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Windkraftanlagen

Gegner des Windparks bei Bersrod machen mobil

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Zerstörung von Waldflächen, Wertverlust für Eigenheime, Gesundheitsgefahren für Anwohner - in Reinhardshain machen jetzt Gegner des in Richtung Bersrod geplanten Windparks mobil.

Windpark Reinhardshain: Wollen wir das einfach so hinnehmen?" - ein anonymes Flugblatt, an alle Haushalte des Grünberger Stadtteils verteilt, trägt diese Überschrift. Freilich eine rhetorische Frage: Neun Antworten, alles Argumente gegen die vom Projektierer "Energiequelle" geplanten neun bis zehn "Mühlen", bis auf zwei alle auf Reiskirchener Gemarkung, werden aufgelistet.

Diese reichen von einem "Wertverlust der Anliegerimmobilien von zehn Prozent" über die "Vernichtung" und "Tötung" von Insekten, Vögeln und Fledermäusen bis zu einer "vermutlich massiven gesundheitlichen Belastung der Anwohner durch Schall und Schattenschlag, etwa Herzrasen, Schlafstörungen, Kopfschmerzen". Die Lage im Forst samt der Risiken ("bei Brand nicht zu löschen"), die Gefährdung für das Wasserschutzgebiet und durch das Bombenabwurfgebiet nahe der A 5 kommen hinzu.

Die Verfasser der anonymen Flugschrift laden zur "Bürgerversammlung" am 24. September ins Dorfgemeinschaftshaus Reinhardshain. Nur: Eine "Bürgerversammlung" ist Sache des Stadtparlaments, die Versammlung wurde denn auch von der Stadt abgesagt, wie Bürgermeister Frank Ide auf Anfrage bestätigte. Stattfinden wird dagegen eine Infoveranstaltung am 1. Oktober, 19 Uhr, an gleicher Stelle. Dazu laden der Ortsbeirat und die Schutzgemeinschaft Wasser und Wald Reinhardshain e.V. ein. Auf dem Podium werden Ortsvorsteher Rüdiger Hefter, Bürgermeister Ide und ein Vertreter des Projektierers sitzen. "Auf einmal werden sie wach", kommentiert Hefter die jüngste, auch andernorts bekannte Entwicklung. Bei der Ortsbeiratssitzung im Januar habe sich so gerade mal ein Bürger für das Thema interessiert, bei der Infoveranstaltung in Bersrod im April auch nur rund ein Dutzend.

Grünberg: Genehmigungantrag im Januar

Vor einer Woche dann landeten plötzlich besagte Flugblätter in den Briefkästen. Wer dahinter steckt? Hefter schätzt die Gruppe auf vier bis fünf Bürger. Von kolportierter Gründung einer Bürgerinitiative weiß er nichts; aber von Bemühungen, wonach die Schutzgemeinschaft dies übernehmen sollte.

Der Vorstand des Vereins, in den 80ern zur Abwehr einer Mülldeponie gegründet, hatte sich im Frühjahr zumindest "nicht ablehnend" zum Windpark positioniert. Nicht nur weil man für Klimaschutz bzw. die Energiewende ist. Vereinsvorstand Hefter verweist ebenso auf die geringen Einflusschancen: Die Standorte befinden sich in Vorranggebieten "Windkraft" und gehören - bis auf den einen im Eigentum der Gemeinde Reiskirchen - allesamt dem Land (Hessen Forst). Wollte man bei der ordentlichen Mitgliederversammlung des Vereins im März den Termin in Bersrod abwarten, so geht es jetzt um den 1. Oktober. Sofern im Anschluss die notwendigen 25-Prozent der rund 110 Mitglieder eine außerordentliche Versammlung beantragten, könnte es um eine (neue) Positionierung in Sachen Windpark gehen.

"Energiequelle" teilte gestern auf Anfrage mit, es habe zwischenzeitlich nur minimale Verschiebungen der Standorte gegeben; jedoch "ohne Gemarkungswechsel", wie eine übermittelte Karte belegt. Die Festlegung sei im Übrigen mit der Oberen Naturschutz- und Forstbehörde bei einer Begehung erfolgt.

Aktuell in den letzten Zügen befänden sich die avifaunistischen Untersuchungen. Die Parameter Lärm und Schattenwurf seien gemäß der gesetzlichen Vorgaben geprüft worden. Ergebnis: "Alle Werte eingehalten." Um hier aber "noch eine Unabhängigkeit zu gewinnen", werde man zusätzlich ein externes Gutachten erstellen lassen. Voraussichtlich im Januar werde man das Genehmigungsverfahren anstoßen, schreibt der Projektierer und Betreiber des Windparks. Das Foto zeigt dessen Visualisierung der 230 bis 240 Meter hohen Vier-Megawatt-Anlagen aus Blickrichtung Reinhardshain. (tb/Foto: pm)

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