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Der Brief beweist alles (v. l.): Tante Minna, Silke Krämer und Hermann Ackermann. Foto: ghe

Ein Besuch mit Folgen

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Grünberg(ghe). Im krassen Widerspruch zu dem schwermütigen Novembertag stand der Freitagabend im Dorfgemeinschaftshaus Lehnheim - das Publikum lachte laut und klatschte begeistert: Auf der Bühne sorgte die Theatergruppe mit ihrem neuesten Lustspiel, "Achtung, die Verwandtschaft kommt" (Wilhelm Behling), zwei Stunden für allerbeste Stimmung. Wer kennt nicht das zwiespältige Gefühl, das solche "freudigen" Besuche auslösen können? Zumal, wenn es - wie hier - angeblich um schwesterliche Fürsorge, in Wirklichkeit aber um Habgier und Erbschleicherei geht. Gottlob hat Tante Minna (Regina Greb) den Braten längst gerochen und steht ihrem Neffen, dem biederen Landwirt Hermann Ackermann (souverän gespielt von Norbert Klaper) zur Seite, als der um Haus und Hof gebracht werden soll. Aber er hat da so eine Idee, wie er den Schwindel aufdecken kann.

Zuhören fällt vor Lachen schwer

Und wie er ihn aufdeckt! Da helfen keine Ausreden und kein "Wir haben’s doch nur gut gemeint": Hermanns missgünstige Schwester, Elfriede von Stürzenbach (Barbara Dörr), ihr ebenso raffgieriger Sohn Heimfried (zum ersten Mal dabei: Florian Tröller) und die arrogante Bankerin, Gabi von Steinreich (wunderbar hochnäsig dargestellt von Nadine Ifland), verlieren das Spiel. Der Bauernhof ist gerettet, die Zwangsversteigerung abgewendet. Kein Lustspiel ohne Irrungen und Wirrungen, ohne mysteriöse Zufälle und Geheimniskrämerei. Darin verwickelt ist der eigentlich sehr gewissenhafte Arzt, Dr. Anton Himmelreich (Jens-Uwe Horst), den sein Jagdfieber in Schwierigkeiten bringt. Auch die niedliche Praktikantin Silke Krämer (Jennifer Kleinert) ist - (familien-)geheimnisumwittert - mit von der Partie. Ebenso die besorgte Tante Minna - durchgehend mit Stock und Zitterhändchen hinreißend gespielt von Regina Greb.

Schließlich gibt’s ein Happy End - auch für den in Finanzdingen versierten, hilfsbereiten und verliebten jungen Nachbarn, Paolo Continelli (Bernd Greb mit schickem Italo-Akzent). Gemeindepastor Henkelmann (Raphael Dörr) wird seine dauernden Geldsorgen los, die er wegen anstehender Kirchenreparaturen hatte. Der Glücklichste auf dem Bauernhof aber ist Heini Eggemann, der Landarbeiter: Der hat einen Schatz entdeckt. Was Andreas Lauber mit seiner umwerfenden Mimik und Gestik aus dieser Rolle macht, ist unglaublich. Da vergisst man vor Lachen, zuzuhören.

Ein Kompliment an die Regie (Karin Kühn) - hier wurde dem Volk nicht nur aufs Maul, sondern auch ins Gesicht geschaut und die kleinen, allzu menschlichen Marotten gleich mit übernommen. Die Inszenierung lebt davon.

Traditionell unterstützt die Theatergruppe aus den Einnahmen heimische soziale Einrichtungen. Aktuell steht noch die geplante Renovierung des Kinderspielplatzes am Lehnheimer Tannenköppel an. In dieser Saison wurde der Eintrittspreis um einen Euro erhöht. Das Geld soll kranken Kindern zugutekommen. Dazu haben die Veranstalter bereits Kontakt zu dem Elternverein der Station Peiper aufgenommen.

Alle vier Abend- und drei Nachmittagsaufführungen sind bereits ausverkauft.

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