Grünberg Folk

Festivalauftakt nach Maß in Grünberg

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Einen prächtigen Auftakt verschaffte das Lulo Reinhardt Swing Project dem Grünberger Folk-Festival. Rund 400 Zuhörer kamen zum Konzert in die Stadtkirche.

Einen prächtigen Auftakt verschaffte das Lulo Reinhardt Swing Project dem Grünberger Folk-Festival. Die Truppe des Spitzengitarristen erwies sich am Freitagabend vor nahezu 400 Zuhörern in der Stadtkirche als Ensemble exzellenter musikalischer Fähigkeiten und einer zauberhaften Vielfalt der Stile und Genres. Das Publikum war durchweg hingerissen. Zuletzt stand Reinhardt (*1961) hier beim Grünberg Folk 2013 auf der Bühne. In der Region ist er überdies kein Unbekannter, er hatte diverse Auftritte auf dem Kirchberg in Lollar, im Licher Kino, im Gießener Ulenspiegel und bei den Botanischen Konzerten. Nur dass er dort zumeist in kleiner Besetzung erschien – und stets Riesenerfolge feierte.

Mediterraner Funk-Groove

Am Freitag zum Eröffnungskonzert stand er mit seiner kompletten Band auf der Bühne: Winfried Schuld (Keyboards), Daniel Weltinger (Violine), Harald Becher (Kontrabass), Jürgen Schuld (Perkussion) und Uli Krämer-Ragusi (Perkussion). Als Schmankerl trat die junge australische Jazzsängerin Tiana Young in die Mitte der Profis. Sie lieferte einige tadellos und vor allem rund und ausdrucksvoll interpretierte Jazz-Standards ("I love Paris") ab und erwies sich als Riesentalent – das fanden auch die Zuhörer in Grünberg. Von Anfang an beeindruckte die Band durch ihre überragende Geschlossenheit.

Unterstützt durch eine sehr transparente Abmischung ließen sich so die mannigfaltigen Facetten des Repertoires bestens wahrnehmen; beleuchtet wurde mit professionellem weißem Licht. Die Stimmung war sofort im optimalen Bereich. Der Opener "Cuban Flair" riss die Zuhörer mit einem überzeugenden mediterranen Funk-Groove mit, man wähnte sich in den Straßen des Inselstaats. Eis war bei den hochsommerlichen Temperaturen keins zu brechen, aber man spürte eine angenehme Verheißung: da war einiges zu erwarten. Beim besinnlich bluesigen "Sugar to my soul" zeigte Reinhardt eine andere, ruhige Seite, der es an Tiefe des Gefühls in nichts mangelte. Die ganze Stärke der Band klärte sich erstmals bei "Hôtel de Paris". Nach einer fast besinnlichen, ungemein melodiösen Eröffnung zog das Tempo an, und Gitarre und Geige spielten einige bestechende Unisono-Parts – ein Element, das noch öfter vorkam. Und natürlich wurde vorzüglich mit einer französischen Schlussnote geendet. Der Beifall war schon da enorm, die Zuhörer vibrierten sichtbar im Takt der Musik.

Umwerfend vielfarbiges Repertoire

Das Markenzeichen der Band, die mühelose, leichtfüßige Vielfalt und Integration von Gypsy, Swing, Latin, Blues und anderen Genres zeigte sich auch beim famosen "Magdalena", in dem Reinhardt die "Reise der Zigeuner von Indien nach Ägypten" erzählt. Anfangs im indischen Duktus, wechselte das Geschehen in einen hinreißend melodischen, zauberhaft orientalischen Fluss – eine wunderbare Reise durch die Kulturen, eine Art superlebendiger Weltmusik.

Reinhardt, ein exzellenter Solist, agierte hier zurückhaltend mit konsequenter Werkdienlichkeit und präsentierte ein umwerfend vielfarbiges Repertoire, wobei er sich auf ausnahmslos kongeniale Beiträge seiner herausragenden Musiker verlassen konnte. Ein Musikerlebnis von famoser Leichtigkeit auf höchstem inhaltlichen und handwerklichen Niveau – Reinhardt und die Seinen durften erst nach knapp drei Stunden gehen.

Ein toller Festivalauftakt.

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