+
Kantorin Ulrike Sgodda-Theiß spielt das Jubiläumskonzert auf der Stadtkirchenorgel.

Festkonzert zum Orgelgeburtstag

  • schließen

Grünberg (ghe). Mit einem festlichen Konzert feierte die Grünberger Kirchengemeinde am Samstagabend in der gut besetzten Stadtkirche den 50. Geburtstag ihrer Orgel. Kantorin Ulrike Sgodda-Theiß machte den angekündigten Streifzug durch die Orgelliteratur zu einem eindrucksvollen Erlebnis. Nach der Begrüßung durch Dekan Norbert Heide stellte sie die Werke und die einzelnen Komponisten kurz vor.

Sie eröffnete das Programm mit dem Te Deum von Max Reger (1873-1916), einem großen Verehrer Johann Sebastian Bachs. Aufwühlend und zugleich voll Demut erklang das stille Gebet dieses alten Lobgesanges im gregorianischen Stil. Zart und liebevoll klang das Gebet an die Jungfrau Maria, "Prière à Notre Dame" von Léon Boellmann (1862-1897). Welch ein Kontrast nun wieder die darauffolgende "Toccata": Hier waren Hände und Füße der Organistin gefordert. César Franck (1822-1890), der wohl größte französische Orgelkomponist seiner Zeit, tröstete mit der "Prélude, Fugue et Variation h-Moll", einer wiegenliedartigen Melodie.

Unbestrittener Höhepunkt des Konzertes war Franz Liszts (1811-1886) "Präludium und Fuge über den Namen B-A-C- H"- voll ungarischem Temperament, aufregend und mächtig. Spannung aufbauende Passagen wechselten ab mit eindringlichen, schweren Akkorden; man meinte die Wucht der Musik nicht nur zu hören, sondern zu spüren.

Die geradezu artistische Bearbeitung von Tasten und Pedalen konnte man nur ahnen. Liszt war einer der größten Virtuosen des 19. Jahrhunderts, der, wie es heißt, "ein ganzes Orchester in zwei Arme und zwei Beine" zwang. Chopin schrieb ihm einst: "Sie sind dafür bestimmt, Konzerte zu geben, denn wenn Sie das Publikum nicht gewinnen, haben Sie die Fähigkeit, es zu überwältigen."

Der bekannte Choral "Wachet auf, ruft uns die Stimme" von Johann Sebastian Bach (1685-1750) ließ die Orgel zum Lobe Gottes erklingen, vertraut und gefällig. Wenig bekannt dagegen idzm das "Präludium Des" von Otto Besch (1885-1966), einem bedeutenden ostpreußischen Komponisten aus Königsberg, der nach der Flucht 1945 unter anderem Musikkritiker des NDR in Hamburg war. Das Werk, das er bereits 1934 schrieb, wurde erst 2011 veröffentlicht. Besch, übrigens Pfarrer und ein Meisterschüler von Engelbert Humperdinck, sagte dazu: "Meine Musik ist ohne den Zauber der ostpreußischen Landschaft nicht denkbar; ihr verdankt sie ihren Ursprung, von ihrem Atem ist sie bis in die kleinsten Züge erfüllt."

Dazu passte die Orgelfassung des Ostpreußenliedes "Land der dunklen Wälder", das die Organistin auch als Zugabe noch einmal wiederholte.

Mit dem "Marche Heroique" von Sir Alfred Herbert Brewer (1865-1928), einem bedeutenden Organisten und Komponisten aus Gloucester in England, fand das Geburtstagskonzert seinen Abschluss. Dieser Marsch wurde auch 1979 zur Beerdigung von Lord Mountbatten, dem Onkel von Prinz Charles, in der Westminster Abbey gespielt.

Mit lang anhaltendem Beifall und stehenden Ovationen zollte man Ulrike Sgodda-Theiß die verdiente Hochachtung für ihre großartige Leistung. (Foto: ghe)

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare