Silke Schranz und Christian Wüstenberg. FOTO: DIS
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Silke Schranz und Christian Wüstenberg. FOTO: DIS

Wo die Gletscher kalben

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Grünberg(dis). Silke Schranz und Christian Wüstenberg sind Filmemacher und leben in Frankfurt/ Main. Beide sind 49 Jahre alt und haben sich beim Hessischen Rundfunk kennengelernt, wo sie als Reporterin und er als Cutter tätig war. Für ihre Dokumentationen machen die beiden meist von der Regie über Kamera, Schnitt, Ton, Musik und Text bis zum fertigen Film alles selber. Nach mehreren Film- und Buchprojekten - von ihnen wurden schon Filme über Südafrika und Australien in 100 Tagen in Grünberg gezeigt - planten die beiden Filmemacher im arktischen Sommer die Umrundung Spitzbergens mit einem zum Expeditionsschiff umgebauten Fischkutter. Sie dokumentierten ihre Reise im September 2018 mit zwei Kameras und entdeckten dabei eine einzigartige Welt aus Eis, Schnee und Gletschern, die durch den Klimawandel bedroht ist wie nie zuvor. Am Sonntag zeigten sie im Grünberger Kino ihren Film und standen den zahlreichen Besuchern im Anschluss für Fragen zur Verfügung. Dabei wurde deutlich, dass eine solche von den Filmemachern gebuchte Individualreise schon mit einem erheblichen finanziellen Aufwand von 6000 bis 12 000 Euro verbunden ist. Der Kontakt hierzu erfolgte auf einer Reisemesse.

Auf Spitzbergen leben nur etwa 2500 Einwohner, die sich das Land mit rund 3000 Eisbären teilen. Das es dabei auch zu gefährlichen Begegnungen kommen kann, bekamen auch die Filmemacher auf der nördlichsten Inselgruppe Europas zu spüren. Nach einer Anlandung auf Phippsoya mussten sie mit der gesamten Crew wieder zurück in ihr Schlauchboot flüchten, weil aus der Ferne ein Eisbär angelaufen kam. Zwar war der begleitende Guide mit Signalpistole und einem scharf geladenen Gewehr ausgestattet, doch ziehe er sich lieber zurück und habe noch nie einen Eisbären erschießen müssen.

Schranz und Wüstenberg landeten auch an Küstenstreifen, auf die zuvor nur sehr wenige Menschen einen Fuß gesetzt haben, und konnten die gewaltige Einsamkeit und Stille der Arktis spüren. Sie fuhren zu gefrorenen Wasserfällen, zu Fjorden mit eisblauen Gletschern und zu Buchten mit funkelnden Eisskulpturen. Vor einer riesigen Gletscherwand filmen sie, wie ein hausgroßes Stück Eis krachend ins Wasser kalbte, und sie erlebten, wie im viel zu warmen Sommer das Schmelzwasser donnernd ins Meer rauscht. "Es ist etwas anderes, ob man in der Zeitung vom Klimawandel liest oder ob man in der Arktis hautnah miterlebt, wie dramatisch schnell die Eismassen abschmelzen", erzählt Schranz.

Der Kinofilm "Spitzbergen - auf Expedition in der Arktis" wurde in einem Preview im Grünberger Kino gezeigt. Er wird ab dem 5. März deutschlandweit in die Kinos kommen.

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