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Forschungsprojekt im Brunnental

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Von: Thomas Brückner

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Grünberg (tb). Eine Betonwand am Wegesrand, Maschinenlärm, Spuren im durchnässten Geläuf: Nicht für jedermann dürfte daraus ersichtlich werden, dass im Brunnental gerade die neue Wasserrahmenrichtlinie umgesetzt wird. Zumal die Arbeiten weitgehend im Untergrund erfolgen, auf halber Strecke eines 196 Meter langen, 3,7 Meter breiten und 3,1 Meter hohen Stauraums.

1977 war der als Regenentlastungsanlage nördlich der Alsfelder Brücke in die Erde »gepflanzt« worden.

An seinem Auslass lässt der Abwasserverband Lauter/Wetter einen vertikalen Rechen mit integrierter Stauklappe einbauen, investiert dafür rund 180 000 Euro (nur die Maschinen). »Wir erfüllen damit zwei Forderungen des Regierungspräsidiums Gießen«, erklärt Verbandsgeschäftsführerin Sabine Bork beim Lokaltermin. Zum einen werde das Volumen der Entlastungsanlage, bisher schon bei knapp 2100 Kubikmetern, durch die Klappe erhöht, wodurch sich die Einleitung von Mischwasser in den Äschersbach wenige Meter unterm Auslass verringere.

Uni Hof begleitet die Maßnahme

Zum zweiten werde mit dem »HSR-Hochleistungsrechen« ein Beitrag zum aktiven Gewässerschutz geleistet. »HSR«, auch das dürfte nicht jeder wissen, steht für Horizontal-Stab-Rechen. Ausgestattet mit einer automatischen Reinigungsvorrichtung, bildet sich vor diesem ein sogenannter Filterkuchen, der auch kleinste Plastikteilchen aus dem Mischwasser zu entfernen verspricht. Ganz abgesehen davon, dass aufgrund eines Stababstandes von nur vier Millimetern größere Teile künftig eh nicht mehr in Richtung Äschersbach abgeschlagen werden (bisher gab es nur ein Schutzgitter mit vier Zentimetern Stababstand).

Der Stauraum in der Größe eines kleineren Tunnels ist sozusagen Zwischenziel für die aus Grünbergs Altstadt, dem Gewerbegebiet »Temperwiesen« und auch noch aus Lehnheim kommenden Kanäle. So wundert es nicht, dass bisher bis zu 40-mal im Jahr der Mix aus Regen- und häuslichem Abwasser über die Schwelle trat.

Gerade bei Starkregen - künftig aufgrund des Klimawandels noch häufiger zu erwarten - kam es denn auch zu Beschwerden, wie Bürgermeister Frank Ide ergänzte.

Denn nicht nur Schwebstoffe, sondern auch Toilettenpapier und andere unappetitliche Artikel fanden dann den Weg in den Äschersbach, verschmutzen das Gewässer und schwammen fröhlich Richtung Queckborn - kein schöner Anblick in dem bei Spaziergängern beliebten Brunnental.

Zum Hintergrund: Ziel dieser Maßnahme ist eine verbesserte Güte der Fließgewässer. Gemäß der Novelle der Wasserrahmenrichtlinie aus 2017 nehmen die Behörden auch Entlastungsanlagen stärker in den Fokus. Am Stauraum im Brunnental wird künftig gemessen, wie viel (ungereinigtes) Mischwasser in den Bach gelangt. Dazu Bork: »Durch die seltene Geometrie des Stauraums mit seiner mittenliegenden Entlastung konnten wir das Interesse der Wissenschaft wecken.« Die Hochschule Hof werde daher das Projekt begleiten. Sei es doch für die Wasserwirtschaft interessant, ob die Filterwirkung, bei Standardanlagen lange erprobt, auch bei dieser Sonderform funktioniert. Mitarbeiter der Hochschule werden die Menge des abgeschlagenen Mischwasser erfassen und dokumentieren. Geldwerter Vorteil für den Verband; Die Messtechnik wird gefördert, kommt daher den Verbandsgemeinden günstiger.

»Wir bauen mit Verstand«, reklamierte die Verbandschefin am Ende. Und verwies dazu auf Angebote von Firmen, wonach man für die vom Land geforderte Maßnahme auch Anlagen für 570 000 Euro hätte ordern können.

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