Im Einsatz für die gute Sache

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Grünberg(bf). Bettina Wege-Lemp, Leiterin der Tafel Grünberg, zeigt sich beeindruckt: "Nach dreimaligem Rechnen stand fest: 5250 Stunden haben sich die Ehrenamtlichen in diesem Jahr in der Tafel engagiert." Die Einrichtung unterm Dach der Diakonie ist organisiert wie ein kleines Unternehmen, arbeitet mit festgelegten Schichten. In der Früh startet das Kühlfahrzeug, um Lebensmittel in den Geschäften einzusammeln. Im Tafelladen sehen Frauen die Waren durch, sortieren sie, die nächste Schicht verteilt alles in die Körbe für die Abholer. Am Nachmittag öffnet der Laden, dafür sind wieder zwei Verantwortliche im Einsatz. Wenn der letzte Abholer gegangen und alle Boxen ausgewischt sind, endet der Tafeltag. So läuft das an vier Tagen die Woche, an dreien in Grünberg, an einem in Laubach. Hinzu kommen zusätzliche Fahrten am Montag, Dienstag und alle 14 Tage freitags.

Für alle Einsätze gibt es Dienstpläne, die im Blick behalten werden müssen. Sind alle Schichten besetzt? Werden weitere Ehrenamtliche gebraucht, weil jemand ausgeschieden ist? Die Verantwortlichen hierfür führen auch die Neuen in ihre Aufgabe ein. Einmal in der Woche werden die Tafelpläne mit den Abholern aktualisiert. Ist jemand ausgeschieden, jemand hinzugekommen?

"Woche für Woche mehr als 100 Stunden Einsatz im Ehrenamt. 5250 Stunden im Jahr, das ist schon eine tolle Leistung", sagt Wege-Lemp. Dabei höre man heute so oft, die Menschen hätten keine Zeit mehr oder würden diese lieber vorm Fernseher oder im Fitnessstudio verbringen. Die Tafel-Ehrenamtlichen lebten etwas anderes, "sie verschenken 5250 Stunden ihrer Lebenszeit im Einsatz für die gute Sache". Was motiviert sie zu ihrem Einsatz? Auf Nachfrage erhalte man zuallererst diese Antwort: "Mir geht es gut, dafür bin ich dankbar. Deshalb will ich etwas abgeben von meiner Zeit." Die Überzeugung, dass die Tafel etwas Gutes tue, indem Lebensmittel gerettet werden und Menschen geholfen wird, befördere das Engagement, ist Wege-Lemp überzeugt. Bei allen spüre man: "Es ist eine Herzensangelegenheit, anderen zu helfen."

Die Kritik, hier werde Ehrenamt gegen Armutsbekämpfung eingesetzt, die eigentlichen Ursachen für Armut nicht angegangen, kennt auch die Bereichsleiterin der Diakonie. Und entgegnet: "Nein, wir entlassen die Politik nicht aus ihrer Verantwortung. Daseinsfürsorge ist und bleibt staatliche Aufgabe. Gleichzeitig bleibt für uns ebenso unbestritten: Ehrenamtliches Engagement kann staatliches Handeln sinnvoll ergänzen. Wir helfen praktisch und spürbar." Aktuell sei man gespannt, wie sich die Grundrente auswirkt. "Wird sich die Zahl der älteren Menschen verändern? Wir hoffen es sehr."

Die Tafel lebt vom Ehrenamt und ist auch auf Spenden angewiesen. Wie geht das auf Dauer? "Diese Herausforderung bestand vom Beginn der Gründung der Grünberger Tafel 2005", entgegnet Wege-Lemp. Und räumt ein, dass man sich wegen der finanziellen Situation sorge. Doch mache es Mut, dass es in den vergangenen fast 15 Jahren immer Menschen gab, die die Tafel mit ihrer finanziellen Hilfe getragen haben. "Wir bitten auch auf diesem Weg darum und vertrauen darauf, dass wir auch im nächsten Jahr Unterstützung finden."

Kontakt zur Tafel Grünberg:Tel. 0 64 01/22 31 14-13 (direkt), 0 64 01/22 31 140 (Zentrale). E-Mail: tafel@diakonie-gruenberg.de; www.diakonie-gruenberg.de; www.tafel-gruenberg.de.

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