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Düstere Aussichten: Der Klimawandel hat Grünbergs Stadtwald stark geschädigt.

»Die nächsten Jahre werden heiß«

  • Thomas Brückner
    VonThomas Brückner
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Grünberg (tb). Die alte Planung läuft zum Jahresende aus, also braucht es eine neue: Bei Kosten von 46 530 Euro wird Grünberg den Landesbetrieb Hessenforst mit einer neuen Betriebsplanung für seinen Stadtwald beauftragen. Nach der einstimmigen Empfehlung des Bauausschusses am Mittwochabend scheint ein entsprechender Beschluss des Stadtparlaments sicher.

Stadtparlament erhält Mitsprache

Die Grundzüge des Zehn-Jahres-Planes, auch Forsteinrichtung genannt, hatte Ralf Jäkel, Leiter des Forstamtes Wettenberg, erläutert. Ein Aspekt: Auf Basis einer Inventur des 850 Hektar großen Kommunalwaldes wird die Behörde der Stadt empfehlen, mit welchen Arten die Kahlflächen rekultiviert werden sollten.

Wie Jäkel auf Anfrage aus dem Ausschuss bejahte, werde man die Stadtverordneten in die Entscheidungsfindung einbeziehen - ob es nun um Aufforstung oder Gewichtung der Funktionen des Waldes (etwa Wirtschaftsfaktor, Klima- oder Naturschutz) gehe, sei freilich stets die Prämisse fachlicher Umsetzbarkeit zu beachten.

Wer durch den Stadtwald spaziere, sei erschrocken ob der riesigen Wüstungen, meinte Bürgermeister Frank Ide. »Bis der alte Zustand wiederhergestellt ist, wird es Jahrzehnte dauern.« In Hessen Forst sah er hierfür den richtigen Partner.

Revierförster Hannes Wollmerstädt bezifferte auf GAZ-Nachfrage die von Trockenheit und Käferbefall verursachten Kahlflächen auf rund 50 Hektar. Das Schadholz habe man bereits rausgeholt - auf dass »der Käfer nichts mehr zum Fressen hat«, aber auch um einer sachgerechten Wiederaufforstung den Boden zu bereiten. Je nach Standort wird Hessen Forst eine Palette von zehn bis zwölf Arten vorschlagen. Nicht zuletzt, um zu ermitteln, welche Spezies mit den gewandelten klimatischen Bedingungen klarkommt. Neben heimischen Arten wie Weißtanne, Eiche oder Lärche kommen etwa auch Douglasie oder Küstentanne infrage.

Dass dabei auch der Aspekt Wirtschaftlichkeit in die Abwägung eingehen müsse, bat Wollmerstädt zu bedenken. Eichen zum Beispiel rentierten sich erst nach 250 Jahren, Douglasien erlangten bereits nach 80 Jahren Hiebreife.

Die Fichte aber hat in Grünberg, durch die Lage am Vogelsberg noch begünstigt, keine Chance mehr. 100 bis 200 Milliliter weniger Niederschlag, ausgetrocknete Böden und höhere Temperaturen sind laut Wollmerstädt Gründe. Nicht außen vor aber lässt er die Mengen an Grundwasser, die in die Region Rhein/Main gepumpt werden.

Die Kosten der Wiederaufforstung schätzt der Förster auf rund 40 000 Euro per annum. Allerdings dürfe der Forst und mithin die Stadt mit Förderquoten von bis zu 85 Prozent rechnen. Zur ganzen Wahrheit aber gehöre, dass es mit den Pflanzungen nicht getan sei, die Pflege der Kulturen weitere Ausgaben verursache.

Defizit von 120 000 Euro?

Und da zugleich die Einnahmen geringer werden (»Fichten sind alle weg«), dürfte der Wald noch lange ein Zuschussbetrieb bleiben. Wollmerstädt: »Die nächsten Jahre werden heiß.« Nur gut, dass heuer dank der Fördermittel,der Erholung des Marktes, geringerer Ausgaben und »guten Wirtschaftens«, wie der Revierleiter sagte, geplantes Defizit von 120 000 Euro womöglich gar unterschritten werde.

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