Auspuff zu laut: Nach Messungen der Polizei wird hier die zulässige Lautstärke überschritten - allerdings wegen Verschleiß. Die Fahrerin muss das beheben lassen.
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Auspuff zu laut: Nach Messungen der Polizei wird hier die zulässige Lautstärke überschritten - allerdings wegen Verschleiß. Die Fahrerin muss das beheben lassen. 

Verkehrskontrolle

Gießen: Polizei kontrolliert Tuner und Poser - Auch mehrere Strafanzeigen

  • vonLena Karber
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Bei einer Verkehrskontrolle der Arbeitsgruppe "Drifter" in Grünberg, Lollar und Gießen wurden bei zahlreichen Fahrzeugen Mängel entdeckt. Dreimal wurde Strafanzeige gestellt.

Wie ein "Tuner" wirkte die junge Frau nicht, die am Donnerstagvormittag von der Polizei im wahrsten Sinne des Wortes aus dem Verkehr gezogen wurde. Doch ein Blick unter die Motorhaube ihres in die Jahre gekommenen Golfs zeigte schnell, dass die Experten den richtigen Riecher gehabt hatten: Ein mit Kabelbinder fixierter Sportfilter, der wohl vor allem den Sound des Fahrzugs verändern sollte, sowie ein Rennchip zur Leistungssteigerung waren ohne Zulassung eingebaut worden.

Um derartigen Verkehrsdelikten besser entgegenwirken zu können, wurde bei der Polizei im vergangenen Jahr die Arbeitsgruppe (AG) "Drifter" gegründet. Da die Experten für die illegale Drifter-, Tuner- und Raser-Szene aber auch in die Arbeit ihrer Dienststellen eingebunden sind, finden nach Auskunft von Pressesprecherin Sabine Richter zwar regelmäßig Kontrollen statt, groß angelegte Kontrolltage wie gestern am Gallusmarktplatz in Grünberg, am Ortseingang von Lollar in Höhe des Kreisels sowie in der Westanlage in Gießen sind eher selten.

Im Laufe des Tages kontrollierten fünf Experten der AG mit Unterstützung von etwa 15 Personen der Bereitschaftspolizei Lich dabei insgesamt 47 Fahrzeuge. 15 Mal erlosch wegen nicht zugelassener Rad-Reifen-Kombinationen oder illegaler Tuning-Änderungen die Betriebserlaubnis. Dreimal wurde gar Strafanzeige erlassen: Einmal wegen Fahrens unter Drogeneinfluss und gleich doppelt wegen Fahrens ohne Führerschein - hier hat auch der Fahrzeugbesitzer Konsequenzen zu befürchten. Die junge Frau mit dem Golf gab indes an, weder den Sportfilter noch den Rennchip eingebaut zu haben. Das Auto, das sie nach eigenen Angaben vor wenigen Monaten privat gekauft hat, wurde jedoch von der Polizei sichergestellt, um es dem TÜV vorzuführen. Die Frau wird das illegale Tuning sicherlich mehrere hundert Euro kosten, schätzen die Beamten, denn: "Unwissen schützt vor Strafe nicht."

Hauptkommissar Thorsten Mohr hält Kontrollaktionen gerade aus diesem Grund für zielführend. Nicht nur, dass der Erziehungseffekt größer sei als bei einem Bußgeldbescheid per Post - es gehe auch darum, mit den Fahrern zu sprechen und ihnen zu erklären, was erlaubt ist und was nicht, sagt er. Und Oberkommissar Michael Schramm, der gelernter KFZ-Elektriker mit Meisterbrief sowie Sachkundigenbescheinigung ist, fügt an, dass in Tuning-Foren im Internet leider viel "gefährliches Halbwissen" zu finden sei.

Wer sein Auto aufpeppen möchte, der findet online dutzende von Angeboten. Viele davon sind in Deutschland oder in der EU jedoch gar nicht zugelassen. Das fängt bei Auspuffanlagen, Rückleuchten und Felgen an und hört bei unzertifizierten Folien auf.

Gleichzeitig sind im Vergleich zu den 1990er Jahren die Möglichkeiten des legalen Tunings und die Auswahlmöglichkeiten jedoch stark gestiegen, meint Oberkommissar Christian Schindele. Wichtig ist es, das betonen die Experten der AG immer wieder, nicht alle Tuner und Poser in einen Topf zu werfen, denn es gibt auch Tuner, die sich legal verhalten - und große Unterschiede innerhalb der Szene. "In Lollar oder Staufenberg fahren die schön mit ihrem Auto vor die Tankstelle oder die Eisdiele und dann wieder zurück", sagt Schindele über die typischen Poser. Im Bereich Hungen hingegen sei Drifting ein Problem, was auf den Straßen zu Lärm und schwarzen Streifen auf der Fahrbahn führe. Die Täter zu kriegen, die eher nachts unterwegs sind, sei jedoch schwierig. Hier sei man auf Hinweise aus der Bevölkerung angewiesen.

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