Das Quellenhaus unweit des unteren Stauweihers im Grünberger Brunnental. FOTOS: DIS
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Das Quellenhaus unweit des unteren Stauweihers im Grünberger Brunnental. FOTOS: DIS

Ein Bildungs- und Erlebnisort

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Grünberg(dis). Das Projekt ist ambitioniert: Grünbergs Brunnental, wo vor 600 Jahren bereits Trinkwasser hinauf in die Stadt gefördert wurde ("Wasserkunst"), soll zu einem Bildungs- und Erlebnisort werden - gleichsam ein Freilichtmuseum. Der Bedeutung nicht zuletzt für den Tourismus entsprechend, fließen 200 000 Euro aus Brüssel nach Grünberg (die GAZ berichtete).

Im Vorjahr aufs Gleis gesetzt, sind inzwischen das Gros der Pläne und Ideen Realität geworden, einzig der große Wasserspielplatz mit Kneippbecken verzögert sich.

Verheerende Stadtbrände

Harald Sellner, Vorsitzende des Verkehrsvereins, der seit 130 Jahren die "Patenschaft" über das Kleinod innehat, hatte soeben zur Führung geladen. Um so einen Überblick zu geben, was bereits geleistet wurde, was noch zu tun ist.

Neben Sellner informierten der ehemalige Wassermeister Walter Schäfer und Robert Scheuermann vom "Arbeitskreis Brunnental", auch über manch technische und physikalische Details.

Im Mittelpunkt stand dabei die Förderung des Trinkwassers aus dem Tal in die gut 50 Meter höher gelegene Altstadt. Nur in Fritzlar - die Nordhessen zählten zu den Pionieren der Wasserförderung im ausgehenden 15. Jahrhundert - waren es mit 60 Metern noch etwas mehr.

Das Pumpwerk beendete die schwere Arbeit der Wasserträger, die das wertvolle Nass aus den Quellen im Tal schöpften. Denn Grünbergs Altstadt - auf einem Basaltrücken gelegen - hat kein natürliches Fließgewässer. Auch die verheerenden Stadtbrände von 1370 und 1391 hatten die existenzielle Bedeutung der Wasserversorgung aufgezeigt. Also holte sich die Stadt die "Expertise" und schloss einen Vertrag zum Bau eines Pumpwerks.

Im Jahre 1419 endlich verfügte die Gallusstadt über eine der ersten Förderanlagen Deutschlands - was natürlich die weitere Stadtentwicklung entscheidend begünstigte. Im Maschinenhaus, errichtet 1895, gab Robert Scheuermann, ehemaliger Lehrer für Physik und Elektrotechnik, den Teilnehmern weitere Erläuterungen an die Hand.

Als Bildungs- und Erlebniszentrum "Wasser-Natur-Kultur-Technik" eingerichtet, wird hier Besuchern die frühe Technik erläutert. Dazu dienen Pumpenmodelle sowie ein Schaubild zur Chronologie.

Was für Technikfans

Hinzu kommt eine beleuchtete Tafel, bei der man per Tastendruck die unterschiedlichen Verteilwege des Trinkwassers in der Stadt sichtbar machen kann. An weiteren Gebäuden sind die Brunnenhäuser oben am Winterplatz (erbaut 1582) und jenes unten im Tal (1854) sowie die "Stadtmühle" von 1910 erhalten. In Letzterer konnte man die vom Wasser des Mühlgrabens angetriebene Dreikolben-Pumpe bestaunen. Ein "Hingucker" für Technikfans. In einer Nische finden sich historische Wasserrohre. Das älteste aus Holz wird aufs Jahr 1418 datiert, wie Walter Schäfer wusste. Nicht mehr vorhanden bzw. in Betrieb sind das Kleine Mühlchen (auch "Mühle zum Heiligen Geist" genannt), die alte und neue Lohmühle (der Name verweist auf die alten Gerbereien), die Antoniter- oder Dickelsmühle sowie die Latzmühle. In der Nähe des Unteren Stauweihers befindet sich das Quellenhaus. Insgesamt sind auf dem mit Info- Tafeln versehenen Rundgang vier Quellen zu entdecken.

Wasserspielplatz und Kneippbecken

Die ehedem zahlreichen Weiher, darunter der bis 1780 existierende Antonie-See sowie der Obere (1943) und Untere Heilig-Kreuz-See (1909), sind nicht mehr vorhanden. Am geplanten Wasserspielplatz an der Stadtmühle werden ab nächstem Jahr Kinder vergnügen können. In der neuen Kneipp-Anlage nebenan dürften Ältere den Kreislauf in Schwung bringen. Fertig ist dagegen bereits ein Pfad mit fünf violett markierten Stationen, an dem man mit allen Sinnen das nasse Element erleben kann.

Wertvolle Biotope

Da das Landschaftsschutzgebiet viele Bio- und Geotope umfasst, auch aufgrund des Quellenreichtums ein einzigartiger Lebensraum für Pflanzen und Tiere ist, wurde auch ein Naturpfad eingerichtet. Der Rundweg führt über etwa 1,7 Kilometer. Bleibt noch anzufügen, dass der Auf- und Abstieg zum Brunnental mit einem neuen Geländer auf dem Steilstück zumindest erleichtert wurde.

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