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Hartmut Miethe mit einem Porträt von Alfred Delp.

Christ und Widerstandskämpfer

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Grünberg (dis). In einer Veranstaltung des Arbeitskreises »Kultur Grünberg« hielt Pfarrer i. R. Hartmut Miethe einen Vortrag zum Jahrestag des Attentats auf Hitler. Er widmete sich Alfred Delp, einem Kirchenmann, der zum Widerstandskämpfer wurde. Nach dem gescheiterten Attentat am 20. Juli 1944 wurde er am 28. Juli, nach der Frühmesse, in München-Bogenhausen verhaftet, am 11.

Januar 1945 zum Tode verurteilt.

Der vom Volksgerichtshof, so Miethe, habe zwar den Vorwurf der Mitwisserschaft am Attentat fallen lassen, doch sein Engagement im Kreisauer Kreis, sein Wirken als Jesuitenpater und seine christlich-soziale Weltanschauung hätten genügt, um ihn zum Opfer der NS-Justiz werden zu lassen.

Delp wurde 1907 in Mannheim geboren. Seine Jugend wurde vor allem durch den katholischen »Bund Neudeutschland« geprägt. Unmittelbar nach dem Abitur in Dieburg trat er 1926 in den Jesuitenorden ein. 1937 wurde er zum Priester geweiht, wirkte ab 1939 als Seelsorger in der Pfarrei Heilig Blut in München-Bogenhausen. Delp schrieb für die Zeitschrift »Stimmen der Zeit«, die im Juni 1941 verboten wurde.

Ab 1942 arbeitete er im Kreisauer Kreis um Helmuth James Graf von Moltke mit, um ein Modell für eine neue Gesellschaftsordnung nach der Nazi-Diktatur zu entwickeln. Hier baute er besonders auf die Katholische Soziallehre.

1942 nahmen einige Jesuiten Kontakt mit dem deutschen Widerstand auf, Delp stieß später hinzu. Nach seiner Inhaftierung machte ihm die Gestapo das Angebot »Freilassung gegen Ordensaustritt«. Er schlug es aus.

Im Gefängnis schrieb Delp viele Briefe. Am 23. Januar 1945 einen an sein Patenkind Alfred Sebastian. Er wünscht ihm darin »helle Augen, gute Lungen und die Fähigkeit, die freie Höhe zu gewinnen und auszuhalten«. Was Delp nicht allein aufs Körperliche, auf äußere Entwicklungen bezieht, vielmehr auf das »innerste Selbst«. Nicht von ungefähr, versuchten doch die Nazis, die Jugend- und Kinderarbeit der Kirchen, Gewerkschaften und freien Verbände zu zerstören.«

Wie Miethe weiter meinte, hätte Delp wohl nach dem Krieg eine bedeutende Rolle in der römisch-katholischen Kirche und in seinem Orden übernommen.

Dazu aber kam es nicht, am 2. Februar 1945 endete sein junges Leben, wurde er, gerade 37 Jahre alt, hingerichtet. Kurz zuvor schreibt er in seinem Abschiedsbrief:

»Wie lange ich nun hier warte, ob und wann ich getötet werde, weiß ich nicht. Der Weg bis zum Galgen nach Plötzensee ist nur zehn Minuten Fahrt. Man erfährt es erst kurz vorher, dass man heute und zwar gleich ›dran‹ ist. Nicht traurig sein. Gott hilft mir so wunderbar und spürbar bis jetzt. Ich bin noch gar nicht erschrocken. Das kommt wohl noch. Vielleicht will Gott diesen Wartestand als äußerste Erprobung des Vertrauens. Mir soll es recht sein. Ich will mir Mühe geben, als fruchtbarer Samen in die Scholle zu fallen, für Euch alle und für dieses Land und Volk, dem ich dienen und helfen wollte.«

Auf dem Weg zum Galgen sagte er zum Gefängnispfarrer: »In wenigen Augenblicken weiß ich mehr als Sie.« FOTO: DIS

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