Blick auf den Campingplatz Grünberg.
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Blick auf den Campingplatz Grünberg.

Stadt reagiert auf harsche Kritik

Grünberg: Zustände auf Campingplatz werfen Fragen auf – „schockierend und skandalös“?

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Die CDU Grünberg greift die Stadt wegen des Campingplatzes harsch an. Ungesicherte Stromkabel, Gestank, Untätigkeit? Der Hauptamtsleiter wehrt sich gegen die Vorwürfe.

  • Die CDU in Grünberg übt harsche Kritik an den Zuständen auf dem städtischen Campingplatz.
  • Sie sieht eine „erhebliche Gefahr“ für Camper und prangert die vermeintliche Untätigkeit der Behörden an.
  • Bei der Stadt wertet man den Vorstoß als Wahlkampf-Manöver und weist die Vorwürfe zurück.

Grünberg (pm/lkl). Die Zustände auf dem städtischen Campingplatz hat die CDU Grünberg in einer Pressemitteilung als »schockierend und skandalös« bezeichnet. Konkret prangert der Stadtverband an, dass die Elektronik »veraltet und gefährlich« sei. Kritisiert werden ungesicherte Stromkabel sowie die defekte Verschlusstür eines Stromkastens, von dem »eine erhebliche Gefahr für spielende Kinder« ausgehe. Auch der Zustand des Duschhauses, das verfallen und nicht barrierefrei sei, ist Teil der Kritik. Außerdem: Sobald jemand seine Chemietoilette entleere, sei dieses »aufgrund des Gestankes für einen längeren Zeitraum nicht betretbar«, da sich die Entleerungsstation im Innenraum befindet.

Campingplatz Grünberg: Stadt hat „mit den Campern dort ein touristisches Pfund“

In der Pressemitteilung wertet es der Stadtverband als einen »Skandal, dass bei den Verantwortlichen im Grünberger Rathaus keinerlei Interesse an der Weiterentwicklung des Campingplatzes Grünberg besteht, obwohl dieser für den Grünberger Tourismus essenziell ist«. Im Rathaus sei man »nur am Kassieren der Stellplatzgebühren interessiert«.

Dem widerspricht Hauptamtsleiter Edgar Arnold auf Nachfrage der GAZ. Er habe Verständnis dafür, dass man sich im Wahlkampf vorteilhaft präsentieren müsse, betonte er. »Aber dass hier die Korken knallen, wenn die Leute ihre Campingplatzgebühren zahlen, das findet nicht statt.« Die Stadt wisse, dass sie »mit den Campern dort ein touristisches Pfund« habe und versuche, »den Leuten ein Optimum« zu bieten.

Die Zustände auf dem Campingplatz Grünberg seien „schockierend“ und „skandalös“.

Grünberg: Laut Stadt haben Camper die Möglichkeit, auf Verbesserungswünsche hinzuweisen

Arnold erklärte, dass die Interessengemeinschaft Campingplatz neben den Fraktionen auch die Stadtverordnetenversammlung und den Magistrat um ein Gespräch gebeten habe. Bürgermeister Frank Ide habe jedoch in einer E-Mail erklärt, dass die Stadt dazu aktuell keine Notwendigkeit sehe - nicht, weil man kein Interesse an den Problemen der Camper habe, sondern weil man um die Wünsche der Camper wisse bzw. für Anregungen und Mängelhinweise stets erreichbar sei.

So könnten diese jederzeit an der Campingplatz-Rezeption oder aber telefonisch bei der zuständigen Sachbearbeiterin in der Verwaltung gemeldet werden. Zudem gebe es an fünf bis sechs Samstagen im Jahr, die stets im Frühjahr bekannt gegeben würden, eine Sprechstunde auf dem Campingplatz, bei der er als verantwortlicher Fachbereichsleiter teilweise selbst vor Ort sei. »Auch da haben die Camper die Möglichkeit, uns auf Verbesserungswünsche hinzuweisen. Dann gehen wir den Dingen auch in aller Regel nach - es sei denn, es ist so utopisch«, sagte Arnold.

Campingplatz Grünberg: Arnold sieht die festgestellten Mängel weniger dramatisch

Allerdings würden Entscheidungsprozesse bei einer Stadt oder bei einer Gebietskörperschaft länger dauern als in einem normalen Unternehmen, räumte er ein. So gehe es bei der Bereitstellung eines WLAN-Netzes etwa um öffentliche Fördergelder.

Zu den von der CDU festgestellten Mängeln auf dem Campingplatz sagte Arnold: »Ganz so dramatisch, wie es die CDU beschrieben hat, ist es nicht.« So stellten etwa die Kabel keine Gefahr dar, da der Strom abgestellt sei, wenn sie nicht genutzt würden.

Wegen der Verlegung der Entsorgungsstation habe man sich bereits vor einigen Jahren ein Angebot machen lassen, damals habe der Magistrat das Vorhaben jedoch nicht weiter verfolgt. »Wir wissen aber auch, dass jetzt in Zeiten von Corona viele natürlich auch ein anderes Empfinden haben«, sagte Arnold. Deswegen habe man das Angebot jetzt aktualisieren lassen und werde bei der Haushaltsbesprechung am kommenden Montag klären, ob das Projekt nachträglich in den Etat 2020 aufgenommen werden kann.

Campingplatz Grünberg: Interessengemeinschaft hat konkrete Ideen

Die defekte Tür des Verteilerkastens wurde indes direkt am Dienstagmorgen repariert. »Ich hätte mir natürlich gewünscht, dass der Mangel einfach vorher an uns transportiert wird«, sagte Arnold.

Die CDU-Faktion fordert indes eine stärkere Einbeziehung der Interessengemeinschaft Campingplatz. Diese habe »konkrete Ideen, den Campingplatz weiterzuentwickeln«, etwa durch Angebote für Kinder und Jugendliche und ein modernes Duschhaus.

Während der Corona-Pandemie beschloss die Stadt Gießen eine neue Verordnung, laut derer Camping- und Wohnmobilplätze für „notwendige Zwecke“ auf dem Campingplatz Grünberg vermietet werden dürfen – „Erlaubt sind auch Dauercamper.“ Dies stieß auf viel Kritik.

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