40-Millionen-Euro-Invest

Bender baut in Grünberg für die Zukunft

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Die Bender GmbH & Co. KG hat in Grünberg ihr neues Produktions- und Verwaltungsgebäude eingeweiht und nimmt nun neue Geschäftsfelder ins Visier.

Der Neubau des Stammsitzes der Bender GmbH &Co. KG in Grünberg mutet an wie ein Architektur gewordenes Symbol: Aufstrebend, nach vorn drängend, scheinbar über den Dingen schwebend, doch zugleich bodenständig, verbunden mit der Stadt, der Region. "Großartig,", wie es nicht nur Volker Bouffier am Samstag fasste. Hessens Ministerpräsident zählte zu den Ehrengästen der Einweihungsfeier für das neue Produktions- und Verwaltungsgebäude. Bei Baukosten von rund 30 Mio., einem Gesamtinvest von 40 Mio. Euro darf es als Meilenstein in der Unternehmensgeschichte gelten.  

Im Mittelpunkt des Festaktes stand eine Podiumsdiskussion, moderiert von HR-Wirtschaftsjournalistin Claudia Schick. Die Herausforderungen in Zeiten der vierten industriellen Revolution, an die Wirtschaft wie die Politik, erörterten neben Bouffier zwei der Geschäftsführer von Bender, Markus Schyboll (CEO) und Sabine Bender-Suhr (CFO), zudem Landrätin Anita Schneider, THM-Präsident Prof. Dr. Matthias Willems und Dr. Clemens Christmann (Zentralverband Elektrotechnik- und Elektronikindustrie).

Weltweit über 700 Beschäftigte

Christian Dirk Bender, der 1972 den Betrieb mit nur 28 Mitarbeitern übernommen, ihn zum Marktführer in der Netzschutztechnik gemacht hat, aber war es vorbehalten, zunächst Gäste, Belegschaft und Angehörige zu begrüßen. 2007 hat der "Senior" die Leitung an die Kinder übergeben. Dass auch unter deren Ägide das Unternehmen sich den Herausforderungen gestellt habe, und zwar mit Erfolg, das betonte der 73-Jährige: "Ihr habt einen großartigen Job gemacht." Und mit Blick auf den Neubau, mit dem Platz für weiteres Wachstum geschaffen wurde und der für ihn ein klares Bekenntnis zum Standort ist, zog er das Fazit: "Man sieht: Wir bauen Zukunft!"

Nie auf Erfolgen ausgeruht, immer neue Geschäftsfelder im Blick, weltweit über 700 Beschäftigte, 110 Mio. Euro Jahresumsatz, soziales Engagement – Attribute, mit denen Bürgermeister Frank Ide Grünbergs größten Betrieb und Steuerzahler beschrieb. "Der Neubau steht für Mut und Weitsicht, für eine Investition in die Zukunft, den Standort."

Geschäftsführer Schyboll griff in seinem Impulsreferat eines der neuen Geschäftsfelder auf: Bis auf eine Ausnahme trugen danach alle bei der IAA von Mercedes präsentierten Elektro- oder Hybridmodelle das Siegel:"Bender-Technik inside". Unter Hinweis auf den schnellen Abschied von Nokia mahnte er, sich den technischen Herausforderungen zu stellen. Ein Adressat ist für ihn durchaus Deutschlands Autoindustrie: "Die Zukunft der Elektromobilität hat in China längst begonnen." Nicht beweinen, sondern gegenhalten, laute das Gebot der Stunde. Für eine Stärkung des Standorts brauche es ebenso ein stärkeres Engagement der administrativen Ebene. Neben der Infrastruktur ("Highspeed-Internet") haben für ihn Investitionen in Bildung Vorrang. Konkret: bessere Ausstattung der Schulen, gerade was die Vorbereitung auf technische Berufe angeht, kein Unterrichtsausfall an Berufsschulen, gute Englisch-Kenntnisse. Schyboll: "Wir leben im Zeitalter von Globalisierung und Digitalisierung, aber wir leben von der Innovation. Innovation lebt von Menschen, und Menschen leben von Bildung."

Genug Impulse für die Podiumsdiskussion, die zum meist harmonischen Austausch wurde. Im Zentrum zunächst die Frage, ob Politik ihre Hausaufgaben erledigt, um das Land der Ingenieure wettbewerbsfähig zu halten?

"Gut ausgebildete Mitarbeiter sind die Grundvoraussetzung, wenn wir konkurrenzfähig bleiben wollen", betonte Personalchefin Bender-Suhr. Hier sei der Staat gefordert.

Dass die Voraussetzungen für Forschung und Lehre an Deutschlands Hochschulen gar ein "Rekordniveau" erreicht hätten, betonte THM-Präsident Willems. Geld sei genug da, wenn auch nicht immer gerecht verteilt. Ein positiver Impuls ist für ihn das Programm "LOEWE 3", mit dem Hessen eine intensive Vernetzung von Wissenschaft, außeruniversitärer Forschung und Wirtschaft fördert. Auf die Anmerkung Bender-Suhrs, den schwierigen Zugang kleinerer Mittelständler betreffend, räumte er ein: "Vielleicht muss man das noch mehr in die Region bringen."

Um die universitäre Ausbildung sei es durchaus gut bestellt, unterstrich Bouffier mit Blick auf allein zwölf Hochschulen in Hessen oder den "Hochschulpakt", mit dem Planungssicherheit geschaffen worden sei. Klar aber auch für ihn: "Ohne hochqualifizierten technisch-naturwissenschaftlichen Nachwuchs keine Zukunft."

Dass es in Hessen möglich sei, nach einer Lehre die Hochschule zu besuchen, stellte er heraus. Wie er grundsätzlich dafür werbe, zunächst eine Berufsausbildung zu absolvieren. Und zur Kritik an aktuellen Mängeln der dualen Systems: "Ja, aber ich kann mir nun mal keine Lehrer vom Baum pflücken."

Geschwindigkeit als Waffe im Wettbewerb

Markus Schyboll (CEO)

Leidiges Thema auch bei dieser Diskussion: "lahmes Internet". Bender-Chef Schyboll riet der Politik, sich doch ein Motto der Vertriebler zu eigen zu machen: "Geschwindigkeit als Waffe im Wettbewerb". Es brauche einen Schub, eine komplette Infrastruktur mit Glasfaser, stimmte Bouffier zu und avisierte weitere Anstrengungen des Landes.

Mangels Bundes- und Landesförderung, bat die Landrätin zu beachten, sei der Kreis Gießen 2011 in Vorlage gegangen, als Unternehmen noch abgewunken hätten. 30 Mbit/s gebe es bereits in Grünberg, 2018 werde der Ausbau weiter vorangetrieben, bis in den kleinsten Weiler. In einer dritten Ausbaustufe ("Förderantrag läuft") wolle man Glasfaser direkt an Schulen, in öffentliche Gebäude, Gewerbegebiete bringen. Der Kreis gehe im Übrigen auch bei der E-Mobiliät voran: Fast fertig sei so eine Mobilitätsstudie, deren Kern ein flächendeckendes Netz an Ladestationen, inklusive ausgewählter Gewerbegebiete, sei.

Eine Forderung des Verbandssprechers Elektroindustrie, Clemens Christmann, war die (steuerliche) Besserstellung von Forschung- und Entwicklungsinvestitionen. Der Staat, so Bouffier, stelle Milliarden an Steuergeldern bereit. Zu fragen sei, ob diese richtig verteilt werden, ob Großunternehmen wie Siemens diese Hilfen brauchen

Sabine Bender-Suhr brachte schließlich einen weiteren Standortfaktor aufs Tapet: Um dringend benötigte Fachkräfte zu gewinnen, müsse Grünberg attraktiv bleiben. Gute Kleinkinderbetreuung, aber auch Freizeitangebote wie ein Hallenbad, dafür müsse die Politik sorgen – ein Wunsch, der sich wohl weniger an Bouffier und Schneider neben ihr auf dem Podium, eher an den Tisch im Saal mit Bürgermeister Ide richtete.

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