+
Eines der Werke von Annemarie Gottfried, die in Grünberg zu sehen sind.

Einzigartige Kunst aus Papier

  • schließen

Grünberg (dis). Für Hans Gottlob Rühle war es ein ganz besonderer Tag. In der Hospitalkirche in Grünberg führte der Direktor des Arbeitsgerichts Marburg a. D. in eine Ausstellung ein, die ihm sehr am Herzen liegt. Es geht um Papierskulpturen, geschaffen von der Künstlerin Annemarie Gottfried. Bereits vor einem Jahrzehnt hatte Rühle eine Ausstellung von ihr in Marburg eröffnet. Und nun also in Grünberg. Rühle sagte, er sei beeindruckt, mit welcher Schaffenskraft die hochbetagte Künstlerin - sie ist immerhin weit jenseits der 90 - auch heute noch ausgestattet ist.

Gottfried wurde 1924 in Bad Schwalbach geboren und wuchs in Biedenkopf und Pforzheim auf. Ihre künstlerische Ausbildung erhielt sie durch den Maler und Grafiker Friedrich Meyer-Brandtan der Akademie für Bildende Kunst in Düsseldorf. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges gründete sie ein Atelier für Werbepuppen und Kostümfigurinen. Im Jahr 1970 erwarb sie den 300 Jahre alten Schartenhof in Eckelshausen. Dieses hessische Fachwerkgehöft wurde von ihr zum Zentrum für Bildende Kunst, Theater, Literatur und Musik ausgebaut.

Als freischaffende Künstlerin begann sie besonders ab 1988 mit der Gestaltung von Papierskulpturen in allen Größen aus Papierabfällen einer Druckerei. Damit schaffe sie etwas Einmaliges, betonte Rühle. Ihr "Troubadour" war das Modell für eine große Kupferskulptur, die vor dem Rathaus in Biedenkopf aufgestellt wurde. Sie setze immer wieder neue Themen um, doch ihre Kunstwerke seien nur zum Anschauen und nicht zum Anfassen da. Sie leiste mit ihren Werken einen Beitrag zur Wiederentstehung der Schönheit in der Kunst. Denn es gebe auch eine andere Art von Kunst, mit der man provozieren kann. Rühle zitierte am Ende seiner Ausführungen einen Satz des Schriftstellers Gabriele d’Annunzio: "Vorrüber, vorbei, wie ein Traum war mein Leben, ist es immer noch, nicht mehr hängt ihm meine Sehnsucht nach, ich will weiter, immer weiter".

Papier wird zum Leben erweckt

Gottfried hat die dreidimensionale Welt des Papiers entdeckt. Ihre künstlerischen Arbeiten sind Darstellungen realer Szenen, mit denen sie die faszinierende Vielfältigkeit des Papiers als kreativen Werkstoff abbildet. Ob geschnitten gefalzt, gebogen, gerissen oder geklebt, Papier, Karton und Tapete als leeres weißes oder farbiges Medium erfahren eine Wandlung zur figürlichen Darstellung. Die Beschaffenheit und die Flexibilität des Papiers inspiriert Gottfried zur plastischen Darstellung. Ihre Papierskulpturen sind dynamisch, ästhetisch und voller Magie. Papier wird zum Leben erweckt, Papierkunst eröffnet eine filigrane Welt des Lichtes und des Schattens.

Unter den mehr als 30 im Museum im Spital Grünberg gezeigten Papierskulpturen sind sieben Werke mit Figuren aus der Welt der italienischen Oper, die von Gottfried erst im Frühjahr 2019 geschaffen wurden. Andere Arbeiten entführen in die Welt des Zirkus, in vergangene Zeiten und in die Natur. In der Ausstellung werden zudem drei großformatige Aufnahmen von Gottfrieds Tochter, der Fotografin Annemarie Zürcher, gezeigt.

Gottfried bedankte sich am Ende der Eröffnung der Sonderaustellung für die freundliche Aufnahme und Unterstützung in Grünberg. Sie lobte das große Engagement der Verantwortlichen. Mit dem Museum im Spital habe man einen Ort geschaffen, in dem sich Kunst und Geschichte in hervorragender Art und Weise begegneten, sagte Gottfried.

Die Ausstellung kann bis zum 3. November 2019 während den Öffnungszeiten des Museums besucht werden.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare