Höhe von 250 Metern. »In Atzenhain sind zwei gleichhohe Anlagen geplant«, bat da Bürgermeister Frank Ide zu beachten In Sachen Lärm merkte er an, die Messungen seien »in Ordnung« gewesen, das Gutachten liege beim RP Gießen.

Nicht zu vergessen: Von erwogener dritter Anlage im Staatsforst ( Laubacher Gemarkung) ist Trianel abgekommen. Da zu nah beieinander, gäbe es Probleme mit Turbulenzen.

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