»Problem-Biber«

Biber baut zu nah am Wasserwerk der SWG

  • Thomas Brückner
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Der Biber kehrt zurück ins Gießener Land, rund ein Dutzend Reviere sind es wieder. Baut er aber seine Burg zu nah an ein Wasserwerk, wie in Queckborn der Fall, wird der Biber zum »Problembiber«.

Manch Gutes kommt aus der Wetterau ins Gießener Land, auch der Biber gehört dazu. Fraßspuren an Uferbäumen oder mit viel »hand-werklichem« Geschick errichtete Behausungen zeugen davon. Jedoch: Baut der Biber zu nah an einem Wasserwerk - wie jüngst in Queckborn zu beobachten -, kann das zu Konflikten führen.

Schmackhaftes Fleisch, ein von Hutmachern begehrter Pelz, ein Drüsensekret, »Bibergeil« genannt, das gar wundersame Heilung versprach - drei Argumente, die im 19. Jahrhundert gegen den Biber sprachen, hierzulande zu seiner Ausrottung führten.

Vor allem über die Horloff und Wetter ist er vom Süden kommend wieder ins Gießener Land eingereist. Das erste Exemplar ließ sich 2007 nahe Utphe blicken. Seit drei, vier Jahren jedoch beschränkt sich das nicht nur auf Stippvisiten junger geschlechtsreifer Tiere.

»Inzwischen gib es im Kreis Gießen zehn bis elf stationäre Vorkommen«, weiß Peter Wenisch, Biber-Beauftragter des NABU-Kreisverbands. Mit anderen Naturfreunden kartiert er Fraß- und Ausstiegsspuren des zweitgrößten Nagetiers der Erde. Nicht zuletzt aber bemüht er sich, bei Konflikten den »Druck rauszunehmen«.

Rückstau: Brunnen vom Netz genommen

Die dürften gerade in dieser Jahreszeit auftreten: Von Januar bis März, erklärt Wenisch, ist Paarungszeit bei Bibers. Also die Zeit, da junge Männchen auf eigenen Pfoten stehen wollen, auf Wanderschaft gehen, bis zu 70 Kilometer weit, immer auf der Suche nach einem eigenen Revier - und möglichst einer Partnerin. Stimmt das Angebot, auch was die Nahrung angeht, werden sie sesshaft. «Sie gründen ihren eigenen Hausstand.«

Ob der Nager in Queckborn seinen »ersten Wohnsitz« genommen hat, muss offen bleiben. Unstrittig aber sind die Folgen seiner Bautätigkeit im Äschersbach, unweit der Brunnen des Wasserwerks der Stadtwerke Gießen (SWG): Durch den Damm stieg der Wasserspiegel, über das in den Bach führende Überlaufrohr - wiewohl durch eine »Froschklappe« gegen ungebetene Gäste gesichert - drohte Oberflächenwasser in einen der Brunnen zu gelangen. Dieser musste daher vom Netz genommen werden.

»Eine Vorsorgemaßnahme, zu keiner Zeit bestand eine Gefahr für die Trinkwasserversorgung«, betont Ina Weller, Pressesprecherin der SWG. Dies gewährleisteten schon die UV-Entkeimungsanlagen.

Dank galt da dem städtischen Bauhof, der die Biberburg mit Rohren »spickte«. Worauf der Wasserspiegel wieder sank, die Rückstaugefahr gebannt war. Eingeschaltet hatte die Verwaltung das Regierungspräsidium Gießen, dessen Fachabteilung die Grünberger unterstützte. Dass die Naturschutzbehörden in solchen Fällen im Vorfeld zu beteiligen seien, unterstreicht die RP-Pressestelle. Schließlich handele es sich um eine nach §7 Bundesnaturschutzgesetz »streng geschützte Tierart.«

Trotz eines Hochwasserschadens an seinem Damm ist der Queckbörner Biber übrigens weiter vor Ort, maximal einen Tag alte Spuren belegten dies, wie der Mitarbeiter des RP bei einem Ortstermin am Donnerstag festgestellt habe.

NABU: Drainage oder Umleitungsrinne die Lösung

Hier praktizierte Lösung würdigt Mark Harthun vom NABU Hessen. Werde ein Bau zum Problem, könne per Umleitungsrinne oder Drainage die Stauhöhe ohne großen Aufwand reguliert werden. Nur als Ultima Ratio sollte ein Damm zerstört werden. Drohe doch eine Wohnröhre trocken zu fallen, könnten Feinde des Bibers eindringen. Grundsätzlich wirbt der Naturschützer dafür, »ein Miteinander von Biber und menschlichen Ansprüchen zu ermöglichen«.

Im Vergleich zum Queckbörner »Fall« viel häufiger treten Probleme mit der Landwirtschaft auf. Wie vor zwei Jahren, als im Raum Bessingen/Münster der Nager sich an Raps und Weizen gütlich tat.

Dieserart Konflikte, so wieder Harthun, träten auch auf, weil der Mensch seit vielen Jahren viel zu nah an die Gewässer heranwirtschafte. Nicht nur Lebensraum der Auenbewohner gehe so verloren, auch sei die Hochwassergefahr und Wasserverschmutzung gestiegen. »Der Biber zeigt uns, dass zum Fluss immer auch ein Uferstreifen gehört. Und nicht zuletzt bringt er viele Wohlfahrtswirkungen mit: deutlich mehr Artenvielfalt in Auen und Gewässern, Wasserrückhalt in trockenen Sommern, Grundwasserneubildung sowie Pufferstreifen gegen Eintrag von Dünger und Pestiziden.« FOTOS: BF

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