Nicht in Zeiten von Corona: Die Gewerbeschau in Laubach ist abgesagt worden. FOTO: ARCHIV
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Nicht in Zeiten von Corona: Die Gewerbeschau in Laubach ist abgesagt worden. FOTO: ARCHIV

Corona-Krise

Fragezeichen auch hinter Kirmes & Co.

  • Thomas Brückner
    vonThomas Brückner
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Die Gartenmesse "Villa Cotta", die Gewerbeschau und auch der Frühlingsmarkt in Laubach sind abgesagt worden. Die Corona-Krise aber trifft nicht nur Veranstalter von Großveranstaltungen.

Die Corona-Krise zieht immer weitere Kreise, weitere Veranstaltungen sind gestern abgesagt worden. Doch nicht nur solche, für die Wiesbaden per "Allgemeinverfügung" ein Verbot erlassen hat, da erwartete Gesamtbesucherzahl die Grenze von 1000 übersteigt: Zu den jüngsten Beispielen zählen die Garten- und Landhaustage "La Villa Cotta" (24. bis 26. April) sowie die Gewerbeschau Laubach (21. und 22. März).

Auch Kirmesveranstalter und Private müssen sich fragen: Lohnt sich das?

Zunehmend reagieren Ausrichter überdies auf eine erwartbare Zurückhaltung des Publikums, die ein Minus in der Kasse befürchten lässt. Und canceln von sich aus kleinere Veranstaltungen unter besagter Grenze, wofür die Behörden bisher kein Verbot erlassen, nur Empfehlungen herausgegeben haben. Eigenverantwortung ist da gefragt.

Gefragt sind in diesen Tagen nicht zuletzt die Ordnungsämter der Kommunen, an die sich etwa Vereine, Burschenschaften oder private Veranstalter wenden. Gerhard Schildwächter, Leiter des Sachgebiets bei der Stadt Grünberg, ist seit Wochenmitte mehr als einmal um Rat gebeten worden. Etwa von der Burschenschaft Harbach, die Ende April die Kirmes ausrichten möchte, dabei wohl auch die 1000-Besucher-Grenze hätte einhalten können.

"Wir können formalrechtlich nur städtische, aber keine (kleineren) privaten Veranstaltungen untersagen", schickt Schildwächter voraus. Und verweist auf § 28 Infektionsschutzgesetz, wonach per se die Zuständigkeit beim Kreisgesundheitsamt liege.

Von daher beschränkt sich der Rat des Ordnungsamtes auf Empfehlungen. Schildwächter verweist hier stets auf die vom Robert-Koch-Institut formulierten "Hilfskriterien", wozu unter anderem Aspekte wie Belüftung der Räume oder der Anteil von Risikogruppen gehörten. Mit Hinweis auf die Anfrage der Ausrichter der Harbacher Kirmes sowie eines Rockkonzertes in einer Gaststätte in Grünberg schloss der Amtsleiter mit einer rhetorischen Frage: Auch kleinere Veranstaltungen würden gewiss schwach besucht sein, ob man da neben dem gesundheitlichen auch das finanzielle Risiko eingehen sollte?

Ganz klar im Vordergrund stand beim Gewerbeverein Laubach natürlich die Gesundheit, als der Vorstand am gestrigen Freitagmorgen zusammentrat und die Absage der Gewerbeschau am dritten Märzwochenende beschloss.

Wenig später bereits poppte auf der Website des Vereins diese Meldung auf: "Aufgrund der aktuellen Situation sind wir leider gezwungen, die 44. Laubacher Gewerbeschau abzusagen." Dass man damit einer Empfehlung des Kreisgesundheitsamtes entsprochen habe, das sich tags zuvor telefonisch gemeldet habe, merkte Gewerbevereinsvorsitzende Kirsten Repp auf GAZ-Anfrage an.

Und ebenso, dass der Verein selbstverständlich die Standgelder zurückerstatte und seinerseits auf die Rücküberweisung der Hallenmiete durch die Stadt hoffe. Repp zufolge plant man übrigens jetzt eine virtuelle Messe, abrufbar über die neue Laubach-App.

Nicht nur die rund 60 Aussteller, meist Unternehmen aus Laubach, sind von der Absage betroffen. Hinzu kommen rund eine Handvoll Referenten, die an beiden Tagen zu Themen wie "Endoprothetik an Hüfte und Knie", "Klimaschonend heizen" informieren wollten - oder zum Thema "Antivirus war gestern".

Schlag ins Kontor für Marktbeschicker

Neben der Gewerbeschau mit der "Helwig-Kirmes" fällt auch der seit bald 50 Jahren zeitgleich veranstaltete Frühlingsmarkt aus. "Ein Schlag ins Kontor", kommentierte Hans-Jürgen Braunsdorff, Betriebsleiter des Landesverbandes für Markthandel und Schausteller Hessen e.V., die mit dem städtischen Ordnungsamt abgesprochene Entscheidung. Womit er die wirtschaftlichen Folgen für die 60 bis 80 Beschicker ansprach, auf die - wie viele andere Branchen auch - schwere Zeiten zukommen dürften. Aber, so der Veranstalter des Marktes in Laubach: "Gesundheit geht vor. Was, wenn etwas passiert? Den Schuh will sich zu Recht keiner anziehen."

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