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Der Eisteich in Grünberg: Die Verpachtung an eine Angler-Interessengemeinschaft stößt bei Naturschützern auf Kritik.

Naturschutz vs. Hobbyfischerei

Grünberger Eisteich erhitzt die Gemüter

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Mit einem Nutzungsverbot reagiert die Stadt Grünberg auf die zunehmende Schwarzanglerei am Eisteich. Erhoffte Lösung aber, das Verpachten an eine Anglergemeinschaft, sorgt für erhitzte Gemüter.

Auch in Grünberg gibt es einen Eisteich, auch dieser verdankt seinen Namen der einstigen Nutzung: Im Winter ward hier das naturgegebene Kühlmittel gebrochen - auf dass die Gasthöfe auf längere Sicht kein warmes Bier ausschenken mussten. Nur in Grünberg aber erhitzt der Eisteich nun die Gemüter.

Anlass bietet die Verpachtung an eine Angler-Gemeinschaft. Nach Informationen dieser Zeitung hat dies der Magistrat beschlossen, einzig Details wie die Erneuerung kleinerer Einstiege ins Gewässer seien zu klären. Die Entscheidung aber stößt auf Kritik des Naturschutzbundes, der selbst ein Pachtangebot an die Stadt als Eignerin abgegeben hatte.

Die NABU-Ortsgruppe fürchtet eine zunehmende Frequentierung und damit Belastung des Biotops. Um dessen Wertigkeit noch zu erhöhen, haben die Naturschützer eigens ein Konzept zum "naturnahen Erhalt des Refugiums" erarbeitet. Dies jedoch sieht man durch befürchtete "intensive Angel-Fischerei" konterkariert. Der NABU-Vorstand: "Die Stadt muss mehr Verantwortung zeigen, als einfach an privat zu verpachten."

Bestärkt in ihrer Kritik an der seit Jahren beklagten "Schwarzanglerei", oft auch des nachts, fühlen sich die Naturfreunde durch ein Vorkommnis vom Montag: Ein Teichhuhn-Küken habe einen Angelhaken geschluckt, die Schnur sei mit einem Stock am Uferrand befestigt gewesen. Das Tier wurde in die Vogelklinik Gießen gebracht, habe aber nicht gerettet werden können.

Das (nächtliche) Geschehen am Eisteich ist der Stadtverwaltung bekannt: "Das ist meist illegal", bestätigte Ordnungsamtsleiter Gerhard Schildwächter auf Anfrage. Heißt: Ohne den bei der Stadt zu beantragenden Angelschein werde die Rute ausgeworfen. Selbst im Winter. Als aktuelle Maßnahme hat man gestern sechs Schilder aufgestellt: "Ab sofort Angeln verboten". Dies werde kontrolliert, auch mit Amtshilfe der Polizei.

Wilde Anglerei hat zugenommen

Um für das illegale Tun weniger Anreiz zu bieten, hat die Stadt seit Jahren bereits keine Jungfische mehr eingesetzt. Die Natur aber erledigt das nun mal von sich aus. Eine Erklärung: Fischeier im Gefieder von Wasservögeln. "Mit dem Wiederaufkommen des Fischbestandes hat die wilde Anglerei wieder zugenommen", sagt Schildwächter.

Dem einen Riegel vorzuschieben, erhofft sich Magistrat mit dem neuen Pachtvertrag mit der IG, der ein Dutzend Angler angehören. Deren Konzept schließlich, heißt es wiederum aus gut informierten Kreisen, ziele auf eine Rückkehr in "geregelte Bahnen" ab.

Geplant sei das Einsetzen von Fischen, allerdings von Arten, die sich nicht am Krötenlaich vergreifen. Oder die Ausgabe von Tagesscheinen. Und: Das Areal bleibe weiter der Öffentlichkeit zugänglich, bestehen bleibe auch das Parkverbot. Als wesentlicher Aspekt im Sinne des Naturschutzes solle der Schilfbereich außen vor bleiben, dieser werde nicht an die Angler verpachtet. Der Vertrag soll auf zwei Jahre befristet sein, um dann zu schauen, ob das Konzept umgesetzt wurde und welche Folgen sich daraus ergeben haben. Für den NABU überwiegt schon heute die Skepsis. Prognostiziert wird das "Wiederaufleben einer seit Jahren beendeten Praxis, die schon früher zu Problemen geführt hat." Mit einer einseitigen Fischnutzung werde die Artenvielfalt deutlich eingeschränkt, insbesondere für Amphibien, die durch einen "unnatürlich hohen Fischbesatz stark dezimiert werden". Eine weitere Folge wäre, dass Angler Uferwege zuparkten, die doch nur für Landwirte zugelassen sind. Besonders an Wochenenden, mit Grillen, Alkohol und Müll, werde das Geschehen am Eisteich in ein "eventartiges Szenario ausarten."

Das Ziel des NABU sei dagegen die Förderung der Artenvielfalt des Teichs. Als Refugium für Amphibien, Sumpfschildkröten, Wasservögel und Fledermäuse. "Der Eisteich ist Allgemeingut", heißt es vom Vorstand. "Er darf nicht Einzelinteressen einer bestimmten Gruppe überlassen werden."

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