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Im Matsch mit der Waldpädagogin: Rita Kotschenreuther (l.) zeigt den Ferienspielkindern die Folgen einer nächtlichen Nahrungssuche von Wildschweinen.

Der Mensch braucht die Natur

  • Thomas Brückner
    VonThomas Brückner
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Grünberg (tb). Warum nehmen Wildschweine gerne ein Schlammbad? Wieso schießen Jäger Rehe tot? Und braucht der Mensch den Wald für den Nachschub an Klopapier? Mehr oder minder existenzielle Fragen prägen an diesem Vormittag die Unterhaltungen 17 kleener Grimmicher. Im Rahmen der Ferienspiele des Kinder- und Jugendbüros haben sie sich für einen Spaziergang im städtischen Forst entschieden.

Warum das Schwein Schlammbäder liebt

Im Laufe der zwei Stunden werden sie nicht nur Antworten auf erwähnte Fragen bekommen - eine Fee von Hessen Forst wird sie auch in Wildschweine verwandeln. Gar nicht faul, werden sie in der Erde nach Eicheln, Bucheckern und Regenwürmern suchen. »Mmh!«

Zum Spaziergang im Forst oberhalb von Lumda empfängt Waldpädagogin Rita Kotschenreuther die aufgeweckte Gruppe. Die wird nach wenigen Metern bereits eine spannende Entdeckung machen: Der Waldboden kommt hier ziemlich zerwühlt daher, eine Rotte Wildschweine hat nach Nahrung gesucht. »Die sind schon lange weg«, beruhigt Kotschenreuther ein etwas verunsichertes Ferienspielkind.

Seit 1993 ist sie im Auftrag des Staatsforstes unterwegs, um Kindern die Natur wieder etwas näherzubringen. Die Grimmicher erfahren von ihr nun, was auf dem Speisezettel von Bache, Keiler und Frischling steht. Neben Samen der Bäume und kleinen lebendigen Tieren findet sich darauf auch totes Aas. Und besagtes Schlammbad übrigens hilft, lästigen Parasiten Herr zu werden. »Simsalabim« spricht sie darauf den Zauberspruch, und schon sind die Jungen und Mädchen wie weiland Odysseus’ Gefährten Schweine im Buchenwald und auf Nahrungssuche (unter uns: tatsächlich suchen sie neun Filmdosen, die den Speiseplan verraten).

Nächster Hingucker ist ein Hochsitz. Dass die Jäger nicht »aus Jux und Dollerei« Wildschweine und Rehe totschießen, macht die Waldpädagogin deutlich. Keine natürlichen Feinde weit und breit, milde Winter und gutes Nahrungsangebot haben die Populationen immens wachsen lassen.

Griffe der Mensch nicht ein, wären die Verbissschäden an jungen Bäumen oder die Verluste auf den Feldern noch höher, erklärt Kotschenreuther. Ihr Beitrag wider das »Bambi-Syndrom«.

Spannender Höhepunkt ist dann ein Sinnespfad: Mit verbundenen Augen gilt es, etwas zu erfühlen, was sich da unter den Füßen und in den Händen befindet. Ein Beitrag wider den taktilen Mangel, möchte man meinen. »Viele sind ja nur noch das Laufen auf glatten Oberflächen gewohnt«, sagt die gelernte Försterin. Nicht zuletzt mit solchen Angeboten will sie die Kleinen wieder an die Natur heranführen, sie lehren, mit offenen Augen die Umwelt mit all ihren Facetten wahrzunehmen. Wobei sie natürlich den Fokus auf das überlebenswichtige Ökosystem Wald legt. Dass der Mensch es dringend braucht, um atmen zu können oder sich ein Dach überm Kopf zu schaffen, auch das ist bei diesem Waldspaziergang zu erfahren. Und ebenso, dass es - trotz Recyclings - doch immer wieder mal frische Holzfasern braucht, um Klopapier zu machen.

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