Geerntet, solange überhaupt noch was dafür zu kriegen ist: Fichtenbestand unweit der TKS.
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Geerntet, solange überhaupt noch was dafür zu kriegen ist: Fichtenbestand unweit der TKS.

Ernüchterung im Stadtwald

  • Thomas Brückner
    vonThomas Brückner
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Grünberg(tb). Gut 800 Hektar misst Grünbergs Stadtwald. Ein stattliches Vermögen, das über viele Generationen hinweg gepflegt worden ist - ganz den Grundsätzen der Nachhaltigkeit folgend, 1713 erstmals formuliert vom sächsischen Oberberghauptmann Carlowitz. Nur: Das Bewahren des Erbes überfordert zusehends die Nachgeborenen. Ernüchternder Fakt: Seit drei Jahren ist Grünbergs Waldwirtschaftsplan im Minus, fürs neue Jahr wird ein erhöhtes Defizit von 121 000 Euro erwartet, gerade mal 153 000 Euro soll der Holzverkauf bringen. Sicher aber ist nicht mal das.

Wiederbewaldung kommt teuer

Wenigstens gibt es ein wenig Hoffnung, es werde am Ende nicht ganz so schlimm kommen. So sieht es Ralf Jäkel, Leiter des Forstamtes Wettenberg, welches den Grünberger Wald managt. Er verweist dazu auf Signale, wonach Wiesbaden im Rahmen eines Corona-Hilfspakets die Beförsterungskosten - bis dato sind dafür allein 60 000 Euro eingeplant - deutlich senken werde. Bestenfalls würde das Land auch noch Maßnahmen der Verkehrssicherung vergüten.

All das freilich ist offen. Fest stehen dagegen die Nachwirkungen der Kalamitäten der letzten drei Jahre durch Dürre und Käferbefall, die die Waldwirtschaft prägen. Die Folgen für Grünbergs Forst erläuterten soeben Jäkel sowie Revierförster Hannes Wollmerstädt dem Fachausschuss des Stadtparlaments.

Jäkel verwies zunächst auf einen erhöhten Aufwand beim Unternehmereinsatz. Nicht zuletzt benötigt, da im Sinne der Nachhaltigkeit mehr Geld in die Wiederbewaldung fließen muss. "Da wird einem schwindelig", meinte der Amtschef mit Blick auf die Kosten allein in den nächsten sechs Jahren.

Damit nicht genug: Als "angespannt" beschrieb Jäkel die Lage auf dem Holzmarkt. Was nichts anderes heißt, als dass hier fast "keine Mark" mehr zu machen ist. Gilt vor allem für die von der Dürre besonders stark geschädigte Fichte: Um die überhaupt noch loszubekommen, weist der Waldwirtschaftsplan den Einschlag von 9000 Festmetern aus. Zwei Drittel davon, Totholz, wurden im Vorgriff bereits heuer gefällt. Was "angespannt" konkret heißt: In guten Jahren pendelte der Deckungsbeitrag um die 50 Euro je Festmeter, jetzt sind es gerade noch fünf Euro. Auch in Grünberg wird der einstige Brotbaum heimischer Forstbetriebe dem Klimawandel weichen. 2012 waren noch 210 Hektar mit Fichte bestockt. Allein in den letzten drei Jahren sind Jäkel zufolge rund 50 Hektar vertrocknet und/oder geschlagen worden. Ehedem 40 Prozent des gesamten Holzvorrats, seien es jetzt gerade noch die Hälfte.

Also gilt es zu entscheiden, was auf den Kahlflächen gepflanzt werden soll: schnell wachsende, dem Klimawandel besser angepasste Nadelhölzer, die schnellere Einnahmen generieren, oder Laubbäume.

Für die Neugründung von Kulturen, vorgesehen ist dafür eine Fläche von zehn Hektar, sind 44 000 Euro für Pflanzen und Verbrauchsmittel eingestellt. Dass dies mit möglichst wenig Fremdpersonal erfolgen solle, fügte Wollmerstädt an. "Wir sparen, wo es nur geht."

Zur Buche, zweite Haupt-baumart im Stadtwald, die längst auch unter der Trockenheit leidet: 200 bis 300 Festmeter sollen geerntet werden. Hinzukommen 400 Festmeter aus der Durchforstung junger Bestände, darunter Edellaubhölzer wie Eiche und Ahorn. "Zum Glück wird wieder mehr Klopapier produziert", meinte da der Revierförster mit einem Schmunzeln. FOTO: TB

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