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Blick übern Zaun: Abgedeckt von einer Plane, warten rund 700 Tonnen asbestbelasteten Aushubs auf die Entsorgung.

Das Problem wiegt 700 Tonnen und kommt Grünberg teuer zu stehen

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Asbestverseuchter Aushub in Grünberg: Unbekannte sollen nach der Schließung eines Hotels vor über 20 Jahren den Swimmingpool dafür missbraucht haben.

Grünberg - "Pech" - so die lapidare Erklärung von Bürgermeister Frank Ide für ein Malheur, das Grünberg teuer zu stehen kommt. Wie von dieser Zeitung berichtet, hatte die Stadt 2018 das Vorkaufsrecht gezogen und die seit Jahren leer stehende Hotelanlage in der Reinhardshainer Dienbergstraße erworben, um dort ein kleines Baugebiet zu schaffen. Böse Überraschung hintendrein: Im Zuge der Abrissarbeiten wurde gut einen halben Meter unter der Erdoberfläche asbestverseuchter Aushub entdeckt. Unbekannte sollen nach der Schließung des Hotels vor über 20 Jahren den Swimmingpool dafür missbraucht haben.

Grünberg: Teuerstes Angebot bei 983 000 Euro

Seit einigen Wochen bereits ruht die Schutthalde auf dem Grundstück, abgedeckt mit einer Plane. Da mit nasser Erde vermischt, summiert sich der Sondermüll auf sage und schreibe 700 Tonnen.

Ein erstes Nachtragsangebot der beauftragten Firma lag bei 267 000 Euro. "Geht’s nicht billiger?", fragte sich die Verwaltung und schrieb die Entsorgung neu aus. Auch hier wieder eine Überraschung: Das günstigste Angebot lag bei 202 000, das teuerste aber bei 983 000 Euro (!). Immerhin kommt so die Kommune rund 65 000 Euro günstiger dabei weg.

Die Kosten der Neuordnung des Grundstücks (Abriss/Entsorgung vor allem) aber steigen entsprechend weiter. Der Magistrat wird den heute Abend tagenden Stadtverordneten die Rechnung präsentieren. Laut Bürgermeister Frank Ide beläuft sich der erforderliche Nachschlag beziehungsweise die in diesem Jahr auflaufende Mehrausgabe auf insgesamt 290 000 Euro (87 000 Euro waren bereits veranschlagt worden). Diese Summe soll nun im Nachtragshaushalt 2019 eingestellt werden.

Mangels Alternative und ob der Verantwortung des Eigentümers empfahl der Haupt- und Finanzausschuss am Dienstagabend die Annahme des Angebots bzw. der Magistratsvorlage - einstimmig.

Horst Nikl (Grüne) hatte zuvor freilich nach der Verantwortung des Gutachters gefragt. Dem könne man keinen Vorwurf machen, sei er doch nur mit der Untersuchung der abzureißenden Gebäude betraut gewesen. Und selbst bei Entnahme von Bodenproben wäre die Entdeckung der Altlasten im Pool, da mit gut einen halben Meter Erde abgedeckt, nicht sicher gewesen. Nochmals Ide: "Als wir das Vorkaufsrecht gezogen haben, war das nicht vorherzusehen." Anders als angeblich einige Reinhardshainer habe auch in der Verwaltung niemand davon gewusst,. könne man also niemandem einen Vorwurf machen. "Pech, eben."

Grünberg: Auch Schottergärten Thema

Dass das Baugebiet jetzt nun mal aufs Gleis gesetzt sei, die Reinhardshainer sicher froh über die lang ersehnte Beseitigung des Schandflecks, die Schaffung von Wohnbauflächen wären, merkte er noch an. Bei einem Verkauf an privat wären vielleicht 80 Arbeiterwohnungen entstanden, was nicht so passend fürs Wohngebiet gewesen wäre.

Die marktgemäße Konsequenz der hohen Einstandskosten - die im Vorjahr bereits etatisierten Mittel eingerechnet, schlägt der Abriss inklusive Entsorgung mit rund 450 000 Euro zu Buche - ließ der FW-Politiker nicht unerwähnt: "Wir können hier keine 200 Euro für den Quadratmeter Bauland verlangen, das Minus für die Stadtkasse ist daher ziemlich sicher."

Vertagt wird auf Empfehlung des Ausschusses dagegen der Satzungsbeschluss für den Bebauungsplan "Dienbergstraße". Zunächst steht die Entsorgung der 700 Tonnen Sondermüll sowie die Erschließung an, so dass die ersten Häuser wohl erst 2020/2021 gebaut werden. Also dränge der Beschluss nicht, war man sich einig. Wie Jürgen Schmidt (SPD) dazu bemerkte, lägen die textlichen Festsetzungen im B-Plan nicht vor, sodass man ohnehin nicht so schnell darüber befinden könne. Festgesetzt werden sollte nach Schmidt etwa das Verbot von Schottergärten. Horst Nikl kritisierte, dass es keine schalltechnische Untersuchung gab, obwohl nach dem A5-Ausbau der Lärm zugenommen habe.

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