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Rewe-Leiter Bernd Messerschmidt. FOTO: PM

"Am Ende aber bleibt das gute Gefühl..."

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Grünberg(tb). Seit Montag heißt es auch in Hessen: "Masken auf beim Einkauf!" Wie gehen insbesondere die Geschäftsführer von stark frequentierten Lebensmittelmärkten mit der neuen Vorgabe zur Eindämmung der Pandemie um? Antworten aus Händlersicht von Bernd Messerschmidt, Inhaber des Rewe-Marktes in Grünberg.

Die Maskenpflicht macht auch den Geschäftsführer eines Lebensmittelmarktes zum Krisenmanager. Wie sind sie damit umgegangen?

Als ich letzten Dienstag erfuhr, dass ab Montag die Maskenpflicht gilt, war ich erst mal geschockt. Neben Einlassbeschränkungen, Abstandsbestimmungen, strengen Hygienevorschriften die nächste Herausforderung, die wir neben dem Tagesgeschäft bewältigen müssen. In jedem Fall galt es zu verhindern, dass ein Kunde weggeschickt werden muss, weil er über keine Maske verfügt. Bis dato hatten ja nur maximal 30 Prozent unserer Kunden beim Einkaufen eine Maske auf. Also wurde die Wochenplanung wieder mal über den Haufen geworfen. Zwei Tage lang beschäftigten wir uns ausschließlich mit der Beschaffung von Masken.

Wie sind Sie an die erforderliche Zahl an Masken gelangt, um sie bei Bedarf Kunden zum Kauf anbieten zu können?

Teilweise konnte ich Masken von Kollegen bekommen, teilweise kaufte ich sie direkt bei Handelsagenturen im Rhein/Main-Gebiet. Am Donnerstagabend vor Einführung der Maskenpflicht konnten wir schließlich verkünden, dass wir verschiedene Masken ab sofort im Verkauf haben.

Wie ist die Nachfrage?

Das Angebot wird sehr gut angenommen. Da unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Verkauf bereits vor der Maskenpflicht mit Mundschutz gearbeitet haben, waren wir zuvor schon des Öfteren von Kunden angesprochen worden, ob wir diese nicht auch verkaufen könnten. Mit der Verkündung der Anordnung verstärkt sich das um ein Vielfaches.

Hier und da hört man von Klagen über den Preis der Masken...

....das kennen auch wir. Manche Kunden fragen, warum die Einmalmasken denn so teuer seien. "Das waren doch mal Cent-Artikel…" Ja, auch ich kann mich daran noch sehr gut erinnern, aber inzwischen sind die Preise explodiert - und damit auch der Einkaufspreis, zu dem wir die Waren kurzfristig beziehen konnten.

Zieht der Kunde auch Vergleiche mit dem Internet?

Kaum. Im Übrigen entsprechen unsere Verkaufspreise denen der meisten Online-Händler. Und sollte mal ein Anbieter viel günstigere Preise ausloben, so kann die Ware meist erst in zwei bis vier Wochen geliefert werden. Aber das hilft ja aktuell nicht weiter. Die Menschen brauchen jetzt Masken. Also bin ich Risiko gegangen. Wohlwissend, dass vielleicht demnächst günstigere Angebote von großen Ketten kommen werden, da diese sicher Millionenaufträge nach China vergeben werden. Ich konnte mir aussuchen, ob ich lieber nichts mache und gegebenenfalls Kunden wegschicke - oder als Problemlöser fungiere. Ich habe mich für Letzteres entschieden.

Aber bleibt denn am Ende nichts hängen?

Uns geht es nicht darum, mit dem Verkauf der Masken Geld zu verdienen. Im Gegenteil: Bei den Einkaufspreisen und dem ganzen Aufwand verdienen wir am Ende keinen Cent daran. Aber es bleibt das gute Gefühl, keinen wegschicken zu müssen und die Einhaltung der Maskenpflicht in der Region zu unterstützen. Wie es sich gezeigt hat, waren wir am Montag der einzige Lebensmittelhändler in Grünberg, der bereits Masken zum Verkauf angeboten hat.

Mussten Ihre Mitarbeiter mit Käufern über Sinn und Zweck der Masken diskutieren?

Unsere Kunden waren sehr gut vorbereitet und verständnisvoll. Diskussionen über die Sinnhaftigkeit der Anordnung gab es nicht. In meinen beiden Geschäften (neben Grünberg besitzt Messerschmidt einen Markt in Kirchheim, Anm. d. Red.) hatten wir am ersten Tag rund 100 Kunden, die unvorbereitet einkaufen kommen wollten. Diesen haben wir am Eingang eine Einmalmaske für 1 Euro angeboten, was gerne angenommen wurde. Im Markt konnte man dann für weitere Besuche in Geschäften oder Fahrten im ÖPNV Einweg- oder Mehrwegmasken käuflich erwerben.

Stichwort Diebstahlschutz: Was ist, wenn ein Kunde mit Maske und Sonnenbrille in den Laden kommt?

Wir hatten zwar schon einige kuriose Varianten in Sachen Mund-Nasen-Bedeckung, aber es war niemand so vermummt, dass wir Bedenken haben mussten. Wir werden das aber wie alles andere beobachten und sofern nötig reagieren.

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