Am Spinnrad verfolgen die Besucher die Weiterverarbeitung der Schafwolle und begutachten fertige Produkte. FOTO: FP
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Am Spinnrad verfolgen die Besucher die Weiterverarbeitung der Schafwolle und begutachten fertige Produkte. FOTO: FP

Vom Experiment zum Dauerbrenner

  • vonHans-Joachim Losert
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Grünberg(fp). Was passiert mit der Milch, nachdem sie die Schafe verlassen hat? Sie wird im Käsekessel für 30 Minuten über 60 Grad erhitzt, um alle Bakterien auszuschalten, die später nicht im Käse sein sollen. Zahlreiche Informationen rund um die Herstellung von Schafskäse und zum Hofleben erhielten die zahlreichen Besucher am Sonntag beim Hoffest der Klein-Eichener Hofkäserei.

Die Inhaber Birgit Aue und Udo Senczkowski und ihr Team standen Rede und Antwort, gaben an einzelnen Stationen Erklärungen, verkauften ihre Produkte oder luden ein, bei praktischen Vorführungen wie dem Spinnen der Wolle zuzuschauen. Natürlich war für das leibliche Wohl der Besucher gesorgt, die Abstandsregeln wurden eingehalten und da, wo es nötig war, bestand Maskenpflicht. Aus hygienischen Gründen musste in diesem Jahr auf die Besichtigung der Käsereiräume verzichtet werden.

2008 erwarben Aue und Senczkowski den Hof in Klein-Eichen. Nach Planung und Umbau 2015 und 2016 machten die Biologin und der Ingenieur ihr Hobby und ihre Leidenschaft zum Haupterwerb, gaben ihre Berufe vollständig auf und widmen sich seit drei Jahren der Käseherstellung. Das nötige Fachwissen eigneten sich beide in Kursen an und probierten selbst viel aus, berichtet Birgit Aue.

Die Schafmilch werde von keiner Molkerei angenommen, so Aue weiter. Sie muss selbst verarbeitet werden. Nach der Pasteurisierung folgen das Säuern, Einlaben und Schneiden. Nach dem Abfüllen, Abtropfen und Salzen kommen die Milchprodukte in das "Goldlager" des Hofes, den Reiferaum. Dort können sie in Ruhe den Veredlungsprozessen nachgehen. Schafmilch habe einen höheren Fett- und Eiweißgehalt, erklärt Aue. Die abgegebene Literzahl im Vergleich zu Kühen sei geringer, aber der Käsenutzen höher.

Zu den Angeboten gehören Frisch- oder Schnittkäse aus Schafmilch. Dazu zählen auch Produkte mit außergewöhnlichen Namen wie das "bissige Schaf", ein cremiger Weich- käse mit kräftig-würzigem Geschmack. Ein Beispiel dafür, wie aus einem Experiment ein Dauerbrenner wurde, ist das "rauchige Schaf", ebenfalls ein Weichkäse mit feiner Rauchnote. Zu den weiteren Waren gehören ein Schnittkäse aus reiner Ziegenmilch oder die Schafmilchseife.

Regionale Produkte gefragt

Weitere reich bebilderte Informationen gab es etwa zu den Themen Schafschur und Weiterverarbeitung der Wolle wie auch zum Freiwilligen Ökologischen Jahr, das auf dem Hof möglich ist. Mit einem Stand klärte der Bioland-Verband auf.

Verkauft wird auf dem Hof am Freitagnachmittag von 16.30 bis 18 Uhr, der Hofladen mit erweiterten Öffnungszeiten ist derzeit im Aufbau. Wie Birgit Aue weiter berichtet, ist man auf den Märkten in Gießen, Fulda und Bad Homburg vertreten. Auch auf weiteren regionalen Festmärkten boten die Betreiber ihre Produkte an. Hier beeinflusst die Corona-Pandemie diesen Erwerbszweig, denn diese Handelsplätze wurden reihenweise abgesagt. Doch Birgit Aue hat einen erhöhten Zuspruch auf den Wochenmärkten verzeichnet, sagt sie. Das Interesse an regionalen Produkten und gesunden Lebensmitteln sei gestiegen.

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