Klimawandel

Harald Lesch entlarvt in Grünberg die Mythen der Klimaleugner

Lesch

Harald Lesch, Astrophysiker, Naturphilosoph und TV-Moderator, entlarvt an der TKS Grünberg die "Mythen und Methoden der Klimaleugner". Nicht nur die Resonanz von 600 Zuhörern überrascht.

Um Argumente für den Klimaschutz zu liefern, hatten mehrere Kreis- und Ortsverbände der Grünen den Astrophysiker, Naturphilosophen und Wissenschaftsjournalisten Prof. Harald Lesch eingeladen. In der Aula "seiner" Theo-Koch-Schule Grünberg - vor 40 Jahren hatte er hier sein Abi gebaut - entlarvte er am Freitagabend die "Mythen und Methoden der Klimaleugner".

Ihm zur Seite stand dabei Dr. Udo Ornik, ebenfalls Physiker und wie Lesch aus Nieder-Ohmen stammend. Der Vorsitzende der Grünen im Kreistag des Vogelsbergkreises warf zunächst den Leugnern einer menschgemachten Erderwärmung eine "vorsätzliche Ignoranz gegenüber den Fakten" vor. Fake-News, einmal übers Netz verbreitet, ließen sich nun mal "schwer wieder aus der Welt bekommen". Ornik empfahl den kritischen Umgang mit Neuigkeiten, die "vorschnell als gefällig erscheinen": Welche Quelle wird angegeben? Existiert diese tatsächlich? Gibt es eine zweite, davon unabhängige, die dieselbe Information bietet? Als praktische Hilfestellung verwies er auf "Faktenfinder" im Internet, etwa von ARD und ZDF.

Harald Lesch in Grünberg: Erwärmung erfasst heute alle Regionen der Welt

Auch wenn es einzelne, abweichende Meinungen gebe, sei es doch wissenschaftlicher Konsens, dass es den "menschgemachten Klimawandel" gibt, betonte nun Lesch und lieferte dazu eine Reihe von Daten: Die Temperaturerhöhung in den letzten 100 Jahren betrage insgesamt 0,76 Grad, in den letzten 15 Jahren sei der Anstieg nicht nur besonders stark, sondern erfasse alle Regionen der Welt. In Alaska seien diesen Sommer Tagestemperaturen gemessen worden, die über denen in Florida lagen. Das Eis auf Grönland und am Südpol sei bereits dabei, zu verschwinden. Der CO2-Gehalt in der Atmosphäre steige immer weiter an. Momentan betrage er 410 ppm (parts per million), dem natürlichen CO2-Kreislauf entspreche ein Wert von 280 ppm.

Die Aufzählung der Fakten nahm Lesch in seiner bekannt lockeren Art vor, auch wenn es um grundsätzliche Fragen wie jene nach wissenschaftlicher Erkenntnis und Wahrheitsgehalt ging. Hin und wieder "verirrte" sich ein Schuss Polemik in die Rhetorik des routinierten TV-Moderators, immer gern mit Bezug zu aktueller Politik. Nur ein Beispiel: "Man sollte Wahrheit und Trump nicht in einem Atemzug nennen".

Die Erwärmung führt bekanntlich zum Auftauen der Permafrostböden in Sibirien. Das, so Lesch, gefährde auch die Stabilität der Erdgaspipelines. Absurde Folge: Gazprom kühle die Leitungen, und das in einer Gegend, die über Generationen hinweg als Inbegriff von Kälte galt. Dass es höchste Zeit ist, der Entwicklung entgegenzutreten, war gefühlter Grundkonsens der Veranstaltung, zu der weitaus mehr Menschen gekommen waren, als die Veranstalter erwartet hatten. Die 400 Plätze in der Aula der Gesamtschule reichten nicht aus, so dass eine Übertragung auf den Schulhof organisiert wurde, wo sich rund 200 weitere Besucher aufhielten .

Harald Lesch in Grünberg: Moralische Berechtigung der Schülerbewegung

TKS-Direktor Jörg Keller hatte bei seiner Begrüßung deutlich gemacht, wie sehr es beim Thema Klimawandel auf Glaubwürdigkeit ankomme.

Auf die Dringlichkeit konkreten Handelns machte Josefina Pöpperl, Aktivistin der Bewegung "Fridays for Future", aufmerksam. Als wesentliche Ursache des Klimawandels sah sie die vorherrschende wirtschafts- und gesellschaftspolitische Doktrin des Neoliberalismus. "Wir kämpfen dafür, dass sich die Welt ändert!", rief sie am Ende aus.

Der Unterstützung Leschs konnte sie sich da sicher sein. An jenem "Freitag für die Zukunft" in Grünberg maß er der Schülerbewegung eine auch moralische Berechtigung bei: "Kinder können sich schließlich nicht die Welt aussuchen, in die sie hineingeboren werden." (Foto: gka)

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