Blick zurück und ein Appell an die Jungen

  • Thomas Brückner
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Grünberg (tb). Die jüngste Sitzung der Stadtverordneten war die letzte in dieser Legislaturperiode. Und es war die letzte für den verdienten Kommunalpolitiker Jürgen Schmidt (SPD).

Am 20. März 1977 war er erstmals gewählt worden, im Alter von 33 Jahren. Schmidt eingangs einer persönlichen Erklärung, gleichsam einer Bilanz: »Es hieß, wir brauchen was Junges. Heute bin ich 77.«

Der frühere Lehrer erinnerte nun an die bewegte Anfangszeit, als die im Zuge der Gebietsreform Anfang der 70er geschlossenen Verpflichtungen aus den Grenzänderungsverträgen zu erfüllen waren; wozu vor allem der Bau dreier Bürgerhäuser zählte.

Schmidt hatte es über die Jahre mit drei Bürgermeistern zu tun. Was nicht immer einfach gewesen sei, wie er bemerkte. Vor allem bei Gerulf Herzog (Rathauschef von 1973 bis 1980, die Red.) sei dies der Fall gewesen: »Für ihn war alles, was die SPD angeht, ein rotes Tuch.«

Bei der Gemeindewahl 1989 wurden Grünbergs Sozialdemokraten stärkste Fraktion, und Schmidt zum zweiten Mal Stadtverordnetenvorsteher. Gemeinsam mit den Grünen aber hatten seine Genossen erstmals eine Ein-Stimmen-Mehrheit - und wollten ihren Kandidaten Dieter Eisenberg (SPD) zum Bürgermeister wählen. Der Abend des 25. Oktober 1991 aber brachte eine faustdicke Überraschung: Die Wahl des Rathauschefs, damals noch durch das Stadtparlament, gewann dank eines »U-Boots« bei Rot-Grün Amtsinhaber Siegbert Damaschke (CDU). Schmidt: »Das hat mir damals den Boden unter den Füßen weggezogen.« Als zweite negative Begebenheit erwähnte er wahrheitswidrige Vorhaltungen im Zuge der Diskussion um den Ausbau der Diebsturmstraße, er habe auch schon mal Vorteil aus seinem Mandat gezogen.

Als besonders positiv hat der 77-Jährige die Freibadsanierung und die Städtepartnerschaft mit Mragowo 1992 in Erinnerung. Angesichts der unsäglichen Verbrechen, die Deutsche dem polnischen Volk angetan hatten, hatte dies dem Sozialdemokraten besonders am Herzen gelegen. Dass es die richtige Entscheidung war und nicht etwa Vorschläge für eine Verbindung mit Ungarn zum Zuge kamen, da war er sich seinerzeit mit Damaschke einig.

»Es rentiert sich«, ermunterte der »Politik-Senior« schließlich die heutigen Jungen zum Engagement in der Kommunalpolitik. Und mahnte, bei Diskussionen statt oberflächlichem Geplänkel in die Tiefe zu gehen, nachzuhaken.

44 Jahre ununterbrochen Mitglied des Stadtparlaments, 44 Jahre ehrenamtliches Wirken für die Großgemeinde Grünberg - mehr als bemerkenswert. Dafür dankten ihm am Ende alle Fraktionen mit langem Applaus. ARCHIVFOTO: PM

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